BUCH: HORRORHAMSTER


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Regina Mars
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self publishing
  • Seiten: 244
  • Erzählform: Er-Form
  • ISBN:
  • erschienen: 2017
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

Band 1: Aufgetaut
Band 2: Horrorhamster
Band 3: List und Liebe
Band 4: (folgt)

Worum geht’s?


In Horrorhamster widmet sich Regina Mars einer Figur, die wir bereits aus einem früheren Roman kennen. Es geht um Marc, den nächstjüngeren Bruder von Nils aus dem Buch Aufgetaut.

Als wir die Geschichte in dem malerischen Wintersportort Ebernau betreten, ist Marc dreizehn Jahre alt. Ausgehend vom Vorgänger Aufgetaut gehen wir also zwei Jahre zurück. Zumindest vorübergehend. Marc lernt Flo kennen. Na, eigentlich beschimpft er ihn. Grund ist eine alte Rivalität ihrer Mütter und außerdem ist Flo eines der Bonzenkinder von „oben“. Während Marc aus ärmlichen Verhältnissen stammt und eine ziemlich vorlaute Klappe hat, lernen wir Flo als schüchternen Knaben kennen. Eines haben die beiden aber gemeinsam: Sie lieben Snowboarden.

Fünf Jahre später hat Marc nichts von seinem Selbstbewusstsein verloren – sein gutes Aussehen ist ihm da sicher eine Hilfe. Jetzt will er sein Hobby zum Beruf machen und Profi-Snowboarder werden. Seine Rivalität zu Flo hat er aufrecht erhalten, wenn auch nicht mehr so leidenschaftlich wie früher. Beide trifft es ziemlich unerwartet, als sie bemerken, dass da mehr zwischen ihnen ist.

Und wie war’s?


Ich fand es schön, nach Ebernau zurückzukehren. Schon im ersten Roman habe ich mich dort wohlgefühlt. Sowohl die Reichen von oben als auch die schwer schuftenden ärmeren Mensch aus dem Tal wuchsen mir schnell ans Herz. Genau wie Aufgetaut schlägt auch Horrorhamster  eine Brücke zwischen arm und reich, indem aus Rivalität und Abneigung Liebe entsteht. Dass Marc schwul ist, überrascht wohl niemanden so sehr wie ihn selbst. Durch seinen Bruder Nils ist ihm das Thema zwar nicht fremd, aber an seinem ausgeprägten Erfahrungsschatz waren Jungs bisher nicht beteiligt. Anders als bei Flo, der mit seinem Freund Paul eine heimliche Beziehung führt, von der niemand wissen darf.

An dieser Geschichte gefällt mir zunächst die Beharrlichkeit, mit der Marc an seiner Karriere schraubt. Die Liebesgeschichte beginnt gefühlt erst spät (na ja, nach dem ersten Zehntel des Buches) und hat dann – natürlich – einige Hürden zu überwinden. Es gibt die üblichen Schwierigkeiten der Protagonisten, sich ehrlich mitzuteilen, sie machen sich viele Gedanken darüber, was der andere von einem halten könnte. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit Flos Freund. Gejubelt habe ich dann beim eigentlich letzten Missverständnis. Hier hat die Autorin den Jungs die Augen geöffnet und damit für die Entwicklungen ganz einfach das richtige Tempo gewählt:

»Marc, warte. Ich glaube, das ist ein Missverständnis.«

Das wäre der Zeitpunkt gewesen für eine zusätzliche Schleife, die ich als unnötig empfunden hätte. Gut gelöst!

Marcs Zuhause, das wir ja schon kennen, fühlt sich wieder toll an. Ich mag seine Familie, auch wenn Nils inzwischen ausgezogen ist. Wir kennen auch Flos Mutter Marie bereits aus Aufgetaut. Ich müsste den ersten Roman jetzt direkt nochmal lesen, um meine Behauptung zu untermauern, dass Marie damals als gute Freundin von Henry präsenter war als in der neuen Geschichte als Flos Mutter.

Die Unterschiede zwischen den beiden Jungs hat die Autorin sehr gut herausgearbeitet. Marc, der selbstbewusste Angeber, hebt sich in Ausdruck, Temperament und Verhalten deutlich vom schüchternen, ja devoten Florian ab. Auch Paul ist bei mir richtig gut angekommen – also nicht Paul selbst, der ist ein Arsch, aber seine Charakterdarstellung. Ich mochte ihn ja von Anfang an nicht.

Mir hat außerdem gefallen, dass die Locations gut beschrieben sind. Für mich waren die Orte, Räume, Häuser und selbst die Skipisten gut greifbar. Wir kommen außerdem ein bisschen herum, verlassen Ebernau dann und wann für einen Ausflug, zum Beispiel nach Greilbergen oder München.

Und als wäre das noch nicht genug, bringt die Autorin Licht in die Familienverhältnisse. Und wie! Da wird richtig Vergangenheitsbewältigung betrieben. Hier steckt also tatsächlich eine ganze Menge drin und man spürt, dass sich auch Regina Mars in Ebernau und mit seinen Bewohnern wohlzufühlen scheint.

 

Die Wertung:


Bei der Covergestaltung hat sich die Autorin und Illustratorin für eine Variation des Vorgängerbuches entschieden. Während in Aufgetaut Nils und Henry hinter dem Sprossenfenster zu sehen sind, sehen wir hier natürlich Flo und Marc. Das ist OK für mich (hört hört, wie großzügig!).

Den Ausdruck fand ich gut. Wie schon erwähnt werden die Charaktere sehr gut herausgearbeitet. Wörtliche Rede hat wieder das größere Gewicht bekommen, unterstützt jedoch von erzählerischen Passagen. Die Mischung hat mir gut gefallen und sorgt für eine lebendige Geschichte, die dem Leser auch tiefgehende Einblicke erlaubt.

Der Roman hat mich wunderbar unterhalten. Ich habe in jeder freien Minute mitgefiebert, was den Wettbewerb anging, war neugierig darauf, wie sich die Beziehung zwischen Flo und Paul entwickelt und wie Marc dazu steht. Wie sich die Familien verhalten und die Sportkameraden. Ob Marc es zu einer Profikarriere schafft und ob die Rivalität der Mütter aufgelöst wird. Auch emotional wurde ich an vielen Stellen abgeholt. Vor allem zum Ende hin wurde die Geschichte gelöster und lustiger. Das Mit-Verlieben hat sich – wie immer – toll angefühlt. Die Tempowechsel sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam. Und das Ende war auch noch rund. Für mich sind hier keine Wünsche offen geblieben, wie sich an der Gesamtpunktzahl gut ablesen lässt.

Die nächsten Abenteuer aus Ebernau stehen bereits in den Startlöchern, soviel verrät die Website von Regina Mars bereits. Und ich freue mich auf jede einzelne davon.

 

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