Ich, Adrian Mayfield

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Gestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,4 von 5

Originaltitel: Schijnbewegingen
Originalverlag: De Fontain, Baarn
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
(siehe auch Deutsche Nationalbibliothek: http://portal.dn-b.de)

 

Band 1: Ich, Adrian Mayfield
Band 2: Adrian Mayfield – Versuch einer Liebe
Band 3: Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod

 

:: Kapitel 1 (Seiten 7 – 17)

Der sechzehnjährige Adrian verdient sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts sein Brot als einer von drei Ladendienern in einem kleinen Londoner Herrenmode-Geschäft. An einem seiner ereignislos beginnenden Arbeitstage kommt ein besonders exzentrischer und übergewichtiger Kunde in den Laden, der nach einem Anzug in einem ganz speziellen Grünton verlangt und über den sich die Angestellten heimlich lustig machen. Adrian hat eine ältere Schwester, Mary Ann, die ihm am Abend des selben Tages die frohe Botschaft überbringt, ein Gaiety Girl zu werden, ein Stern am Himmel des Londoner Varieté.

:: Kapitel 2 (Seiten 18 – 24)

Der Exzentriker aus Kapitel 1 kehrt in den Laden zurück, um seinen bestellten Anzug abzuholen. Adrian assistiert dem Kunden bei der Anprobe, als er sich mit unmissverständlichen Avancen des dicken Herren konfrontiert sieht. Sofort stellt er klar, dass er für derartige Dienste keinesfalls zu haben ist. Der Mann, der sich als Augustus Trops vorstellt, entschuldigt sich für das Missverständnis und bietet Adrian eine Stellung als Malermodell an, bevor er den hübschen Jungen mit einem noch hübscheren Trinkgeld besänftigt.

:: Kapitel 3 (Seiten 25 – 33)

Das Wochenende muntert Adrian nach einer öden Arbeitswoche wieder auf. Gemeinsam mit seinen Freunden besäuft er sich im Empire, wo es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit ein paar reichlich schmierigen Typen kommt. Ein überaus eifriger Polizist schaltet sich ein und geleitet die drei Ladendiener zu ihrer Wohnung im Hause ihres Arbeitgebers.

:: Kapitel 4 (Seiten 34 – 41)

Der ist am nächsten Tag über das unzivilisierte Verhalten seiner Angestellten und die unabsehbaren Folgen für sein Geschäft wütend. Adrian, total verkatert, legt sich mit seinem Chef an und wird kurzerhand gefeuert. Er freut sich über seine Freiheit und macht sich gleichzeitig Sorgen um seine Zukunft, die er dank des üppigen Trinkgeldes von Augustus Trops jedoch noch eine Weile beiseite schieben kann. Auf seinem Weg durch die Stadt amüsiert ihn die tollkühne Vorführung von Akrobaten auf Fahrrädern. Als einer von ihnen, ein besonders gut aussehender Italiener, Adrian in die Augen blickt, fühlt sich der entlassene Ladendiener plötzlich merkwürdig benommen und gleichzeitig stimuliert. Adrian ist verwirrt und fühlt sich schuldbewusst, er ist sich sicher, dass solche Gefühle nicht richtig sind. Er glaubt, er müsse krank sein – ein Sonnenstich vielleicht.

:: Kapitel 5 (Seiten 42 – 52)

Bei dem Versuch, sich den italienischen Radfahrer aus dem Kopf zu schlagen, denkt Adrian an frühere Zeiten zurück.

Sein Vater hat vor Jahren eine Kneipe eröffnet, die anfangs auch gut lief und sich bald einen treuen Kundenstamm aufgebaut hat. Doch immer öfter trank sein Vater eifrig mit und aus Stammgästen wurden Saufbrüder, denen er aus den Ladenvorräten frei ausschenkte. Und so tauschte die Kneipe Ansehen gegen Schulden, statt Gästen standen die Gläubiger vor der Tür. Da sein Vater schon zum Frühstück dem Alkohol nicht widerstehen konnte, übernahm Adrian zusammen mit dem Ladengehilfen die Geschäfte der Kneipe und versuchte, die enormen Schulden in den Griff zu bekommen. Doch als das Freibier gestrichen wurde, blieben auch die letzten Gäste weg. Adrians Mutter verließ ihren Mann, der sich fortan als trunksüchtiger Schauspieler durchschlug.

Da er von seiner Mutter nichts als Vorwürfe wegen seiner Entlassung befürchtet, überlegt Adrian, seinen Vater aufzusuchen und für eine Weile bei ihm unterzukommen.

:: Kapitel 6 (Seiten 53 – 63)

Dieses Vorhaben setzt der junge Londoner auch gleich in die Tat um. Adrians Vater Jack teilt sich eine kleine Wohnung mit zwei weiteren abgehalfterten Schauspielern. Er ist überglücklich, seinen Sohn zu sehen, und natürlich kann er bei ihm wohnen. Dass Adrian einen bezahlten Posten verloren hat, macht ihn eher stolz als enttäuscht, die Mayfields bräuchten nämlich schon immer ihre Freiheit. Er überredet seinen Sohn, am nächsten Tag für eine Rolle am Theater vorzusprechen und macht bereits große Pläne: Mayfield & Mayfield gemeinsam auf der Bühne! Doch das Vorsprechen entpuppt sich als Schlangestehen mit unzähligen Kandidaten, die sich mit einer Rolle am Theater ebenfalls ein paar Pennies verdienen wollen. Nachdem sie einen halben Tag auf den Betreiber warten mussten, gelingt es ihnen nicht, zu ihm vorzudringen und müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Nachts, wenn Adrian mit seinem Vater das Bett teilen muss, träumt er von dem italienischen Radfahrer und ärgert sich am nächsten Morgen über verräterische Spuren in seinem Nachthemd. Er sorgt sich zunehmend über seinen Zustand und beschließt, so bald wie möglich zu Geld zu kommen und ein blondes Gaiety Girl auszuführen.

:: Kapitel 7 (Seiten 64 – 72)

Adrian beschließt, seine Schwester Mary-Ann von einer Vorstellung abzuholen und verschafft sich Zutritt zum Aufenthaltsraum der Gaiety Girls, wo er einen Premiumblick auf die vorbeirauschenden Mädchen hat. Doch anstatt sein Interesse zu entfachen, kichern und gackern sie albern und er ist froh, als seine Schwester endlich auftaucht. Gemeinsam fahren sie mit dem Bus, wo Adrian ihr beichtet, dass er seinen Job verloren hat. Sie soll ihm zu einer neuen Anstellung verhelfen, bei dem er möglichst schnell möglichst viel Geld verdient. Als sie auch keine kreative Idee hat, erzählt er ihr von dem lächerlichen Angebot, als Malermodell zu arbeiten. Zunächst lacht sie ihn aus, aber schließlich rät sie ihm, seinen Stolz herunterzuschlucken und das Geld zu nehmen, damit er sich etwas zu essen kaufen kann.

:: Kapitel 8 (Seiten 73 – 92)

Der Rat kommt nicht zu früh, denn zurück in der Wohnung seines Vaters setzt dieser ihn wegen Schwierigkeiten mit dem Vermieter vor die Tür. Von Hunger geplagt macht sich Adrian auf den Weg zum Haus des Künstlers Augustus Trops. Der exzentrische Mann ist überaus erfreut und lädt Adrian in sein Haus zu einem reichhaltigen Frühstück ein. Sie vereinbaren, dass Adrian als Modell für ihn arbeitet – aber nur vollständig angezogen. Er bekommt ein Gästezimmer und eine Dauereinladung in das Bett des dicken Mannes. Doch Adrian geht es nur um das Geld, um ein Glamourgirl ausführen zu können und den Italiener endlich aus seinen Gedanken zu vertreiben. Trops versorgt seinen neuen Zögling mit Informationen und Ansichten zu zeitgenössischer Kunst und der feudalen Lebensart im alten Rom. Allmählich lässt sich Adrian von dem Freigeist Trops anstecken. Zwar erkennt er die Hintergedanken, die sein neuer Mentor nicht zu verstecken versucht, kann aber auch nicht vermeiden, dass ihm die Ansichten zumindest ein wenig interessieren. Und so bildet sich zwischen den beiden ungleichen Männern der Keim einer Freundschaft.

:: Kapitel 9 (Seiten 93 – 103)

Auch Adrian verbirgt nicht, dass er von Trops im Grunde nur eines will: Geld. Also lässt er sich großzügig aushalten, in den Londoner Zoo ausführen und zum Muscheln essen in ein teures Restaurant ausführen. Trops profitiert von dieser Symbiose durch die Gesellschaft des anbetungswürdigen Jungen. Im Restaurant werden sie Zeuge einer aggressiven Auseinandersetzung zwischen einem Vater und seinem Sohn, der anscheinend einen Liebhaber hat. Erst als der Sohn einen Revolver zieht, zieht sich sein Vater zurück. Adrian fühlt sich nach diesem Tag so wunderbar unterhalten und genießt die Freundschaft zu Trops, dass er sich schließlich doch überreden lässt, seinem Freund ins Bett zu folgen – nur des Geldes wegen natürlich.

:: Kapitel 10 (Seiten 107 – 127)

Nach der fragwürdigen Nacht kommt Adrian zu der Erkenntnis, dass er offenbar „vom anderen Ufer“ ist, wenn es nicht einmal eines hübschen Italieners bedarf, um ihn schwach werden zu lassen. Gemeinsam fahren Trops und er zu einem verspielten Landhaus, dem Möchtegern-Schloss einer neureichen Familie, von deren Tochter Trops ein Porträt fertigen soll. Adrian lernt die nutzlose aber nicht wenig exzentrische Hausdame Lilian kennen, den mürrischen Hausdiener Palmtree sowie Vincent, den peniblen Patron, und schließlich Imogen, die depressive Tochter. Lilian ist von Adrian begeistert und fordert Vincent auf, den hübschen Jungen als Modell für sein Gemälde des Saul und David einzustellen. Vincent willigt ein und stellt ihm Aubrey vor, einen giftig-geistreichen und noch dazu mageren blonden Engel, der Vincent ebenfalls als Malermodell dient und anscheinend in der selben Szene verkehrt wie Augustus Trops. Die Beinahe-Schießerei im Restaurant hat offenbar bereits die Runde gemacht und allerorten zerreißt man sich nun die sensationsgierigen Mäuler über die zerrütteten Familienverhältnisse der beiden Hauptakteure. Am Ende des Tages hat Adrian seinen zweiten Job als Malermodell an Land gezogen, wenn auch nicht so einträglich wie der bei Trops, der ihm immerhin einen ansehnlichen „Sympathie“-Bonus zahlt.

:: Kapitel 11 (Seiten 128 – 138)

Adrian verbringt die nächste Nacht allein in Trops Gästezimmer. Dank Vincent hat er wohl bald genügend Geld zusammen, um sich ein eigenes Leben leisten zu können. Am nächsten Morgen, als Trops schon früh aus dem Haus ist, nutzt Adrian die Gelegenheit, sich in dem sonderbaren Haus seines Gastgebers umzusehen. Er durchstöbert die Bücherregale und schmökert in Gedichtbänden. Er denkt über sich nach, über seine Beziehung zu Trops und sein Verhältnis zu Frauen. Das Bildnis des Dorian Gray schließlich ist das Buch, mit dem Trops ihn am Boden sitzend erwischt. Im Kampf gegen Adrians Selbstzweifel lädt Trops ihn ein, am Abend mit ihm ins Empire zu gehen, wo sie ein paar von Trops Freunden treffen würden.

:: Kapitel 12 (Seiten 139 – 152)

Um für einen illustren Besuch im Empire ausgestattet zu sein, soll sich Adrian auf Trops Kosten neu einkleiden. In typischer Adrian-Manier lässt er sich das nicht zweimal sagen und schöpft aus dem Vollen, es genießend, mal vor dem Ladentisch der Herrenausstatter zu stehen und zu nörgeln. Im Empire treffen die beiden Vincent und Aubrey und es verspricht, ein unterhaltsamer Abend zu werden. Als Adrian mitbekommt, wie sich einer der Gäste am Nachbartisch von einem scheinbaren Freier abschleppen lässt, folgt er den beiden unauffällig und erwischt sie in flagranti, als der angebliche Freier und zwei weitere Männer das Opfer in einer Seitenstraße zusammenschlagen. Adrian geht dazwischen und hilft dem Mann, der sich ihm als Charles Parker vorstellt, zurück ins Empire.

:: Kapitel 13 (Seiten 153 – 168)

Nach dem Auftakt im Empire ist die Gruppe um Augustus Trops noch in Feierlaune. Schon ziemlich angeheitert zieht es sie in ein nahegelegenes Café, wo es ein Wiedersehen mit dem schießwütigen Junior aus dem Muschelrestaurant gibt. Der junge Lord Alfred, oder auch „Bosie“, der – wie Adrian auffällt – wunderschön aussieht, befindet sich in Gesellschaft des berühmten Oscar Wilde. Offenbar ist er der Liebhaber, auf den es der Vater des Jungen vor wenigen Kapiteln abgesehen hatte. Als die Herren um Oscar Wilde „magische“, opiumgewürzte Zigaretten herumreichen, lehnt Vincent ab. Er genießt offenbar die Klatschthemen in der Herrenrunde, lässt aber nichts auf seine weiße Weste kommen. Gemeinsam plaudern sie über die Londoner Kunstszene und die Blüten, die sie hervorgebracht und die Leben, die sie verändert hat. Adrian amüsiert sich köstlich und kann sich an Bosie, dem Märchenprinzen, gar nicht satt sehen.

:: Kapitel 14 (Seiten 169 – 176)

Am nächsten Morgen wird Adrian von Nachbarinnen dabei beobachtet, wie er halbnackt am offenen Fenster von Trops Schlafzimmer steht, als dieser ihm offenbart, dass die Freundschaft der gestern kennen gelernten Herren mit äußerster Vorsicht zu genießen sei. Insbesondere die von Bosie. Adrian aber glaubt, Trops wäre einfach eifersüchtig. Fast im gleichen Atemzug erfährt er, dass er nicht auf Dauer bei Augustus Trops wohnen kann, unter anderem weil der Umgang, den sie miteinander pflegten, gegen das Gesetz verstößt. Adrian fühlt sich vor den Kopf gestoßen und ist wütend, weil Trops ihm das mit dem Gesetz nicht schon früher erzählt hat. Letztlich kann er sich aber gut damit arrangieren, fortan nicht mehr bei ihm zu leben. Mit seiner Gage als Malermodell sollte er sich wohl eine eigene Wohnung leisten können.

 

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