Die Karte meiner Träume

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Reif Larsen
  • Land: USA
  • Verlag: Fischer
  • Originalverlag: The Penguin Press, New York, 2009
  • Seiten: 435
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2009
  • ISBN: 9783100448118
  • gelesen: 20.03.2010 – 21.04.2010

 

  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,2 von 5

 

T.S. Spivet lebt auf einer Farm in Montana. Sein Vater ist ein knorriger Cowboy, seine Mutter erfolglose Käferforscherin und sein Bruder nur noch ein versteckter Schriftzug in jeder Karte, die T.S. fertigt. T.S. ist Kartograph, weil er alles aufzeichnet, was ihm irgendwie aufzeichnungswürdig erscheint. Sein Lehrer, Mr. Yorn, schickt seine Arbeiten unter einem anderen Namen (weil T.S. ja erst zwölf ist) an das Smithsonian Institute in Washington D.C. Eines Tages soll ihm der Baird-Preis für seine außergewöhnlichen Leistungen verliehen werden und der Junge macht sich heimlich auf den Weg vom Westen in die knapp 3.400 Kilometer entfernte amerikanische Hauptstadt im Osten.

In Washington angekommen, versetzt er das „Smithy“ und allen voran den Direktor in helle Aufregung als sie erkennen, dass sie einem Kind den Baird-Preis verleihen wollen. Routiniert nutzen sie dies aber zu ihrem Vorteil und vermarkten T.S. als Wunderkind, das vom Smithsonian entdeckt und gefördert wurde. In all dem Trubel wird der Junge auch noch von einer wissenschaftlichen Geheimorganisation zum Ehrenmitglied ernannt. Dabei ist alles, was T.S. eigentlich will, das Kartenzeichnen…

Das Buch ist wunderschön aufgemacht. Schon die Größe ist ungewöhnlich. Fast jede Seite des Buches enthält Zeichnungen und Randnotizen, die Erläuterungen (manchmal nützlich, manchmal lustig) und Ausschmückungen beinhalten.

Die Geschichte beginnt auf der Farm in Montana. T.S. stellt sich selbst, sein Leben, seine Familie und andere Leute dem Leser vor. Da die Reise nach Washington, D.C. so lang ist, nimmt sie den mittleren und größten Teil des Buches ein. Langweilig wurde mir auf der Reise nicht, was nicht zuletzt an der ausgezeichneten Beobachtungsgabe des Jungen liegt. Für ein bisschen Action sorgt ein Zwischenstopp in Chicago, wo T.S. an einen fanatischen Gläubigen gerät.

Während der Reise liest er in einem heimlich mitgenommenen Notizbuch seiner Mutter. Die Geschichte seiner Vorfahren vor einigen Generationen ist sehr ausführlich beschrieben und nimmt einen großen Teil der Reise ein. Nicht uninteressant, bringt den Leser aber auch nicht unbedingt viel weiter. Hier wäre weniger mehr gewesen und man hätte stattdessen mehr Wert auf ein anständiges Ende setzen sollen…

Die Ankunft in Washington und der überraschte Empfang sind sehr unterhaltsam. Die Zeit danach ist gefärbt von den überwältigenden Sinneseindrücken und letztlich von T.S‘ Wunsch, einfach wieder zeichnen zu dürfen, gern auch auf der Ranch in Montana. Während dieser Zeit wird ein Spannungsbogen aufgebaut, es muss irgendwas passieren, das Geplänkel ist doch nur Futter für den großen Knalleffekt…

Aber der bleibt leider aus. Als T.S. im Weißen Haus darauf wartet, vom Präsidenten empfangen zu werden, stürmt sein Vater, der knorrige Cowboy herein, und die beiden flüchten durch einen geheimen Tunnel. Ende.

Hier hatte ich den Eindruck, der Autor hat sich mit den vielen Zeichnungen und Randnotizen und der Vorfahren-Geschichte so lange aufgehalten, dass er am Ende keine Ahnung hatte, wie er die Story ordentlich zuende bringen sollte und er den Schluss einfach schnell abgehandelt hat. An den Haaren herbeigezogen, füge ich hinzu, denn der Vater stürmt quasi das Weiße Haus…!

Das leidige Ende ist wirklich schade, denn der Rest war wirklich ganz unterhaltsam und die Aufmachung des Buches ist erfrischend anders. Uneingeschränkt empfehlen kann ich das Buch aber leider nicht.

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