Buch: Letztendlich sind wir dem Universum egal

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

   
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,5 von 5

Titel der Originalausgabe: Every day
Aus dem Amerikanischen von Martina Tichy

Worum geht’s?

Stellt Euch einmal vor, Ihr würdet jeden Tag im Körper einer anderen Person aufwachen. Was würdet Ihr anstellen?

In diesem Buch von David Levithan geht es um A. Mal ist A ein Er und mal eine Sie, je nachdem, in welchem Körper er/sie morgens erwacht. Weil es für mich einfacher ist und weil ich mir die Gedanken-Stimme in meinem Kopf so vorgestellt habe, schreibe ich von A hier als einer männlichen Person.

Den Namen A hat er sich selbst gegeben, um eine eigene Identität und einen Anfang zu haben. Er kann sich nicht erinnern, jemals nicht den Körper gewechselt zu haben. Seine Wirte sind immer so alt, wie er, also im Buch gerade 16 Jahre. Und sie erinnern sich nicht, dass sie einen Tag lang keine Kontrolle über sich hatten. A versucht, die Leben, in denen er zu Gast ist, nicht allzusehr durcheinander zu bringen und tut eigentlich immer so, als wäre er die Person. Meistens merkt das Umfeld des Wirts nur, dass er oder sie an dem Tag irgendwie neben der Spur ist.

An einem Tag ist A Justin, ein Highschool-Schüler. Nicht der hellste, nicht der netteste, aber das ist schon OK, mehr als einen Tag muss A ja nicht bleiben. Justin hat eine Freundin, Rhiannon. Sie ist liebenswert und liebt Justin, obwohl er sie mies behandelt. Wenn er ihr nicht gerade an die Wäsche will, ignoriert er sie. Keine Komplimente, keine netten Worte, das belastet sie – aber sie liebt ihn trotzdem und hofft, dass der nette Justin irgendwann hervorkommt. A kennt die Erinnerungen seiner Gastkörper und weiß, dass es Rhiannon mit Justin schwer hat. Und weil er sie irgendwie toll findet, beschließt er, ihr eine Freude zu machen. Sie fahren an den Strand und verbringen einen verliebten Tag miteinander. Vielleicht, so redet er sich ein, färbt davon ja was auf Justin ab. Und am nächsten Morgen fährt A mit seinem neuen Wirtskörper in Rhiannons Schule, um zu sehen, ob er etwas bewirkt hat…

Justin ist nur einer von zahlreichen Wirten, die wir in diesem Buch kennenlernen. Mal muss A den Kater von jemandem ertragen, mal einen Tag Entzugserscheinungen einer Drogensucht, einen Wirt muss er daran hindern, sich umzubringen und einen kann er nicht mehr rechtzeitig vor dem Wechsel nach Hause bringen und löst damit eine landesweite Teufels-Hysterie aus, weil der Wirt behauptet, er sei besessen gewesen.

Am Ende macht A eine überraschende Entdeckung, die sein Leben von Grund auf ändern könnte.

Und wie war’s?

Es war spannend zu lesen, wie der bisher so brave A sich in die Freundin eines seiner Wirte verliebt. Und wie ihn seine Hormone dazu bringen, sein oberstes Prinzip über Bord zu werfen: Er mischt sich ein. Und das nicht nur an einem Tag. Mit seinen nächsten Wirten fährt er wieder und wieder zu Rhiannon. Mehr noch: Er vertraut sich ihr an und will mit ihr zusammen sein. Für A ist das eine ziemliche Umstellung. Für den Leser ist das nicht weiter verwunderlich, immerhin ist A sechzehn. Interessant ist auch das Verhalten von Rhiannon. Zunächst glaubt sie natürlich an einen Scherz und einen Trick. Aber als A in einem immer anderen Körper zu ihr kommt, glaubt sie ihm schließlich. Doch während A versucht, ihr ein besserer Freund zu sein als Justin, stürzt er sie in einen schwierigen Konflikt. Die Hexenjagt eines religiösen Fanatikers macht ihm auch nicht gerade Spaß, zumal der Junge, den A am Straßenrand zurückgelassen hat, ja auch in eine ziemlich Krise gestürzt wurde. Alles in Allem hat er also für ziemlich viel Unordnung gesorgt. Das zu lesen macht Spaß. Man wünscht A, dass er irgendwie ein Zuhause in einem Körper findet und anfangen kann, zu leben. Da kommt das irgendwie zwielichtige Angebot von einem Mann, der selbst ein Körperwanderer wie A ist, gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Insgesamt wieder ein schöner Roman von David Levithan, wenn auch nicht mein Favorit.

Zur Bewertung

Auf dem Schutzumschlag sind 83 verschiedene Gesichter abgebildet, was natürlich nur einen kleinen Teil der mehr als 6.000 von A durchlebten Menschen darstellt. Das eigentliche Buchcover zieren sogar 120 Gesichter. Der deutsche Titel ist schön auffällig und passt in die Reihe der deutschen David-Levithan-Buchtitel (zum Beispiel „Noahs Kuss und plötzlich ist alles anders„). Er hat nach meiner Wahrnehmung aber nicht so wahnsinnig viel mit der Geschichte zu tun. Der Originaltitel „Every day“ passt besser. Insgesamt ist das Buch als Jugendroman aufgemacht, die Schrift ist nicht allzu klein und auch die Zeilenabstände sorgen dafür, dass sich der Leser schnell von Seite zu Seite liest.

Orthografische Schwächen sind mir nicht begegnet. Die Geschichte hat mich meistens gut unterhalten und mitgenommen, die Idee fand ich wirklich klasse. Am Ausdruck kann ich weder bei David Levithan noch bei Martina Tichy meckern, das ist von beiden eine solide Arbeit.

 

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