Der Junge, der Träume schenkte

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Luca Di Fulvio
  • Land: USA
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Seiten: 781
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2008 (2011)
  • ISBN: 9783404160617
  • gelesen: 28.05.2012 – 11.09.2012
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 4 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Gesamturteil: 4,2 von 5

 

Originaltitel: La Gang dei Sogni
Originalverlag: Arnoldo Mondadori Editore s.p.a., Mailand
Aus dem Italienischen von Petra Knoch

 

„Der Junge, der Träume schenkte“, dieses Buch habe ich gleich zweimal geschenkt bekommen. Heute ist Dienstag, der 11. September 2012. Ich sitze in einem malerischen Holzhaus mit Strohdach, unweit der Nordsee in Dänemark. Hier ist es so still, dass man meint, das Gras wachsen zu hören. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort, um in eine Geschichte einzutauchen und sich ihr voll und ganz hinzugeben.

Nachdem ich bereits vor fast vier Monaten angefangen habe, dieses Buch zu lesen, habe ich heute die letzte Seite zugeklappt. Anfangs konnte mich die Geschichte nicht so richtig mitreißen, sie handelte von übelster Gewalt und unerfüllbaren Sehnsüchten, und das Buch, das ich so gern mögen wollte, stieß mich ab.

Luca Di Fulvio verwendet sehr viel Zeit darauf, viele Fäden zu mehreren Handlungssträngen zu knüpfen. In der ersten Hälfte des Buches bestehen sie zudem aus zwei Zeitsträngen, die sich einander im Laufe der Geschichte so weit annähern, dass sie sich schließlich (nach mehr als der Hälfte des Buches) zu einem einzigen vereinen.

Über die Geschichte an sich möchte ich nicht viel schreiben. Sie spielt hauptsächlich in New York in einem Zeitraum zwischen 1909 und 1929, in der Gangster und Mafiosi das Geschehen kontrollieren. Cetta ist eine junge Frau, die mit ihrem kleinen Sohn Natale mit einem Schiff aus Italien in die Vereinigten Staaten einwandert. Ihr Sohn wird in Christmas umbenannt und Cetta arbeitet fortan als Hure. Als Einwanderer leben sie in ärmsten Verhältnissen. Die ersten Kapitel beschreiben Cettas Leben und das ihres heranwachsenden Sohnes.

Ruth Isaacson, Tochter einer reichen, jüdischen Familie, wird von einem Bediensteten ihres Vaters vergewaltigt und schlimm zugerichtet. Ihr wird brutal ein Finger abgeschnitten, an dem ein Ring steckt, was sie ein Leben lang zeichnen wird. Christmas findet das Mädchen schwer verletzt und trägt sie eigenhändig in ein Krankenhaus. So macht er die Bekanntschaft von Ruths reicher Familie.

Der junge Christmas will sich einer Straßen-Gang anschließen, um etwas zu erleben. Aber er wird abgewiesen und gründet eine eigene Gang, die Diamond Dogs. Sie besteht nur aus ihm und einem Jungen, der ihn anfleht, mitmachen zu dürfen und arbeitet anstatt mit Pistolen und Messern mit dem Kopf. Nachdem Christmas in einer Limousine vom Chauffeur von Ruths Familie nach Hause ins Ghetto gefahren wird, wehrt er sich nicht gegen die daraufhin entstehenden Gerüchte, ein Vertrauter des Obermafiosi Arnold Rothstein zu sein, was ihm und seiner Gang natürlich gehörigen Respekt verschafft.

Christmas verliebt sich in Ruth, die nach den schrecklichen Erlebnissen natürlich traumatisiert ist. Einzig in Christmas sieht sie einen Freund.

Doch das alles geschieht schon in den ersten Kapiteln des 780 Seiten starken Buches, so dass man sich denken kann, dass noch reichlich Raum für Verwicklungen und Katastrophen besteht. Der Autor führt uns durch das Leben mehrerer Personen, wir verlassen New York kurzzeitig und leben in Los Angeles, wir lernen Freunde und Feinde kennen, von denen manche am Ende der Geschichte noch da sind und andere längst in einem feuchten Grab vermodern. Wir erfahren von Christmas‘ Talent, Geschichten zu erzählen und damit Geld und viele Freunde zu verdienen, wir erleben die Prohibition und die Apartheit in Amerika und wir nehmen an Radio-, Film- und Theaterproduktionen teil.

Warum ich für eine so vielfältige und hervorragend erzählte Geschichte vier Monate gebraucht habe? Mir sind die Figuren sehr schnell ans Herz gewachsen, und nach jedem Kapitel befürchtete ich das Schlimmste. Viele dieser Befürchtungen haben sich an der einen oder anderen Stelle im Buch bewahrheitet, andere waren unbegründet. Hauptsache, am Ende ist alles gut…

 

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