BUCH: HEISSE KERAMIK

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Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Regina Mars
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self publishing
  • Seiten: 412
  • Erzählform: Er-Form
  • ISBN:  9783748172895
  • erschienen: 2019
  • gelesen: 2019
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,9 von 5

 

Worum geht’s?

„Heiße Keramik“ ist ein Roman von Regina Mars, der 2019 erschienen ist.

Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit in einem Ort namens Lummerdingen. Wenngleich der Name ausgedacht ist, hat die Szenerie in meiner Vorstellung einen süddeutschen Einschlag. Gordon ist Kunsthandwerker mit einem Spektrum von einfachem Geschirr bis zu ausgefeilten Skulpturen. Als er vor fast zwei Jahren von seinem langjährigen Lebensgefährten verlassen wurde, verlor er seine künstlerische Muse. Seither ist Gordon finanziell und emotional ziemlich am Ende.

Robin ist ein wohlhabender Nichtsnutz, der nach dem Studium in seines Vaters Firma als Sohn angestellt ist. Weil er sonst scheinbar nichts kann und nicht ausgelastet ist, vertreibt er sich die Zeit mit sexuellen Eskapaden. Aber Paparazzi und Erpresser haben es auf ihn abgesehen, die heimliche Film- und Fotoaufnahmen  gegen viel Lösegeld an seine Familie verkaufen.

Robin versucht, endlich einmal etwas richtig zu machen und beauftragt Gordon damit, eine wohlproportionierte Statue für die Galerie seiner Familie herzustellen. Aber Gordon, der ja seit geraumer Zeit nurmehr Teller und Tassen zuwerke bringt, lehnt den Auftrag unhöflich ab und setzt Robin vor die Tür. Der gibt aber nicht auf und versucht, mit List und Hartnäckigkeit zu bekommen, was er will.

Die Annäherung der beiden Protagonisten bildet den roten Faden in diesem Buch. Gordon ist hin- und hergerissen zwischen den Avancen des gutaussehenden Robin und der Hoffnung, sein Ex-Freund könnte zu ihm zurückkehren. Robin versucht derweil, sich ganz auf seine Aufgabe zu konzentrieren, um keinen weiteren Skandal zu verursachen. Während er den Künstler umwirbt, kann er sich aber dessen verführerischer Mischung aus rätselhafter Ablehnung und körperlichen Attributen nicht entziehen. In Lummerdingen kursiert bald das Gerücht, dass der arme Gordon endlich wieder jemanden gefunden hat. Die gesteigerte Aufmerksamkeit ruft Gordons Ex-Freund auf den Plan, für den er plötzlich wieder interessant geworden ist.

Und wie war‘s?

Regina-Mars-Bücher gehören zu meinen absoluten Lieblingen in der queeren Unterhaltungsliteratur. Auch wenn sich der Aufbau der Liebesgeschichten in den meisten ihrer Bücher sehr ähnelt, brenne ich leidenschaftlich für die Figuren, die ihrer Fantasie entspringen. So auch bei diesem Buch, das ich als Testleser vorab verschlingen durfte.

Der kleine Ort, in den die Autorin uns mitnimmt, ist sehr beschaulich. Zwar hat er eine Fußgängerzone, einen Wochenmarkt, ein Hotel, ein Brauhaus mit Biergarten und sogar eine Autobahnanbindung. Unser Radius ist aber nicht besonders groß, so dass ich mich als Leser gut orientieren und schnell heimisch fühlen konnte. Die Bilder, die Regina Mars erzeugt, sind eingängig (und manche, wie der Mittelstreifen der Autobahn, unvergesslich). Auffällig an diesem Buch ist der Altersunterschied der Protagonisten, Keramiker Gordon ist nämlich deutlich älter als Jungspund Robin, was beide auch immer wieder scherzhaft hervorheben. Die Chemie zwischen ihnen funktioniert gut, nachdem sie erst einmal ihre Startschwierigkeiten überwunden haben. Ein paar Probleme legt ihnen die Autorin natürlich in den Weg. Ich mag es sehr, dass sie es damit aber auch hier wieder nicht übertreibt und die Geschichte nicht künstlich in die Länge zieht. Manches aufziehendes Unheil bekommen unsere beiden Protas schnell in den Griff.

Die Nebenfiguren sind überwiegend witzige Typen. Sie haben mich beim Lesen an hochstilisierte Comic-Figuren erinnert (ein bisschen wie gallische Dorfbewohner). Überhaupt kann man in „Heiße Keramik“ ziemlich viel lachen.

Aber auch in diesem Buch gibt es wieder Figuren, die der Leser gern mit faulen Eiern bewerfen darf. Dass der Vater eines der Protagonisten ein Arschloch ist, sind wir von den Mars-Büchern ja gewohnt. Diesmal gehört dieser Fraktion auch noch der Bruder an. Und mit einem Ex-Freund und dessen Sugar-Daddy werden wir ebenfalls keine Freunde.

Die Wertung:

Da die Autorin ihre eigene Cover-Illustratorin ist, haben die Buchcover immer einen direkten Bezug zur Geschichte. Sie sind, wie ich finde, wunderschön und unverwechselbar gezeichnet. Hier gibt es wie fast immer die volle Punktzahl.

Als Testleser lege ich automatisch meinen Finger auf alle Schreibfehler der Rohfassung. Deshalb finde ich in der veröffentlichten Version natürlich keinen Anlass mehr, die Orthografiewertung zu bestrafen. Aber hier bin ich befangen, weshalb ich die Wertung wie üblich weglasse.

Für den Unterhaltungswert der Geschichte kann ich nichts, an dem ist die Autorin allein Schuld. Es gab bisher kein Buch von ihr, das mich nicht von Anfang bis Ende hervorragend unterhalten hat, und in diese Riege reiht sich „Heiße Keramik“ nahtlos ein.

Und auch die Struktur muss keinen Malus befürchten. Dafür sorgt natürlich, dass die Geschichte keine strukturellen Fallstricke hat, in denen man sich verfangen und vom Weg abkommen könnte. Strukturelle Raffinessen, die den Leser aus literarischen Untiefen retten, sind hier gar nicht erst erforderlich. Leicht verdiente 5 Punkte also in dieser Wertung.

Summa Summarum ergeben sich insgesamt 5 – oder für Nachkomma-Penetranten wie mich: 4,7 Punkte für eine empfehlenswerte, lustige und manchmal herrlich skurril anmutende Geschichte.

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