BUCH: WHAT IF IT’S US

 


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Becky Albertalli & Adam Silvera 
  • Land: USA
  • Verlag: HarperTeen
  • Seiten: 433
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 9780062868671
  •  (Taschenbuch international)
  • gelesen: 15.10.2018 – 30.10.2018
 
  • Gestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 3 von 5
  • Struktur: 3 von 5
  • Gesamtwertung: 3,7 von 5

 

Worum geht’s?


Arthur lebt eigentlich in Georgia, verbringt aber die Sommerferien in New York City, bevor sein letztes Schuljahr beginnt. Mitten im hektischen Gewühl der Großstadt begegnet er Ben. Ben lebt in New York und versucht gerade, seine schulischen Leistungen über den Sommer zu verbessern, um den Abschluss zu schaffen. Er trägt einen Karton voller Dinge mit sich herum, die er seinem frischgebackenen Ex-Freund schicken will. Die beiden Jungs unterhalten sich kurz, aber dann ist Ben auch schon wieder weg. Arthur ärgert sich, dass er nicht nach Bens Nummer gefragt hat, geschweige denn, seinen vollständigen Namen kennt. Die Chance, ihm hier noch einmal zufällig zu begegnen, ist ziemlich niedrig. Arthur setzt sich in den Kopf, Ben trotzdem wiederzufinden. Was, wenn das Universum wollte, dass sie sich treffen und er es total vergeigt hat?!

Natürlich schaffen es die beiden irgendwie, einander zu finden und sie haben ihr erstes Date. Aber danach fragen sie sich: Was, wenn das Universum doch nicht wollte, dass sie sich wiedersehen?

Und wie war’s?


Das Buch ist in der schwulen Buch-Community ziemlich gehypt worden, bevor es erschien. Das liegt sicher daran, dass sich hier zwei Autoren zusammengetan haben, deren Bücher wir gerade ziemlich gut kennen. Becky Albertalli schrieb SIMON VS. THE HOMO SAPIENS AGENDA (in der deutschen Version NUR DREI WORTE). Das Buch ist schon 2015 erschienen, seine Filmumsetzung wurde  2018 unter dem Titel LOVE, SIMON ein Erfolg. Adam Silvera schrieb unter anderem „THEY BOTH DIE AT THE END“ (in der deutschen Version AM ENDE STERBEN WIR SOWIESO), was 2017 erschien und ebenfalls sehr erfolgreich war.

Diese beiden schlossen sich also zusammen, um WHAT IF IT’S US zu schreiben und die Community jubelte dem Erfolgsgaranten schon im Vorfeld zu. Auch nach Erscheinen gibt es nur wenig Kritik.

Was stimmt also nicht mit mir?

(Achtung Spoiler!) Mir hat das Buch leider nicht durchgängig gut gefallen. Die Idee, dass sich zwei Fremde in New York suchen und finden, finde ich gut. Und dass sie es eilig haben, weil Arthur nach dem Sommer ja nach Georgia zurückmuss, verleiht der Entwicklung eine gewisse Dringlichkeit. Das erste Date verläuft nicht so richtig gut und statt sich zu einem zweiten zu verabreden, einigen sie sich auf einen zweiten Versuch für ein erstes Date. Das fand ich lustig. Als sie dann noch ein drittes erstes Date brauchten fing ich an zu zweifeln, ob Arthur und Ben wirklich zusammenpassen.

Das an sich ist ja nicht schlimm, es muss ja nicht immer rosa Zuckerguss sein. Leider konnte ich mittendrin die emotionalen Katastrophen nicht nachvollziehen. Da wirft sich ihnen eine eigentlich unbedeutende Kleinigkeit in den Weg und alles zerbricht. Ein Beispiel: Ben nimmt heimlich an einer Verlosung teil, um für Arthur Tickets zu einer Broadway-Show zu gewinnen, auf die Arthur extrem scharf ist. Ben verabredet sich mit Arthur, kommt aber – wie üblich zu spät. Jedenfalls ist Arthur total happy, als er erfährt, dass Ben für ihn an der Verlosung teilgenommen hat. Die Gewinnchancen sind extrem niedrig, aber ist das nicht süß von Ben?! Tja, aber sie kommen zu spät. Ben hat die Tickets tatsächlich gewonnen, aber sie wurden schon jemand anderem gegeben. Arthur flippt total aus und macht Ben – der gerade noch der Allerbeste war – die Hölle heiß und wirft ihm vor, kein richtiges Interesse an ihm zu haben, weil er dauernd zu spät ist. Diesen Ausbruch konnte ich in der Heftigkeit und in der Situation überhaupt nicht nachvollziehen.

Ben, der sich dem zukünftigen Wahrscheinlich-Yale-Studenten ohnehin unterlegen fühlt, überlegt sich, wie er sich bei seinem Freund entschuldigen und ihm beweisen kann, dass er ihm wichtig ist. 

Und dann ist da noch die Sache mit Bens Ex-Freund. Frisch getrennt ist es für beide nicht leicht, ausgerechnet zusammen den Nachhilfeunterricht während der Sommerferien zu besuchen. Weil Arthur in Bezug auf Bens Ex-Freund etwas empfindlich ist, behält Ben die Sache lieber für sich. Aber es ist klar, dass Arthur irgendwann doch von dieser gemeinsamen Aktivität erfährt – und total ausflippt. Wieder eine heftige Reaktion, die für meine Begriffe viel zu kurz gefasst und für mich nicht nachvollziehbar war. 

Die beiden trennen sich und sind darüber sehr unglücklich. Aber durch einen fast-tragischen Zwischenfall kommen sie dann doch wieder zusammen. Arthur entschuldigt sich für seine Überreaktion und gelobt Besserung. Alles wieder gut, die beiden versuchen, offener und vorsichtiger miteinander umzugehen – und es funktioniert.

Aber dann neigt sich der Sommer und damit Arthurs New-York-Aufenthalt dem Ende entgegen. Ich war emotional total bereit, die überwundenen Hindernisse zu vergessen und den beiden eine glückliche Zukunft mit Hochzeit und einer Schar Kinder zu wünschen, ich hoffte, sie würden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sich eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen, gerade so, wie sie am Anfang alles versucht haben, um einander wiederzufinden. Immerhin will Arthur nach dem Schuljahr in Yale studieren, was von New York gerade mal zwei Autostunden entfernt ist. Stattdessen verabschieden sie sich an Arthurs letztem Tag und beenden ihre Beziehung, um stattdessen beste Freunde zu sein.

Adam Silvera scheint nicht auf Happy Ends zu stehen. Sie sterben zwar am Ende dieses Buches nicht, aber so wirklich richtig happy sind sie auch nicht. Es ist vielleicht Becky Albertalli zu verdanken, dass im Epilog anderthalb Jahre später zumindest ein bisschen Hoffnung aufkeimt, dass die Jungs doch noch an einer Fortsetzung interessiert sind.

Die Wertung?


Ich tue mich mit der Bewertung diesmal unheimlich schwer und muss mich deshalb erstmal schematisch herantasten.

Mit der Gestaltung konnte WHAT IF IT’S US schonmal punkten. Das Cover finde ich richtig schön. Es ist sehr reduziert, zeigt Arthur und Ben in einer Szene, die grundsätzlich sowohl zur ersten als auch zur letzten Szene passt. Im Hintergrund schimmert New York, der Titel ist prominent platziert und die beiden Autoren haben sich am oberen Rand mit ihren beiden berühmtesten Titeln verewigt. Der Buchrücken ist zart-orange. Im Buch selbst gibt es keine Illustrationen. 5 Punkte

Weil ich die amerikanische Originalausgabe („international Edition“) auf englisch gelesen habe, lasse ich wie üblich die Orthographiewertung aus.

Am Ausdruck kann ich nicht meckern. Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Arthur und Ben und überwiegend in wörtlicher Rede erzählt. Die Autoren sprechen eher eine junge Zielgruppe an und dafür ist der Ausdruck angemessen. 5 Punkte

Der Knackpunkt liegt für mich in der Unterhaltung. Emotional hat WHAT IF IT’S US durchaus einiges zu bieten. Das Engagement der beiden Jungs, der Umgang und die Verbundenheit mit ihren Freunden, die Verliebtheit, all das gefiel mir. Besonders zum Ende brauchte ich dann auch ein paar Taschentücher. Arthurs Wutausbrüche gefielen mir gar nicht. Nicht, weil ich generell eine Abneigung gegen Wutausbrüche habe, sondern weil sie nicht sauber hergeleitet wurden und mir als Leser ziemlich unangebracht erschienen.

Die Geschichte kam streckenweise nicht richtig voran. Sie enthält für meinen Geschmack zu viele „do-overs“, zu viele Wiederholungen. Dadurch hielt ich die etwas zu langen Kapitel meist nicht bis zum Ende durch. 3 Punkte

Das wirkt sich auch auf die Strukturwertung aus. Wenn ich am nächsten Tag mitten in einem Kapitel wieder einsteige, dann muss ich erst versuchen, mich wieder zu orientieren, auch wenn die Geschichte jetzt nicht superkomplex ist und auch nicht so furchtbar viele Figuren auftauchen. 3 Punkte

Angesicht dieser mathematisch eher nicht so tollen Gesamtwertung von 3,7 Punkten brauche ich wohl ein do-over, eine zweite Chance.

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