BUCH: „LUKE UND JON“

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Robert Williams
  • Land: Schottland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Berlin Verlag bei Piper
  • Seiten: 192
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 2010
  • ISBN: 978-3-8270-7834-6
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 3 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 4 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,4 von 5

Titel der Originalausgabe: Luke and Jon
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

Worum geht’s?


Luke zieht mit seinem Vater in den kleinen Ort Duerdale, was wohl ein ausgedachter Ort in Schottland ist. Lukes Vater ist ein Spielzeugmacher, aber er ist sehr unglücklich, weil seine Frau, Lukes Mutter, kürzlich bei einem Autounfall ums Leben kam.

Luke lernt Jon kennen, einen Jungen, der genau wie er selbst dreizehn Jahre als ist und in der Nachbarschaft wohnt. Allerdings sieht Jon ein bisschen merkwürdig aus. Er trägt Klamotten wie alte Leute. Überhaupt ist er ein bisschen komisch. In der Schule ist er das Lieblingsopfer der Halbstarken, die ihn traktieren und bedrohen. Jon lässt es stoisch über sich ergehen, aber Luke macht es wütend. Er stellt sich auf die Seite des Nachbarjungen, obwohl er genauso gut auch mit den coolen Kids abhängen könnte. Die beiden freunden sich an. Jon bleibt immer ein bisschen reserviert und bald lernt Luke auch den Grund dafür kennen. Währenddessen versuchen Luke und sein Vater, die Trauer über den Verlust von Ehefrau und Mutter zu verarbeiten und ihr Leben irgendwie wieder auf die Reihe zu bekommen. Das ist ein langer und schwieriger Weg, den Jon über weite Strecken allein zurücklegen muss. Sein Vater ertränkt seinen Kummer in Whiskey und droht, an seinem Unglück zu zerbrechen. Erst ein Projekt hilft dem Spielzeugmacher, langsam wieder aufrecht zu stehen und seinem Leben wieder Energie und Auftrieb zu verleihen.

Und wie war’s?


Über weite Strecken beherrschte eine hintergründige Traurigkeit die Geschichte. Eine Traurigkeit, die ein Teenager verspürt, der dieses Gefühl nicht ganz zulassen kann. Der auch stark sein muss, wo sein Vater es nicht kann. Ein Junge, der sich von der neuen Umgebung ablenken lässt, von einer Freundschaft, die für ihn wohl auch so etwas wie ein Projekt ist. Nur, dass er dabei nicht an das Ende denkt, sondern an den Prozess. Er will Jon helfen, und eigentlich hilft er damit auch sich selbst durch eine schwere Zeit. Er schottet sich gegen das Gefühl des Verlustes ab, so gut es geht. Er weiß, dass seine Mum gestorben ist und er weiß, wie es passierte. Aber das tiefe Gefühl der Trauer lässt er nicht zu. Man kann beim Lesen spüren, wie er die bebenden und schrecklichen Ausläufer dieser Emotion herannahen fühlt wie die schwarzen Wolkenfetzen eines Unwetters, sie aber unterbewusst verdrängt. Er behält seine Mum lieber so im Gedächtnis, wie er sie wahrgenommen hat. Die Trauer und was sie anrichten kann, beobachtet er lieber von außen am Verhalten seines Vaters. Aber trotz aller Ablenkung gelingt es Luke nicht, die aufgestauten Emotionen vollständig unter Verschluss zu halten. Sie entschlüpfen, hier und da, manifestieren sich in übermächtiger Wut und Orientierungslosigkeit.

Dieses Buch habe ich nach der Übersetzerin ausgesucht. Brigitte Jakobeit hat Titel übersetzt wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“, „Die Frau des Zeitreisenden„, „Fangirl“ und jüngst auch „Carry on„, das im Deutschen den sperrigen Titel „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ erhält und im August erscheint. All diese Bücher, von deren gemeinsamer Übersetzerin ich bis vor kurzem gar nichts wusste, haben mir sehr gefallen, und so wählte ich „Luke und Jon“ aus, ein natürlich nicht besonders fröhlicher und trotzdem empfehlenswerter kurzer Roman.

Die Wertung:


Auf der Coverabbildung sehen wir Luke und Jon. Sie ist ansonsten eher schmucklos und irgendwie fade. Ein Coverkauf wäre das wohl nie geworden. Orthografisch gibt es hier nichts zu meckern. Nur einmal habe ich über einer Schreibweise gebrütet, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Sei’s drum, an der Wertung hätte das nicht gerührt. Der Ausdruck gehört wohl zu den einschlägigen Gründen, aus denen ich ein Buch von gerade dieser Übersetzerin ausgewählt habe. Er ist nicht überzeichnet, um einen literarischen Anspruch auszustrahlen, der gar nicht notwendig ist, gleichzeitig ist der Stil aber wohlgeformt und ausdrucksstark. Mehr wörtliche Rede hätte den Lesefluss etwas begünstigt, aber rückblickend finde ich, dass das der Wahrnehmung der Geschichte eher geschadet hätte. So hat es meiner persönlichen Unterhaltung ein Pünktchen gekostet. Ich habe das Lesen zuweilen als etwas anstrengend und ermüdend empfunden. Glücklicherweise helfen die vielen kurzen Kapitel, sinnvoll zu pausieren und trotzdem am nächsten Tag den Wiedereinstieg zu finden. Und so kommt „Luke und Jon“ insgesamt auf vorzeigbare 4,4 Punkte.

 

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