BUCH: ISMAEL

Ismael von Daniel Quinn

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Autor: Daniel Quinn
  • Land: USA
  • Verlag: Goldmann
  • Seiten: 250
  • Erzählform: Ich-Form
  • erschienen: 1992
  • ISBN: 9781984084675
  • gelesen: 19.02.2018 – 02.03.2018
  • Gestaltung: 5 von 5 
  • Orthografie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamturteil: 3,5 von 5

Worum geht’s?

Der Erzähler dieser vor 26 Jahren erschienenen Geschichte begegnet Ismael, einem Gorilla. Ismael hat nicht nur einen Namen, er kann auch sprechen. Zusammen mit dem Erzähler werden wir zu Ismaels Schülern. Gelehrt wird – quasi von einem unbeteiligten Dritten*, warum die Menschen so sind, wie sie sind und warum sie nicht anders können, als ihre eigene Zivilisation zu zerstören.

* Ismael sagt selbst: „Das Banale kann manchmal erhellend sein, wenn es aus einer anderen Perspektive betrachtet wird.“

Und wie war’s?

Diese Geschichte ist ganz anders, als ich sie erwartet hatte. Ich dachte beim Kauf, ich würde an einer Expedition in den Dschungel teilnehmen und auf Gorillas treffen, von denen einer namens Ismael eine besondere Rolle spielt. Ich dachte, auf diese Weise würde eine lehrreiche Geschichte über den destruktiven Einfluss des Menschen erzählt, vielleicht würden sogar ein paar Ansätze zur Lösung angeboten.

All das gab es nicht. Wir begeben uns nicht in den Dschungel, wir gehen gar nirgendwo hin.

Wir, der Ich-Erzähler, sitzen in einem kahlen Raum auf einem Sessel  und lassen uns von Ismael, dem Gorilla, in reichlich Theorie dorthin leiten, wo seiner Ansicht nach das Übel seinen Anfang nahm: am Anfang, will heißen, in der Schöpfungsgeschichte. Zumindest in der Geschichte, wie die Menschen sie von Generation zu Generation weitergeben. Ismael stößt uns mit der Nase darauf, dass die Menschen glauben, die Schöpfung der Welt wäre mit der Erschaffung des Menschen abgeschlossen, so, als hätte Gott alle Schritte davor – das Licht, das Wasser, die Pflanzen, die Tiere – nur erschaffen, damit der Mensch als Krone der Schöpfung existieren kann. Und genau so verhalten wir Menschen uns. Wir nehmen uns von der Welt, was wir brauchen, weil wir denken, alles gehöre selbstverständlich uns ganz allein. Fast minutiös belegt er, wie die Menschen vor allem mit Beginn der Landwirtschaft damit anfingen, Nahrung im Überfluss zu produzieren, sich daraufhin zu vermehren und den Platz um sich herum zu beanspruchen. Der Mensch hat sich über die Gesetze der Natur erhoben und Ismael erklärt – durchaus nachvollziehbar – warum genau das sein unwiderruflicher Untergang sein wird.

Als ich zu lesen begann, war ich auf der Hut. Ich merkte schnell, dass ich als Leser einer Art Manipulation unterworfen wurde. Ismael sagt an einer Stelle direkt: „Es ist der Weg, der Dich verändern wird. […] Ich gebe Dir eine grobe Vorstellung von unserer Marschrichtung, dann wirst Du mich verstehen.“ Der Ich-Erzähler sieht nicht immer gleich, worauf Ismael hinauswill, also leitet der Gorilla ihn, bis der Erzähler sagt: „Achso, jetzt habe ich es verstanden.“ Damit mündet die Aussage des Gorillas und seine Herleitung in Erkenntnis und Verstehen und wird damit quasi wahr. So zieht es sich durch das ganze Buch und wird mit Belegen untermauert. Im Verlauf der Geschichte gelingt es dem Erzähler, mehr und mehr von selbst auf bestimmte Zusammenhänge zu kommen, aber man frage sich, ob er wirklich versteht oder ob er sich nur Ismaels Hinleitung unterworfen hat.

Das Buch erzählt seine Geschichte auf mehreren Ebenen, von denen ich sicher die meisten nicht gesehen geschweige denn verstanden habe. Zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich zum Beispiel nicht, was es mit Goliath auf sich hatte, mit dem Ismael am Anfang verwechselt wurde. Und warum nur wir als Ich-Erzähler den Gorilla sprechen hören können. Am Ende gerät Ismael wieder in Gefangenschaft eines Wanderzirkus – ob da eine tiefere Bedeutung drinsteckte? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass mich die Geschichte gedanklich noch eine ganze Weile begleiten wird und vielleicht komme ich auf diesem Weg hinter das eine oder andere Geheimnis.

Die Wertung

Offen gesagt bin ich mir unschlüssig, ob mir das Buch nun gefallen hat oder nicht. Daher hangele ich mich zunächst rein mathematisch an der Bewertung entlang.

GESTALTUNG:
Die Coverabbildung hat scheinbar nichts mit der Geschichte zu tun. Wir sehen keinen Gorilla, keinen Menschen, auch nicht den Sessel in dem leeren Raum, in dem wir uns fast die ganze Zeit aufhalten. Abgebildet ist hier vielmehr sinnbildlich das Wissen und die Kultur der Menschen, Geschichten und Mythen, niedergeschrieben, um sie an nachfolgende Generationen zu überliefern. Auf den zweiten Blick also durchaus passend. An der Gestaltung im Ganzen kann ich nichts Negatives finden. 5/5

ORTHOGRAPHIE:
Mir sind auf 250 Seiten Geschichte zwei Schreibfehler aufgefallen, damit entgeht Ismael einem Punktabzug, wenn auch nur knapp. 5/5

AUSDRUCK:
Sowohl Ismael als auch der Erzähler drücken sich klar und deutlich aus. Was sie sagen, wirkt dabei nicht einfach so hingeschrieben. Wortwahl und Aufbau erscheinen wohlüberlegt, selbst in ihrer wörtlichen Rede, die sich dominant durch das gesamte Buch zieht. 5/5

UNTERHALTUNG:
Hier liegt mein Problem: Ich fühlte mich von der Geschichte nicht unterhalten. Das hätte ich verkraften können, wenn am Ende etwas Sinnvolles für mich herausgekommen wäre. Aber die Geschichte führt zu der Erkenntnis, dass der Mensch seiner Vernichtung, die er seit der Erfindung des Ackerbaus vorantreibt, unwiderruflich und mit zunehmender Geschwindigkeit entgegenrennt. Alles, was wir tun können, sei, diese Geschichte zu verbreiten und der Menschheit die Augen zu öffnen. 2/5

Na toll. Juhu.

STRUKTUR:
Die Kapitel hatten jeweils eine gute Länge, um am Ende kurz zu verschnaufen und all das Erzählte und Belegte zu verarbeiten oder über Denkanstöße zu grübeln, die der Gorilla Ismael uns aufgegeben hat. Überhaupt, das hatte ich ja schon erwähnt, werden seine Theorien so detailliert mit Belegen untermauert, dass der Leser alles nachvollziehen kann. Besonders viele Figuren kommen auch nicht vor, die meisten erschienen mir auch nicht besonders wichtig (und Kain und Abel konnte ich mir noch merken). 5/5


FAZIT:
Rein mathematisch erhält das Buch von mir also 3,5 Punkte. Ich habe keinen Grund, ihm zusätzlich Punkte abzuziehen, aber leider auch nicht, welche draufzulegen. Somit wird „Ismael“ mir zwar wenigstens für eine Weile nicht aus dem Kopf gehen, ein Lieblingsbuch wird es allerdings nicht.

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