Die Erlösung

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Chris Parker
  • Land: USA
  • Verlag: Bruno Gmünder
  • Seiten: 198
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2009
  • ISBN: 9783867871310
  • gelesen: 21.11.2010 – 21.11.2010

 

  • Gestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 1 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • ø Lesevergnügen: 4 von 5
  • Gesamtwertung: 4,4 von 5

 

Diese Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, hat mich schwer erschüttert. Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch schon wieder weglegen, denn das schreckliche Ende wird dort bereits vorweggenommen. Ein Happy End war somit von Beginn an ausgeschlossen, und weil ich Geschichten mit Happy End so sehr mag, zögerte ich, weiterzulesen. Es geht um den jungen Jeremiah, der in Memphis aufwächst. Sein Vater ist – nett ausgedrückt – ein Schürzenjäger, für den Frau und Sohn nur eine Belastung sind. Seine Mutter sucht Halt in Alkohol und in der Bibel. Auch Jeremiah verfällt dem Alkohol und entdeckt, dass er schwul ist. Seine Pubertät bereitet ihm und seiner Mutter große Probleme, viel Tränen und Verwirrung. Schließlich entscheiden seine Eltern, ihn in einem christlichen Camp umerziehen zu lassen, damit er heterosexuell wird. Jeremiah, dem seine Mutter sehr wichtig ist, stimmt zu. Er ist überzeugt, dass danach alles besser und einfacher wird.

Aber es läuft nicht, wie geplant. Obwohl Jeremiah der Veränderung aufgeschlossen gegenüber steht, kann er sich selbst und seiner persönlichen Natur nicht entsagen. Er verliebt sich in Chester, den rebellischsten unter den Camp-Bewohnern. Die Camp-Therapeuten indes entpuppen sich als scheinheilige Despoten, verblendete Lügner und perverse Pädophile, die ihre Macht über die Jugendlichen ausnutzen und sie terrorisieren. Lediglich der Pastor scheint auf Jeremiahs Seite zu stehen, nachdem er selbst vor vielen Jahren in der gleichen Situation gewesen ist.

Von Kapitel zu Kapitel steigt das Gefühl der Bedrohung und Ausweglosigkeit an. Während zu Beginn die einen auf eine Verbesserung ihres Lebens hoffen, wollen die anderen einfach ihre Zeit absitzen und sich keinesfalls Zweifeln an ihrer Lebensart aussetzen. Aber bald müssen sowohl die einen als auch die anderen erkennen, dass ihnen niemand wirklich helfen will. Psychoterror und brutale Folter stehen an der Tagesordnung. Die Eltern haben für den Camp-Aufenthalt jeweils zehntausend Dollar gezahlt, und die Camp-Leitung will die Jugendlichen erfolgreich umkrempeln, mit allen Mitteln.

Die Aufmachung des Buches hat mir gut gefallen. Die Schrift hätte größer und die Anzahl der Seiten dadurch etwas mehr sein können. Die Covergestaltung ist nicht nur Makulatur und jedes Kapitel beginnt mit einem einschlägigen Bibelzitat. Die Schreibfehler hätten nicht sein müssen, schon gar nicht in diesen Zitaten. Die Sprache ist unverschnörkelt, aber nicht ungeschliffen. Mit Sex geht Chris Parker nicht unbedingt sparsam um, natürlich, die Jugendlichen strotzen vor Hormonen und sollen für zwei Monate zusammen eingesperrt werden, ohne dass sie sich auch nur anfassen oder allein sein dürfen. Aber je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr werden verliebte, heimliche Techtelmechtel unter den Bewohnern durch brutale Vergewaltigungen durch einen der Therapeuten abgelöst. Die physischen und psychischen Verletzungen sind beim Lesen fast körperlich spürbar.

Dieses Buch zu lesen macht keinen Spaß. Das war mir schon nach zehn Seiten klar, wenn es nicht sogar der Klappentext schon hergab. Deshalb habe ich zum ersten Mal überhaupt zu jedem Kapitel eine kurze Zusammenfassung geschrieben, sozusagen als Chronologie des Schreckens, denn ich möchte das Buch nicht nochmal lesen. Da es mich aber sehr stark – wenn auch unangenehm – berührt hat und ich glaube, dass die Geschehnisse nicht allzuweit hergeholt sind, bekommt das Buch fast die volle Punktzahl.

 

:: Kapitel 1

Jeremiah geht seinen Eltern zuliebe in ein katholisches Umerziehungscamp, um seine Homosexualität heilen zu lassen. Er macht sich Mut, indem er fest daran glaubt, dass damit alles besser wird. Wir lernen die weiteren Camp-Neulinge kennen, von denen manche homosexuell sind und andere Sex vor der Ehe hatten…

:: Kapitel 2

Die Aktivitäten im Camp beginnen. Während einer Gruppen-Therapie, an der noch die Eltern teilnehmen, muss Jeremiah in Einzelheiten sein erstes Mal mit einem Mann erläutern. Da seine Mutter neben ihm sitzt, fällt ihm das sehr schwer, und natürlich beginnt seine Mutter zu weinen. Die christlichen Therapeuten geben ihm dadurch zu verstehen, wie schwer diese Sünde wiegt. Am selben Tag wird Jeremiah von Chester geküsst, dem Rebellen unter den Camp-Bewohnern.

:: Kapitel 3

Jeremiah hat seine erste Einzelsitzung bei der netten Amy. Sie fragt ihn nach seinem Verhältnis zu seinem Vater. Sein Vater hurt herum und er und Jeremiah verabscheuen einander. Amy führt Jeremiahs Homosexualität auf das Fehlen von Zuneigung durch seinen Vater zurück. Jeremiah glaubt ihr. Später erwischt er versehentlich drei Camp-Bewohner beim Rauchen und überlegt, ob er das melden sollte.

:: Kapitel 4

Jeremiah hat den Vorfall gemeldet, jedoch nur Chester verraten, aus Rache, weil dieser sich über ihn lustig gemacht hat. Die Therapeuten loben seinen Verdienst für die Gruppe, die ihn daraufhin schneidet. Chester muss zu Strafarbeiten den ganzen Tag im Büro des Therapeuten Richard verbringen, wo Jeremiah ihn schließlich aufsucht. Er lässt sich von Chester zum Rauchen verführen und lässt ihn gewähren, als er ihn küsst und seine Hand in seine Hose schiebt. Als Richard plötzlich erscheint, schiebt Chester Jeremiah in eine Ecke und versteckt ihn.

:: Kapitel 5

Zweifel beginnen, an Jeremiah zu nagen, als Amy Chester nach einer nicht so erfolgreichen Gruppentherapie für zwei Tage vom Essen ausschließt. Später überredet Chester Jeremiah, mit ihm auf das Dach zu klettern um zu reden. „Wenn zu beginnst, an dir zu zweifeln,“ sagt Chester, „dann hast du schon verloren.“ Als sie sich küssen, werden sie von den Wachleuten entdeckt und müssen zurück ins Gebäude flüchten, wo Jeremiah sich vor den aufgebrachten Therapeuten gerade noch schlafend stellen kann. Zu blöd, dass James, ein anderer Camp-Bewohner, Jeremiah gesehen hat…

:: Kapitel 6

Der Ausflug aufs Dach hat üble Konsequenzen. James hat den Therapeuten gemeldet, dass er Jeremiah mit einer Flasche Alkohol erwischt hat. Jeremiah wird von Richard, der ausrastet, in sein Büro gezerrt, wo er Jeremiah den Anruf bei seiner Mutter abspielt, den er aufgezeichnet hat. Jeremiahs Mutter weint und ist verzweifelt. Richard schlägt Jeremiah. Als Jeremiah allein in Richards Büro zurückbleibt, erscheint Chester, um Jeremiah zu beruhigen. Aber Jeremiah gibt ihm die Schuld und stößt ihn von sich. Seine Mutter tut ihm leid.

:: Kapitel 7

Therapeut Richard gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Als seine Frau Amy während der Gruppentherapie behauptet, Schwule seien immer unglücklich, weil sie nie vor Gott heiraten können, begehrt Chester auf. Richard rastet vor versammelter Mannschaft aus und schlägt Chester nieder. Niemand wird das Camp verlassen, bis er sie nicht alle geheilt habe, mit allen Mitteln, die nötig sind… Die Camp-Bewohner haben Angst und Jeremiah lässt sich von Mary-Sue zu einem Kuss verführen. Es scheint ihm sogar zu gefallen, nachdem er sich daran gewöhnt hat…

:: Kapitel 8

Jeremiah und Mary-Sue werden von George, einem der Therapeuten, erwischt. Jeremiah flüchtet auf die Herrentoilette, wo George ihm droht, Amy seine Beobachtung mitzuteilen, wenn Jeremiah Widerstand leiste. Dann holt ihm George einen runter und hört auch nicht auf, als Chester reinkommt. Anscheinend lässt Chester ihn regelmäßig für Alkohol und Zigaretten ran. Während einer Gruppentherapie muss Jeremiah vor allen anderen auf Amys Befehl hin seine Hose herunterlassen und seine Unterhose präsentieren. Amy verkündet, Unterwäsche von A&F oder CK mache schwul.

:: Kapitel 9

Chester ignoriert Jeremiah nach ihrem Streit. Bollerhete Fab schlägt Jeremiah zusammen, weil dieser sich an Mary-Sue vergangen hat. Chester und seine Schwester Maggie schaffen ihn in Chesters Zimmer, wo sich Jeremiah im Bad verkriecht. George kommt ins Zimmer und vergewaltigt Chester. Erneut kommt es zum Streit zwischen Chester und Jeremiah, der sich nun betrinkt und Fab zusammenschlägt.

:: Kapitel 10

Amy findet Jeremiah am nächsten Morgen verkatert und zu spät in seinem Zimmer vor. Sie scheint ihm nicht böse zu sein und lockt ihn unter dem Vorwand, das verpasste Frühstück nachzuholen, in die Großküche. Wie überraschend, dass es nichts mehr zu Essen gibt und Amy ihm stattdessen eine Zahnbürste in die Hand drückt, mit der Jeremiah dann den ganzen Fußboden schrubben muss. Jeremiahs Unsicherheit wächst, ebenso wie sein Verlangen nach Chester, der ihm aber die kalte Schulter zeigt. Er ist verzweifelt und bittet Maggie, auf dem bevorstehenden Ball eine Frau aus ihm zu machen, damit er Chester beim Tanz näherkommen kann…

:: Kapitel 11

Jeremiah wird tatsächlich von Maggie und ihrer Ex-Freundin in ein Kleid gesteckt, frisiert und geschminkt. So verkleidet und versteckt fordert Jeremiah Chester zum Tanz auf, der zunächst kein Interesse an dem seltsamen Mädchen hat, in das sich sein Freund verwandelt hat. Jeremiah gibt sich dem fassungslosen Chester zu erkennen und gesteht ihm seine Liebe. Auch Chester ist verliebt und die beiden stehlen sich nach draußen, wo sie sich küssen und berühren. Bis sie von George erwischt werden, der Chester anscheinend nicht aus den Augen lässt…

:: Kapitel 12

Jeremiahs Eltern wurden bestellt und seine Mutter wird zu ihm geschickt, während er noch in dem Kleid und unter dem Make-Up steckt. In der anschließenden Sitzung zwischen Amy, Jeremiah und seinen Eltern, werden striktere Maßnahmen beschlossen, denn Jeremiahs Vater will Ergebnisse für sein Geld. Um eine Aversions- und Elektroschock-Therapie kommt er nur herum, weil sein Vater dafür einen Aufpreis zahlen müsste. Er kommt quasi in Einzelhaft, darf nur noch mit Therapeuten und dem Pastor sprechen. Nach dem Gespräch begegnet er Chester, aufgelöst, er ist der Aversionstherapie nicht entkommen…

:: Kapitel 13

Jeremiah versteckt sich im Heizungsraum, in dem er schon mit Mary-Sue rumgeknutscht hat, um die Welt für eine Weile auszusperren, als Chester ihn überrascht. Jeremiah will sich dafür entschuldigen, dass Chester seinetwegen in die Schocktherapie muss. Aber Chester will davon nichts hören und die beiden schlafen miteinander.

:: Kapitel 14

Jeremiahs einziger Verbündeter, von Chester abgesehen, ist der Pastor, der früher selbst all das durchleiden musste, was Jeremiah jetzt durchmacht. Genau wie bei Chester wurde die Schocktherapie bei ihm angewandt. In seiner nächsten Einzeltherapie trifft Jeremiah auf den pädophilen George, der ihn zwingt, ihm einen zu blasen. Sollte Jeremiah irgendjemandem davon erzählen, würde Chester vielleicht bei der Elektrotherapie durch einen Unfall draufgehen. Als sich Chester und Jeremiah am Abend heimlich im Heizungsraum treffen, können sie einander kaum berühren. Die psychischen Wunden werden größer…

:: Kapitel 15

Chester muss inzwischen zweimal täglich in die Aversionstherapie. Die Folter setzt ihm dermaßen zu, dass er halb tot aussieht. Jeremiah wird unterdessen von George wieder und wieder vergewaltigt. Die Jungen erkennen, dass ihre Situation völlig aussichtslos ist.

:: Kapitel 16

George überschreitet Jeremiahs letzte Grenze. Chester überrascht sie in flagranti und versucht, George zu schlagen, aber weil er selbst schon am Ende ist, hat er keine Chance und George lacht die Jungen aus. Chester schleppt Jeremiah auf sein Zimmer und sagt ihm, dass er ihn liebt. Sie beschließen, zu fliehen.

:: Kapitel 17

Die Flucht ist geplant. Neben Jeremiah und Chester wird auch Maggie fliehen, denn George hat zuletzt auch sie vergewaltigt. Überraschend schließt sich auch Fab an. Jeremiah will auch James retten und versucht ihn von der Flucht zu überzeugen, aber James informiert stattdessen die Therapeuten von dem Plan, die sich auf alles vorbereiten. Jeremiah und Chester verabschieden sich voneinander, nicht wissend, ob sie sich je wiedersehen werden…

:: Kapitel 18

Sie sind geflohen, auch wenn es verdammt knapp war. Sie hatten James einen falschen Fluchtplan gegeben und sich dadurch etwas Zeit verschafft. Chester und seine Schwester sind mit Georges Motorrad geflohen, Fab und Jeremiah sind in den Wald gerannt. Das letzte Stück nach Hause nimmt sie eine Anhalterin mit.

:: Kapitel 19

Jeremiahs Mutter findet ihren Sohn am nächsten Morgen in seinem Bett. Beide liegen sich in den Armen und scheinen glücklich über die Wiedervereinigung. Dann ruft Chester an und sagt ihm, dass Maggie, James und er Jeremiah am Nachmittag abholen würden um zu feiern und mit der Geschichte an die Presse zu gehen. Jeremiah kann sein Glück kaum fassen. Seine Mutter nimmt Jeremiah mit, weil sie seinen Vater in einem Café treffen wollen. Stattdessen bringt sie Jeremiah aber zurück ins Camp… Jeremiah hat keine Kraft mehr, keinen Lebenswillen. Noch am selben Nachmittag steigt er in den Kirchturm, tritt an eines der oberen Fenster und macht einen letzten Schritt, um der Hölle zu entkommen…

 

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