BUCH: LIST UND LIEBE

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Autorin


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Regina Mars
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self publishing
  • Seiten: 235
  • Erzählform: Er-Form
  • ISBN:
  • erschienen: 2017
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

Worum geht’s?


Im dritten Band der Winter-Reihe von Regina Mars geht es um Shirley, die Schwester der drei Jungs. Shirley arbeitet hochkonzentriert auf ihr Einser-Abitur hin. Als Stipendiatin machen es ihr die Bonzenkinder an der exklusiven Privatschule nicht leicht. Anders als den anderen Mädchen ist ihr ein hübsches Aussehen schnurz, ihre Nase taucht sie viel lieber in Bücher als in Puder. Was andere von ihr halten, ist ihr meistens nicht wichtig.

Gwen ist ganz anders. Im Unterricht passt sie nicht auf, manchmal schläft sie sogar ein. Die Jungs sind scharf auf sie, aber sie hält‘s nie länger als zwei Wochen mit einem aus. Überhaupt entpuppt sich ihre Begeisterungsfähigkeit in der Regel als Strohfeuer.

Doch dann verliebt sie sich in Shirley, das miesepetrige Mädchen aus dem schäbigen Fleischhauerviertel. Shirley versucht, Gwen abzuschütteln, Ablenkung kann sie nicht gebrauchen. Also stellt sie ihrer Verehrerin zwei unlösbare Aufgaben. Falls Gwen die Aufgaben erfüllt, stimmt Shirley einem Date zu.

In „List und Liebe“ haben wir es aber nicht ausschließlich mit den beiden jungen Frauen zu tun. In der Nebenhandlung lernen wir Dom kennen, den hübschesten männlichen Schüler und Shirleys einzigen Freund an der Privatschule. Dass Shirley keine romantischen Gefühle für Dom hat, stört ihn nicht, denn er ist schwul. Außer Shirley darf das aber um Himmels Willen niemand wissen.

Und wie war’s?


Wer hätte gedacht, dass ich mal eine lesbische Romanze lese?! Ich sicher nicht. Ich habe deshalb einigermaßen lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Teil der Winter-Reihe wirklich lesen oder lieber auslassen soll …
 
Shirley ist eine Winter, ich konnte also gar nicht anders. Die Geschichte ist lustig, abwechslungsreich, romantisch und streckenweise sehr ernsthaft. (Zugegeben, die Erotikszenen habe ich ein bisschen schneller gelesen.)
 
Wir treffen natürlich wieder auf die ganze Familie, Nils und Henry aus Band 1, Marc und Flo aus Band 2 und natürlich Mutter Jennifer. Ein paar Eastereggs für Fans hat die Autorin ebenfalls eingebaut. Und für die Geschichte von Josh, Shirleys Zwillingsbruder, legt Regina Mars hier bereits ein paar Grundsteine.
 
An Shirley hat mir gefallen, dass sie sich während der ganzen Geschichte treu bleibt. Es gelingt der Autorin, der Figur ein Höchstmaß an Authentizität zuteil werden zu lassen – sofern das bei einer ausgedachten Person überhaupt möglich ist. Selbst, als die sonst so kühle und sachliche Shirley mit ihren Emotionen konfrontiert wird, verliert sie sich nicht, sondern nimmt mit einer für sie typischen Sachlichkeit eine Veränderung an sich wahr. Sie versucht, diese Veränderungen zu kontrollieren, was ihr natürlich nur bedingt gelingt.
 
Gwen ist ganz anders. Die zweite Protagonistin achtet sehr auf ihr Äußeres. Wissen ist ihr nicht wichtig, solange sie mit einem Augenaufschlag bekommt, was sie will. Die Jungs laufen ihr nach und unter den Mädchen scheint sie beliebt zu sein. Sie schmücken sich gern damit, mit der hübschesten Schülerin befreundet zu sein, halten sie insgeheim aber für ein hohlköpfiges Dummchen.  Keine von ihnen macht sich die Mühe, Gwen wirklich kennenzulernen. Keine, außer Shirley. Als Leser lernen wir Gwen als überaus mutige und vor allem ehrliche Person kennen.
 
Regina Mars hatte an manchen Szenen sichtlich Spaß. Das kommt in Situationen wie dem Weihnachtsmarkt, in der Bibliothek oder im Fahrschulauto wunderbar beim Leser an. Auch das Zusammenspiel von Shirley und Dom hat mir richtig gut gefallen. Die Autorin hat mir verraten, dass Dom beim Schreiben unbeabsichtigt eine immer größere Rolle eingenommen hat, und darüber bin ich wirklich froh. So hatte Shirley einen wichtigen Anker, und mir als schwulem Leser gefiel das auch.
 
Bei allem Mars-obligatorischen Klamauk hält „List und Liebe“ aber auch ernste Themen bereit, die ich hier aber nicht verraten werde, weil das im Buch so sorgfältig aufgebaut wird.
 
Diese Geschichte hat mir übrigens eine Frage beantwortet, die ich mir davor noch gar nicht gestellt hatte. Ich bin mir spätestens jetzt ganz sicher: Ich bin wirklich und ausschließlich schwul. Beim Mitverlieben mit den Jungs kribbelt es für gewöhnlich bis in alle Regionen meines Körpers. Bei den Mädels habe ich mich einfach nicht richtig mitverliebt. Ich war ja ganz nah dabei, aber das Verlieben habe ich wie aus einer gewissen Distanz empfunden. Ich habe mich mit ihnen gefreut, aber die Kribbelei blieb bei mir aus.

 

Die Wertung:


Regina Mars bleibt der Tradition der Winterreihe treu und zeigt uns auf dem Cover die beiden Protagonistinnen hinter einem winterlichen Sprossenfenster. Durch das selbe Fenster durften wir auch schon blicken, als sich Nils in Henry verliebte und später Marc in Flo. Ich bin schon bis zum Zerreißen gespannt, mit wem wir Josh im vierten Winter-Band dort sehen werden. Und – liebe Regina – bitte spendiere uns unbedingt ein Familienfoto am Ende der Winter-Reihe. (Du könntest auch ein ganzes Fotoalbum zeichnen, ich würde es ganz sicher kaufen! Ich mag die Winters.)

Aber weiter in der Wertung von „List und Liebe“. Den Ausdruck fand ich gut. Die Charaktere werden sehr gut herausgearbeitet. Ungewöhnlich war für mich, dass ich gerade bei Gwen ein Gesicht vor Augen hatte. Normalerweise haben Figuren, von denen ich lese, kein klares Gesicht, so, als würde man die Person zwar ganz eng begleiten, ihr aber niemals ins Gesicht sehen. Gwen hat mich förmlich angestrahlt und ich habe sie auch jetzt noch vor Augen. Dazu muss ich erwähnen, dass ich als Testleser das Cover nicht kannte, als ich mit dem Lesen begann.

Wie in den vorherigen Bänden hat die wörtliche Rede wieder das größere Gewicht bekommen. Erzählerische Passagen unterstützen den Ausdruck. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonistinnen geschrieben.

Ich bin froh, diesen Roman gelesen zu haben. Wie schon die Vorgänger hat er mich wunderbar unterhalten. Ich wollte wissen, ob Gwen die ihr gestellten Aufgaben lösen kann, ob es Shirley gelingt, sich ihr zu öffnen, ob Dom sich traut, sich noch während der Schulzeit zu outen, ob der Bibliothekar seinen Job behalten darf und ob es Henry wirklich gut geht. Ich nörgele ja gern am Ende herum – meistens ist es mir zu knapp. Beim ersten Lesen von „List und Liebe“ war das auch so. Dabei hat die Autorin alle wesentlichen Handlungsstränge sauber zu Ende geführt. Ich glaube, ich kann einfach nicht gut loslassen und für mich müssten die Enden schrecklich lang ausgetreten werden, bis ich bereit wäre, die Geschichte gehen zu lassen. Da muss ich also eher einen Punkt bei mir abziehen, als bei der Geschichte.

Und so kommt es – für mich völlig überraschend – dass eine Lesbian Romance einen Platz im Regal meiner Lieblingsbücher erhält.

Applaus.

 

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