BUCH: „KAKTUSKAVALIER“

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: A.C. Lelis
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Cursed Verlag
  • Seiten: 350
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 978-3-95823-044-6
  • erschienen: 2016
  • gelesen: 2017
 
  • Einband- /Gestaltung: 5 von 5
  • Orthografie: 2 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,5 von 5

Worum geht’s?


Liebe auf den ersten Blick mit Hindernissen. Lennard und Cedric begegnen sich auf der Straße, blicken sich im Vorbeigehen tief in die Augen, drehen sich nochmal um und Lennard bekommt Cedrics Nummer.  Blöd nur, dass Lennard auf dem Nachhauseweg sein Handy verliert. Er muss Cedric aber unbedingt wiedersehen und setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu finden.

Details (Spoiler!)


Lennard ist Millionär. Darauf wird er auch ziemlich häufig reduziert. Dass er ein Hutgeschäft betreibt, wird von vielen belächelt.

Cedric ist Schauspieler am Theater. Blond und blauäugig entspricht er eigentlich nicht Lennards Beuteschema. Trotzdem sorgt er bei ihm für schlaflose Nächte, zuerst, weil Lennard seine Nummer verloren hat, dann weil er sich ziert und später aus rein körperlichen Gründen. Cedric ist eigentlich schon in einer Beziehung mit Jörg, einem Regisseur am Theater. Aber Lennard ist hartnäckig und übt eine intensive Anziehungskraft auf Cedric aus, so dass dieser die strikten Regeln seiner offenen Partnerschaft mit Jörg bricht. Blöd, dass Jörg ein Choleriker ist, dem gerne mal die Hand ausrutscht.

In der Nebenhandlung lernt Lennard Simon kennen. Er spielt den „Schmusekater“ für einen Arzt namens Arne, der im selben Haus wohnt wie Lennard. Die Beziehung zwischen Simon und Arne ist anfänglich faszinierend merkwürdig. Simon ist ihm sozusagen zugelaufen (dazu später mehr) und kommt jetzt immer wieder zu ihm, zum Schmusen und für mehr. Einen Schlüssel hat er nicht und sitzt deshalb – wie ein Kater – Abend für Abend vor der Haustür und wartet darauf, dass sein „Herrchen“ von der Arbeit heimkommt. Als Lennard ihn an einem Abend vor der Tür sitzend vorfindet, nimmt er ihn mit in seine Wohnung. Die beiden freunden sich an, aber weil beide an jemand anderem interessiert sind, bleibt es bei einer Freundschaft. Simon wartet fortan nicht mehr vor dem Haus auf Arne, sondern in Lennards Wohnung.

 

Und wie war’s?


„Kakuskavalier“ ist eigentlich der erste Band eines Zweiteilers, der mit „Kaffeekavalier“ endet. Dass ich die beiden Bücher in umgekehrter Reihenfolge gelesen habe, macht aber gar nichts, denn die Handlungen als solche haben nichts miteinander zu tun. Sie berühren sich an der einen oder anderen Stelle und die Figuren des einen Bandes tauchen mal kurz im jeweils anderen auf. Das macht Spaß, weil man als Leser Figuren wiedererkennt und sogar weiß, wie es zu bestimmten Situationen gekommen ist. Das funktioniert in beide Richtungen hervorragend.

Besonders an „Kaktuskavalier“ ist die Kurzgeschichte „Streunerkater“. Für sie muss man ans Ende des Buches blättern, denn sie ist hintenan gestellt. „Streunerkater“ erzählt, wie sich Simon und Arne kennenlernen. Als ich anfing zu lesen, war ich skeptisch, denn es begann sofort mit einer zunächst anonymen und unromantischen Sexszene. Zum Glück habe ich das Buch da nicht gleich abgeschrieben (und zum Glück hatte ich „Kaffeekavalier“ da schon gelesen und wusste daher, dass dieses Buch nicht so schlecht sein kann!). Bemerkenswert war dann ja auch, wie es nach dem Sex weiterging. Toll, dass die beiden Figuren im eigentlichen Roman dann immer wieder auftauchen.

Das Auf und Ab zwischen Lennard und Cedric funktionierte diesmal sogar ohne das sonst regelmäßig auftauchende Empfinden, die Protagonisten würden eine Schleife zu viel drehen, bis sie sich endlich bekommen. In der ersten Phase, als Lennard versucht, Cedric ausfindig zu machen, ist es spaßig zu lesen, dass er bei anderen Männern nicht mehr funktioniert, weil er nur noch Cedric im Kopf hat, den Typen, den er auf der Straße getroffen hat. Als er ihn dann endlich gefunden hat, kommt der ihm mit der 72-Stunden-Regel und lässt ihn erstmal abblitzen. Lennard gibt aber nicht auf und schafft es schließlich, Cedric zu einem Treffen zu bewegen. Danach ist es erst recht um ihn geschehen, aber Cedric hat noch mehr Regeln auf Lager. Eine Regel seiner offenen Beziehung besagt, dass er sich niemals mehr als einmal mit einem Mann treffen darf. Ab jetzt wird es ein Verführungsspiel. Lennard sorgt zunächst mit kleinen Aufmerksamkeiten dafür, dass Cedric ihn nicht vergisst. Als der dann endlich zaghaft anbeißt, sorgt mangelnde Kommunikation dafür, dass sie im Streit auseinandergehen. Na gut, das ist eine Extra-Schleife, aber das war schon OK. Lennard schafft es letztlich, Cedric zu einem großen Gefallen zu überreden. Sein Freund kommt dahinter, dass Cedric ihn betrügt und lässt ihn spüren, was er davon hält. Für Cedric ist diese letzte Prügelattacke Grund genug, die Beziehung zu beenden und sich Lennard endlich voll und ganz hinzugeben.

Dass Lennard absichtlich die Beziehung zwischen Cedric und Jörg torpediert, fand ich gewöhnungsbedürftig. Ich bin zwar kein gläubiger Mensch und komme hier sicher nicht mit dem Verbot des Ehebruchs. Aber jemandem absichtlich den Freund auszuspannen finde ich egoistisch und für das Opfer dieses Raubs sehr verletzend. A.C. Lelis heilt dieses Empfinden ein bisschen dadurch, dass Jörg ein cholerisches Arschloch ist, der seinen Freund verprügelt. Letztlich tut Lennard damit scheinbar etwas Gutes. Allerdings weiß der ganz lange nichts von Jörgs gewalttätigem Temperament.

 

Die Wertung:


Das Cover hätte mich per se jetzt nicht zum Kauf animiert. Das heißt aber nicht, dass ich es schlecht finde. Wir sehen hier immerhin einen Mann mit Hut auf einer Straße, der möglicherweise jemandem gerade tief in die Augen schaut. Also durchaus nicht unpassend, letztlich aber nicht unbedingt mein Lieblingscover. Einen Pluspunkt verdient die Gestaltung wiederum durch vereinzelte Illustrationen innerhalb des Buches. 

Auf den 350 Seiten habe ich sechs Schreibfehler markiert und somit drei Punkte bei der Bewertung der Orthographie abgezogen.

Der Ausdruck ist einfach und unauffällig. Ich habe keine literarisch besonders hervorstechenden Passagen bemerkt, weder positive noch negative. Unauffällig und solide.

„Kaktuskavalier“ ist ähnlich unterhaltsam und fesselnd, wie „Kaffeekavalier„. Auch hier ließ mich die Geschichte nicht los, ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Zwischenzeitlich war ich mir nicht mal mehr sicher, ob es am Ende wirklich auf Lennard und Cedric oder vielleicht sogar Lennard und Simon hinausläuft. Die Entwicklungen sind dabei grundsätzlich nachvollziehbar, wirken nicht an den Haaren herbeigezogen und machen ganz oft auch noch Spaß. Emotional unterscheidet sich dieser erste Band etwas vom zweiten, in dem ich gefühlt noch ständig geheult hatte. Derlei Emotionen bleiben hier etwas oberflächlicher. Dafür gibt es hier deutlich mehr Sex.

Strukturell ist an „Kaktuskavalier“ fast nicht zu meckern. Es tauchen deutlich mehr Namen auf als im zweiten Band und irgendwann habe ich nicht mehr ganz geblickt, wer wer ist. Aber das betraf nur unwichtige Nebenhandlungen, tat der Geschichte keinen Abbruch und war letztlich wohl auch eher meiner Bequemlichkeit geschuldet, mir Namen zu merken.

Ein weiterer Gay-Romance-Roman von A.C. Lelis und wieder fand ich es schade, das Buch am Ende zuklappen zu müssen.

 

 

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