Daniel und Ismael

Daniel und Ismael
Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Jana Walther (web)
  • Land: Deutschland
  • Verlag:
  • Seiten: ca. 94 (nur eBook)
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2012
  • ISBN:
  • gelesen: 17.09.2012 – 20.09.2012

 

  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 3 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Persönlicher Faktor: -1
  • Gesamturteil: 2,0 von 5

Mit ‚Daniel und Ismael‘ habe ich das zweite Buch von Jana Walther in Händen. Jedenfalls im übertragenden Sinne, denn es handelt sich um ein eBook.

Das vorliegende Buch ist mit seinen 94 eBook-Seiten noch kürzer als ‚Benjamins Gärten‘, und weil sich die Seiten auch noch auf drei Geschichten verteilen, handelt es sich eher um eine Kurzgeschichten-Sammlung.

Nur die erste davon dreht sich tatsächlich um Daniel und seinen Schwarm Ismael, was der Gestaltung sodann gleich zwei Minuspunkte einbringt. In diesem ersten Drittel des Buches flieht Daniel entnervt von einer Familienfeier und trifft auf Ismael. Sie kommen ins Gepräch, lernen einander ein wenig kennen. Ismael erklärt, dass er wie seine Familie einer strengen religiösen Gemeinschaft angehört. Daniel erklärt ihm, dass er schwul ist. Das hat doch Potenzial für eine interessante Geschichte, die mich auch noch persönlich interessiert, denn es klingt nach der Geschichte meiner ersten Liebe. Da es sich um eine Kurzgeschichte handelt, geht alles ziemlich schnell. Daniel fühlt sich zu Ismael hingezogen, Ismael weist ihn jedoch ab, weil gleichgeschlechtliche Beziehungen von Gott nicht vorgesehen seien und gegen die Natur verstößen. Daniel ist geknickt, aber er respektiert Ismaels Wunsch. Doch so ganz kann sich Ismael der Anziehungskraft seines Freundes nicht entziehen…

Hm. Ein Leckerbissen. Ein ganz kleiner. Ein Teaser. Emotional, ein bisschen erotisch, spannend. Der macht definitiv Lust auf mehr. Für diesen Teil gibt es die volle Punktzahl.

Die zweite Kurzgeschichte hat mit diesen beiden Jungs gar nichts mehr zu tun. Um zwei Jungs geht es dennoch, nämlich Chorknabe – den Namen erfahren wir nicht, und Ryan, den geheimnisvollen Typen, der in dem kleinen Dorf, in dem sie leben, im Gothic-Style rumläuft. Alle meinen zu wissen, dass Ryan schwul ist, auch „die Rechten“, die „die Schwuchtel“ gern mal vermöbeln. Der Erzähler freundet sich mit Ryan an, wobei, eigentlich steigen die beiden bloß in die Kiste. Einer von beiden will mehr, und Ryan behauptet von sich, dass er es nicht ist. Tja, und dann erfährt der Erzähler eines Tages, dass Ryan von den Rechten erschlagen worden ist. Aus und vorbei.

Diese Geschichte hat mir keinen Spaß gemacht. Das Ende ist ja auch nicht wirklich lustig, was an sich ja nicht so schlimm ist. Aber die Stimmung, die auf den wenigen Seiten ja nicht mehr als oberflächlich sein kann, entwickelt sich nicht. Geschichten über Rechte lese ich ohnehin nicht gern. Für die Grundidee, den Chorknaben und den Gothic-Typen zusammenzubringen, kann ich mich durchaus erwärmen. Realismus ist ja keine Voraussetzung für eine gute Geschichte. Aber das braune Beiwerk und der Mord, bevor sich die Geschichte entwickeln kann, begeistern mich nicht. Deshalb nur zwei Punkte für diesen Teil.

Im letzten Drittel des Buches lernen wir Julian und seine beste Freundin Jen kennen. Die beiden hängen am Ende ihrer Schulzeit in ihrem Dorf fest und träumen von der Zukunft. Julian ist schwul, und wenn Jen einen Typen aufreißt, kommt Julian dazu und hofft, dass der andere schon so heiß ist, dass er sich darauf einlässt. Einen dieser potenziellen Dreier bekommen wir mit, aber der Typ nimmt „rechtzeitig“ reißaus… Dann lernen sie den gutaussehenden Rob kennen, der mit beiden flirtet. Von Julian lässt er sich gern vernaschen und die beiden landen (ohne Jen) im Bett. Aber Rob bleibt nicht lange und am Ende des Sommers fährt er zurück nach Berlin. Er hat Julian versprochen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Natürlich ist Julian, der sich über beide Ohren in Rob verliebt hat, nicht besonders glücklich mit dieser Trennung auf Zeit. Und so beschließen er und Jen, ihm schonmal eine Wohnung in Berlin auszusuchen, damit Julian schneller wieder mit Rob zusammenkommt. Das war’s.

Die Geschichte um zwei beste Freunde, die sich beide für denselben Mann interessieren, hat Potenzial (wenngleich das nicht sonderlich neu ist). Am Rande hat sie mich an ‚Benjamins Gärten‘ erinnert. Insgesamt hat diese Konzept-Idee, als die ich das mal bezeichne, aber nicht genügend Emotion entwickelt, um meine Phantasie so weit anzuregen, dass ich mir den weiteren Fortgang ausmale. Die Geschichte bekommt von mir drei Punkte.

Alles in allem bin ich enttäuscht. Zum Einen habe ich mir nach ‚Benjamins Gärten‘ einen vollwertigen Roman in „anständiger“ Länge gewünscht. Das Zeug dazu hat die Autorin, das hat sie ja bereits bewiesen. Stattdessen wird mir dreimal nichts richtiges verkauft (wenn auch mit 2,49 € nicht unbedingt überteuert). Wirklich nachhaltig ist das nicht und „dank“ des Titels habe ich etwas anderes erwartet.

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