BUCH: „KAFFEEKAVALIER“

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: A.C. Lelis
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Cursed Verlag
  • Seiten: 412
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 978-3-95823-631-8
  • erschienen: 2017
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthografie: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,8 von 5

Worum geht’s?


Timm ist zwanzig Jahre alt, als er sich bei Eike um eine Ausbildungsstelle zum Friseur bewirbt. Im Gepäck hat er eine total verkorkste Vergangenheit, die tiefe Narben auf seiner Seele hinterlassen hat. Eike gibt ihm eine Chance – nicht ganz vorbehaltlos und immer auf der Hut. Er versucht, zu verdrängen, dass da mehr zwischen ihnen entsteht, immerhin ist Timm sein Azubi …

Details (Spoiler!)


Eike hat einen eigenen Friseurladen in Hamburg. Der Dreißigjährige beschäftigt zwei Angestellte und sein Salon erhält stets Höchstnoten von seinen Kunden. Als die Geschichte beginnt, geht es Eike nicht besonders gut. Sein Freund hat eine Stelle in der Schweiz angenommen und ist kürzlich ausgezogen. Die beiden versuchen es mit einer Fernbeziehung.

Timm hat sich einen Spättermin in Eikes Salon geben lassen. Der Zwanzigjährige scheint zunächst eher nicht in den teuren Laden zu passen, mit seiner gebrochenen Nase, dem kaputten Schneidezahn und den Klamotten, die eher an ein Ghettokid erinnern als an Eikes übliche Klientel. Zumindest für die Frisur kann etwas getan werden. Sie kommen ins Gespräch und Eike erfährt, dass Timm ebenfalls Friseur werden will. Am Ende ist sich Eike sicher, dass Timm nicht nur wegen eines Haarschnitts ausgerechnet in seinem Salon gelandet ist. Obwohl er ein komisches Gefühl bei der Sache hat, bietet er Timm einen Praktikumsplatz an und der Junge macht sich mehr als gut. Eike und seine Angestellten sind begeistert und schließen Timm schnell ins Herz. Eike beschließt, ihn auszubilden. Doch gleich am ersten Tag seiner offiziellen Ausbildung erscheint Timm nicht zur Arbeit. Am nächsten Tag fährt Eike zu ihm nach Hause und findet Timm halbnackt und grün und blau geschlagen an seine Heizung gefesselt vor. Er befreit den Jungen und nimmt ihn mit in seine Wohnung. Was er über Timms Vergangenheit herausfindet, ist haarsträubend. Er ist beeindruckt, was für eine Person trotzdem aus Timm geworden ist und lässt ihn bei sich wohnen – bis er etwas besseres gefunden hat.

Während die Fernbeziehung nicht so richtig funktioniert, steigt die Faszination für Timm, der sich in die Zweier-WG einbringt, sich um Eike kümmert, geheimnisvoll ist und noch dazu unverschämt gut aussieht. Aber weil er zehn Jahre jünger und außerdem sein Azubi ist, verbietet sich Eike, auch nur über mehr nachzudenken.

Es ist klar, dass die Verdrängungstaktik nicht ewig funktioniert. Die Anziehungskraft zwischen den beiden wird unüberwindbar, da kann sich Eike noch so sehr an seine Prinzipien und seine Bedenken klammern. Im Grunde sorgt er sich vorrangig darum, was andere davon halten würden, er ist immerhin Timms Chef und Timms Vergangenheit ist alles andere als glorreich. Außerdem hat er Angst, verletzt zu werden und Timm zu verletzen, der immerhin gerade eine dreijährige Ausbildung in seinem Salon begonnen hat. Seine dreijährige Beziehung zu Holger endet, während Timm schon bei ihm untergekommen ist. Insgesamt also richtig denkbar schlechte Vorzeichen für eine Beziehung.

Wie es am Ende trotzdem dazu kommt und warum sich das Resultat so gut anfühlt, muss man einfach lesen.

 

Und wie war’s?


Ich habe lange nicht mehr so viele Tränen beim Lesen vergossen wie bei diesem Buch. Nicht, weil so viele schreckliche Dinge passieren, sondern weil die Emotionen bei mir richtig gut funktioniert haben. Anders als zum Beispiel bei den Gay-Romance-Büchern von Regina Mars, die mich seit geraumer Zeit begeistern, ist „Kaffeekavalier“ aber nicht lustig geschrieben, sondern befasst sich mit so ernsthaften Themen wie Prostitution, Drogen, Alkoholismus und Jugendgefängnis. Zum Glück sind das Themen, die in Timms Vergangenheit gehören, denn schon ihre Bewältigung in dieser Geschichte ging mir sehr nah. Ich bin da wohl sehr empfindlich.

Die Mischung aus Vergangenheitsbewältigung, aufkeimender Verliebtheit, aber auch die Arbeit in dem Salon und die Freunde drumherum, all das hat mir richtig gut gefallen. Der Salon war übrigens einer der Gründe, das Buch zu lesen. Ein typischer Coverkauf eigentlich. Vorgestellt habe ich mir einen von den modernen auf klassisch gemachten Barbershops, die gerade wieder aus dem Boden schießen und sich so überdeutlich von den profillosen Friseurketten unterscheiden, die ich bisher so kannte.

 

Die Wertung:


Da es ein Coverkauf war, sind fünf Punkte für die Coverabbildung natürlich ein Muss. Ich habe den Verlag zunächst nicht um Erlaubnis gebeten, das Cover hier abbilden zu dürfen, weil ich bei Gay-Romance-Büchern immer etwas vorsichtig bin. Viele sind so „billig“ geschrieben und mit Schreibfehlern durchsetzt, zum Teil so auf Erotik reduziert, dass ich sie zwar lese, es aber keinem erzähle. Ich bin froh, wieder ein Buch gefunden zu haben, bei dem das anders ist. Natürlich bleibt Gay Romance Gay Romance. Das bedeutet für mich  mehr oder weniger schmalzige schwule Liebesgeschichten, die zu Herzen gehen und zuweilen meine Tränendrüsen quetschen. Erotik spielt hier durchaus auch eine Rolle. Wichtig ist für mich nur, dass die Geschichte nicht um die Erotik herumgeschrieben ist und dass ich beim Lesen und am Ende glücklich bin. 😃 Ein Happy End ist mir richtig wichtig.

So viel zum Cover.

Bei der Orthografie habe ich am Anfang nicht aufgepasst, als ich sicherheitshalber erstmal die Leseprobe auf meinem Kindle hatte. Danach habe ich vier Schreibfehler gefunden, was bei rund 400 Seiten keinen Punkt Abzug in der Wertung bedeutet.

Der Ausdruck ist einfach und unauffällig. Ich habe keine literarisch besonders hervorstechenden Passagen bemerkt, weder positive noch negative. Unauffällig und solide.

Über die Unterhaltung kann ich mich ebenfalls nicht beschweren. Im Gegenteil! Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen! Die Autorin hält sich nicht mit seitenlangem Geschwafel auf, das nirgendwohin führt. Wie üblich war bei mir irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich es nicht mehr erwarten konnte, dass die Protagonisten endlich von ihren Zweifeln ablassen und ich hoffte, dass sie nicht noch eine Schleife drehen müssen. Aber das gehört wohl einfach dazu. A.C. Lelis verwöhnt den Leser immerhin damit, dass sich die Figuren während des ganzen Prozesses auf andere Weise näherkommen. Das sorgte für die schon erwähnten Emotionen. Die Geschichte und ihre Figuren haben sich so gut angefühlt, dass ich unablässig weiterlesen wollte. Wenn das keine Unterhaltung ist…

Strukturell ist „Kaffeekavalier“ nicht herausfordernd. Die Geschichte ist einigermaßen geradlinig, es gibt nur wenige Nebenhandlungen und auch die Handvoll Locations bergen nicht die Gefahr, sich als Leser zu verlaufen. Meistens hatte ich das Gefühl, der Schauplatz wäre vollständig, das bedeutet, mir als Leser reichte es, was ich darüber wusste, um mich gedanklich dort gut einzurichten. Auch die Anzahl an Nebenfiguren ist für den Leser sehr gut beherrschbar. 

Bei den Gay-Romance-Büchern von A.C. Lelis werde ich definitiv am Ball bleiben. Und „Kaffeekavalier“ ist ein Schmachtroman, den ich Genrebegeisterten sehr gern weiterempfehle.

 

 

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