BUCH: „DER PAPIERMAGIER“

Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Charlie N. Holmberg
  • Land: England
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self-published
  • Seiten: 252
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2015
  • ISBN: 9781503947276
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4
  • Ausdruck: 3 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 3,2 von 5

Titel der Originalausgabe: The Paper Magician
Aus dem Amerikanischen von Nadja Schuhmacher

Worum geht’s?

Die Geschichte beginnt 1901 am Stadtrand von London. Emery Thane ist ein Materialmagier in den Mittzwanzigern, der sich auf Papier spezialisiert hat. Miss Ceony Twill ist 19 Jahre alt und träumt von einer Karriere als Schmelzerin, also der Magie mit Metall. Aber die Zunft der Papiermagier ist deutlich unterrepräsentiert und Ceony wird zu Emery Thane in die Lehre geschickt. Sie hat keine andere Wahl, als die magische Bindung mit Papier einzugehen und fortan zu lernen, wie man dieses scheinbar langweilige Material so exakt faltet, dass es zum Leben erwacht. Sie hält Magier Thane zunächst für völlig verrückt, bis sie erfährt, dass er aus irgendeinem Grund für ihr Stipendium aufgekommen ist. Sie fügt sich in ihr Schicksal und beginnt bereits, ihren Lehrmeister zu mögen, als dieser von einer Schwarzmagierin angegriffen und seines Herzens beraubt wird. Ceony macht es sich zur Aufgabe, das Herz Ihres Meisters zurückzuholen und den Magier zu retten.

Und wie war’s?

Ich bin gänzlich unbedarft an diese Geschichte herangegangen, ohne etwas über die Autorin oder sonstwelche Hintergründe zu wissen. Ich mag magische Geschichten, und Titel und Cover waren vielversprechend. Dass sich Magier an ein bestimmtes Material binden und nur noch damit Magie wirken, kannte ich so noch nicht.

Den ersten Teil der Geschichte habe ich sehr genossen, also die Einführung in die Charaktere und in die magische Welt. Was Emery Thane aus bloßem Papier machen kann, fand ich faszinierend. Der Magier selbst erscheint ein wenig entrückt, die einzigen Gefühlsregungen liest Ceony in den Augen ihres Lehrers ab. Die beiden wohnen fortan zusammen, der Magier ist ungebunden und lebte zuletzt allein in seinem Haus. Die Autorin beschreibt Figuren wie Setting sehr fantasievoll und man ahnt bereits, dass sich hier eine tolle Geschichte anbahnt.

Der Angriff der Schwarzmagierin, die sich als Emerys Ex-Frau herausstellt, ist gewaltig und schnell. Sie reißt ihm das Herz aus der Brust und verschwindet damit. Ceony, die frischgebackene Auszubildende, wendet einen Zauber an, um den Magier am Leben zu halten, während sie versucht, sein Herz zu retten.

Fortan wird es leider ziemlich abstrus oder zumindest über die Maßen fantasievoll. Ceony findet das Herz auf einem Felsen an der Küste. Sie duelliert sich mit der Schwarzmagierin und wird durch einen Zauber in das pulsierende Herz hineinzogen. In Emerys Herzen durchlebt sie verschiedenste Szenarien, lernt die Ängste, Hoffnungen und Freuden des Magiers kennen und beginnt dadurch, sich in ihn zu verlieben. Gleichzeitig ist sie von Herzkammer zu Herzkammer auf der Flucht vor der Schwarzmagierin und sucht einen Ausgang, um das Herz wieder zu seinem Besitzer zu bringen.

Diese Episode ist zwar grundsätzlich sehr unterhaltsam, aber mir persönlich war das zu viel des Guten. Dabei stört mich nicht einmal das viele Blut, das in so einem lebendigen Herzen ja nicht ungewöhnlich ist. Mich stört vielmehr die einsame Reise der jungen Frau durch visuelle Echos, durch Szenen, in denen sie selbst nur Zuschauerin ist und nicht interagieren kann. Diese surreale Reise durch die vier Kammern des Herzens und die sich ständig verändernden Visionen und Schauplätze haben mich meistens mehr verwirrt als unterhalten.

An der Handlung insgesamt hat mich gestört, dass Ceony Twill, Auszubildende im ersten Lehrjahr, die gerade mal Vögel aus Papier falten kann, Jagd auf eine Schwarzmagierin macht und ihr ganz allein gelingt, was professionellen Ermittlern in zwei Jahren nicht geglückt ist. Und dass sie, obwohl sie ja das Zaubern mit Papier lernen soll, erst einmal Bücher über Anatomie lesen soll, was sich später zufällig als lebensrettender Glücksfall erweist, wirkt auf mich auch etwas zu konstruiert. Und schließlich möchte ich ein wenig am Ausdruck herumkritteln, der bis auf einige Ausnahmen so schlicht daherkam, dass ich mich keinesfalls ins Jahr 1901 zurückversetzt fühlte.

Zur weiteren Bewertung

Die Coverabbildung finde ich großartig, sie passt zur Geschichte, ist für meinen Geschmack stilvoll illustriert und hat mich definitiv zum Lesen dieses Buches animiert.

Orthografisch hält sich das Buch gut, auf 252 Seiten sind mir zwei Schreibfehler aufgefallen, was zu einem Punkt Abzug in der Teilwertung führt. (Die Bewertung trotz self-publishing begründet sich im professionellen Lektorat.)

Emotional bleibt die Geschichte oberflächlich (bis auf gelegentlichen Ekel angesichts des vielen Blutes und Zuneigung für Fenchel, den Papierhund, der Ceony auf ihrer Rettungsmission begleitet).

Auch die Struktur hat Abzüge erleiden müssen. Auf ihrer Reise durch des Magiers Herz hat Ceony mich gelegentlich abgehängt und es fiel mir schwer, mich zu orientieren. Das passte zwar grundsätzlich zur Geschichte, weil sich auch Ceony immer wieder zurechtfinden musste, aber Ceony ist nunmal nicht die Erzählerin.

Und so kommt „Der Papiermagier“ gerade mal auf 3,2 Punkte. Das ist wenig, zumal ich dieses Buch sehr gern deutlich mehr mögen wollte.

Der zweite Band ist auch bereits auf Deutsch erschienen und trägt den Titel „Der Glasmagier“. Darin wird, soviel gab die Leseprobe her, Ceonys Geschichte fortgesetzt. Das finde ich gut, denn im ersten Band sind ein paar Dinge zurückgeblieben, die nicht aufgeklärt wurden.

 

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