BUCH: „VERDAMMT MAGISCH“

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Regina Mars
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self publishing
  • Seiten: 297
  • Erzählform: Er-Form
  • ISBN:
  • erschienen: 2017
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,7 von 5

Worum geht’s?


Norman ist ein Draufgänger, ein Raufbold aus einer der mieseren Gegenden von Løbago und stolzer Sohn einer Puffmutter. Er hat ganz klare Ziele: Er will der beste Magier der Welt werden und Feuerbälle, Eisschwerter und noch viel bessere Sachen aus Magie erschaffen. Er will gegen die mächtigen Eismonster kämpfen, heroisch wie sein Vorbild, Gunnar Krafft!

Heimfried stammt nicht aus Løbago, wie Norman, sondern aus dem Nördlichen Flussland. Er ist so behütet aufgewachsen, wie man es sich nur vorstellen kann. Als jüngster Spross seiner Familie war er vorherbestimmt, seiner Mutter bis zu ihrem Lebensende Gesellschaft zu leisten.

Doch auch bei Heimfried wurde magisches Potenzial festgestellt und nun muss er zusammen mit Norman und vielen anderen Achtzehnjährigen eine Ausbildung zum Magier absolvieren. Das kann man sich wie eine Art Wehrpflicht vorstellen. Die Magier werden nämlich gebraucht, um die jährlich wiederkehrenden Angriffe der Eismonster abzuwehren.

Norman und Heimfried teilen sich ein Zimmer im Institut, dabei könnten sie unterschiedlicher gar nicht sein. Heimfried ist klein, schmächtig und piepsig, während Norman laut und offensiv ist. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie sind mit Abstand die schlechtesten Magieschüler am ganzen Institut.

Der Leser darf gespannt sein, wie sich hier eine Romanze entwickeln soll und ob aus den beiden Jungs wirklich fertige Magier werden, die auf der Stadtmauer gegen krallenbewehrte Monster kämpfen.

Ich geb’s zu: Das klingt alles ziemlich abstrus, aber es ist wirklich witzig zu lesen und die Welt ist bunt und fantasievoll. In diesem Buch erfahren wir ein paar Einzelheiten aus der Geschichte von Løbago und warum manche ihrer Einwohner gerade stinksauer sind. Uns wird ein Magiesystem vorgestellt, das ich zumindest noch nirgends sonst gelesen habe. Wir bekommen es mit korrupten Anführern zu tun, mit Rebellion, mit Betrügern, lauten Antreibern und sanften Hirten. Natürlich auch mit Monstern, Wettkämpfen und viel Liebe. 

Und wie war’s?


In diesem Buch tauchen wir mal in eine Fantasy-Welt ein, zu der uns Regina Mars ein Türchen öffnet. Wir halten uns dabei ausschließlich innerhalb der Stadtmauern Løbagos auf, meistens am Institut oder mitten in der Stadt. Obwohl die Autorin von den architektonischen Gegebenheiten nur wenig preisgibt, kann man sich als Leser schnell zurechtfinden und gern ein Weilchen niederlassen. Aufgrund der Namen einzelner Figuren und Orte darf man sich aber alles wohl ein bisschen skandinavisch vorstellen. Tatsächlich hätte sie ihre bunte Welt durch mehr Gestaltung (zum Beispiel beim Institut) noch etwas anfassbarer machen können. Die Autorin reichert ihre wichtigsten Personen mit Hintergrundgeschichten an, die ihnen etwas Tiefe verleihen. Das ist auch wichtig, weil gerade Norman und Heimfried so grundverschieden sind.  

Dieses Buch gehört eindeutig zu den lustigeren ihrer mittlerweile 16 Werke – und das will was heißen, denn lachen darf man wohl in jedem ihrer Bücher. Das ungleiche Paar macht Spaß. Es ist toll zu sehen, wie aus einem weinerlichen Hänfling mit der Zeit zwar kein Draufgänger, aber immerhin ein Typ wird, der sich zurechtfindet. Mehr noch: Er wird umso mehr respektiert, je mehr er sich selbst zutraut. Und andersrum genauso: Norman mimt das unfreundliche Trampel, als wir ihn kennen lernen. Doch mit der Zeit und durch Heimfrieds Einfluss wird er fast schon lammfromm. Fast.

Die Annäherung von Norman und Heimfried selbst hätte mehr Raffinesse vertragen als die plötzliche Erkenntnis, dass sie beide schwul sind und ihre miserable magische durch eine zusätzliche körperliche Verbindung stärken könnten. Da fehlte mir eine der von mir letzthin viel zitierten Schleifen, ein Zögern und ein Hadern, bis sie es schließlich nicht mehr verhindern können und wollen.

Die Wertung:


Bei der Gestaltung hat mich die Autorin nicht enttäuscht. Auf dem Cover sehen wir die beiden Romanhelden Norman und Heimfried, umgeben von ihren Netzen aus magischer Energie. Heimi hat sogar einen Feuerball für uns zustande gebracht. Ganz klein natürlich.

Was den Ausdruck angeht, bin ich dahinter gekommen, was mich „stört“, wobei „stört“ zu hart klingt. Regina Mars gibt sich selbst kaum die Möglichkeit zu einem bemerkenswerten Ausdruck, weil die Geschichte überwiegend aus wörtlicher Rede besteht. Die erzählenden Passagen dienen im Regelfall nur der kurzen Veranschaulichung der Szenerie und der Gedanken der handelnden Personen. Aber ist das schlecht? Ich finde nicht, denn wörtliche Rede verleiht einer Geschichte eine Dynamik, die durch Erzählung allein nur schwer zu erzielen wäre. Und ich nehme bei einem Buch lieber einen Punktabzug beim Ausdruck in Kauf als bei der Unterhaltung (die von mir ohnehin mit einem deutlich höheren Gewicht bewertet wird).

Unterhaltsam ist diese Geschichte allemal, daher volle fünf Punkte in dieser Kategorie. Die bunte, fantasievolle und trotzdem verruchte und schmutzige  Welt macht Spaß, die Figuren sind lustig, liebevoll, tollpatschig, überheblich oder auch ganz anders. Die Grundhandlung ist nachvollziehbar, der Leser wird sicher durch die Geschichte geführt. Am Ende fand ich es schade, dass Frau Mars einen relativ endgültigen Deckel auf das Projekt gesetzt hat. Eine Fortsetzung erscheint recht unwahrscheinlich, dabei wäre doch so viel Potenzial vorhanden, angefangen damit, dass die Ausbildung zum vollwertigen Magier drei Jahre dauert und wir gerade mal das erste Lehrjahr hinter uns haben. Es gab immerhin schon siebenjährige Schulzeiten für Magier, die eine gewisse britische Autorin zu Weltruhm und ein paar Milliönchen gebracht haben.

Die Struktur der Geschichte ist nicht weiter herausfordernd und musste keinen Punktabzug befürchten. Sie hat eine meistens geradlinige zeitliche Abfolge mit nur einfachen kurzen Ausflügen in die Vergangenheit. Die auftretenden wichtigen Personen sind überschaubar, ebenso die Schauplätze. Keine Gefahr, aber auch kein Risiko.

„Verdammt magisch“ kann ich volljährigen Lesern ruhigen Gewissens empfehlen, weil es Spaß macht, die Geschichte zu lesen, weil einem die Figuren ans Herz wachsen, weil sich das Mit-Verlieben toll anfühlt und weil das Ende so richtig happy ist.

 

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