Meine Sicht der Dinge

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Will Davis
  • Land: England
  • Verlag: Bruno Gmünder
  • Seiten: 235
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2007
  • ISBN: 9783867870696
  • gelesen: 17.10.2010 – 03.11.2010
  • Gestaltung: 4 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,1 von 5

Originaltitel: My side of the story
Aus dem Englischen von Andreas Diesel

 

In MEINE SICHT DER DINGE begleiten wir den siebzehnjährigen Briten Jarold durch einen Teil seines Lebens. Jarold geht in die 11. Klasse des St. Matthews Gymnasiums, mag es, wenn er „Jaz“ genannt wird und ist schwul. Bis auf seine beste Freundin „Al“, die eigentlich Alice heißt und die Außenseiterrolle einnimmt, weiß davon niemand. Jaz‘ Familie ist ziemlich verkorkst, also so wie alle anderen auch. Seine Mutter ist Rechtsanwältin und macht seinen Vater, einen willenlosen Schwächling, regelmäßig zur Schnecke. Damit wäre mindestens das schwule Klischee der dominanten Mutter schonmal erfüllt. Seine jüngere Schwester Teresa ist eine fanatische Bibelchristin. Die beiden sind sich spinnefeind. In der Schule wird er von Nazis und anderen Psychofreaks drangsaliert und begegnet in einer Schwulendisco am selben Abend seinem Traumtypen und seinem Geographielehrer…

Die Geschichte um Jaz ist ein seelisches Sackhüpfen mit all den traumatischen Erlebnissen, die ein Jugendlicher (nicht nur ein schwuler) im Laufe seines Erwachsenwerdens so durchleiden könnte. Dabei schwingt in jedem Satz so eine pseudorebellische „mir-doch-scheißegal“-Aura mit. Jaz versucht, die Dinge aus seiner persönlichen und intimen Sicht herzuleiten und abzubilden, er versucht, dem Leser Verständnis abzuringen und sagt gleichzeitig, dass es ihn nicht kümmert, was andere von ihm denken.

Der Autor Will Davis baut die Geschichte kreuz und quer auf, springt von der Gegenwart in die Zukunft und zurück in die Vergangenheit und verknüpft diese Bestandteile dann zu einem Ganzen. Jaz hält das für die beste Anordnung, um seine Geschichte so zu erzählen, dass andere, die ihm eigentlich egal sind, seine Handlungen und Gedanken nachvollziehen können. Während des Lesens fand ich das zunächst störend, bis sich am Ende für mich ergeben hat, dass das zur eigentlichen Geschichte dazugehört. Jaz hat Schwierigkeiten (wie die meisten in seinem Alter), sich anderen mitzuteilen, auszudrücken, was er wirklich denkt. Er spricht lieber in Kurzmitteilungen, aber nur seine beste Freundin versteht ihn. Und so manövriert er sich selbst fortwährend in Schwierigkeiten.

Das Buch kann ich trotz anfänglicher Vorbehalte empfehlen. Die Vorbehalte ergaben sich aus der teils sehr derben Ausdrucksweise, mit der ich zwar durchaus kein Problem habe, die ich aber anfangs nicht erwartet hatte. Die einzige wirkliche Sexszene ist deftig, macht aber keinen Spaß (soll sie auch nicht). Damit eignet sich das Buch genaugenommen nicht als Lektüre und Ratgeber für Jugendliche unter 16 Jahren. Allen anderen, die sich für das Leben von Jugendlichen, egal ob schwul oder nicht, interessieren, kann ich das Buch ans Herz legen.

 

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