BUCH: „DIE LETZTEN TAGE DER NACHT“

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Graham Moore
  • Land: USA
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Seiten: 447 + Anhänge
  • Erzählform: Er-Form
  • erschienen: 2016
  • ISBN: 9783847906247
  • gelesen: 2017
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Last Days of Night
Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Kirsten Riesselmann


Worum geht’s?


New York, Ende des 19. Jahrhunderts. Thomas Edison hat die Glühbirne erfunden, das weiß doch jeder. George Westinghouse will sie ihm streitig machen und engagiert den frischgebackenen Anwalt Paul Cravage. Edison verklagt Westinghouse auf eine Milliarde Dollar. Erst spät beginnt sich Paul zu fragen, warum für den größten Patentrechtsstreit in der Geschichte der Vereinigten Staaten ausgerechnet ein unerfahrener, wenn auch fraglos talentierter Absolvent wie er ausgewählt wurde. Und tatsächlich sieht es so aus, als hätte er dem scheinbar skrupellosen Thomas Edison und seinen Schergen nichts entgegenzusetzen. Um Westinghouse bei der Entwicklung einer besseren, neuartigen Glühbirne zu helfen, die Edisons Patent nicht verletzt, holt Paul ein Genie namens Nikola Tesla an Bord. Tesla hat selbst mit Edison ein Hühnchen zu rupfen und stimmt deshalb grundsätzlich zu, Westinghouse zu helfen. Aber die Probleme, auf die Paul im Laufe seiner Arbeit stößt, sind vielfältig. Für jeden seiner Vorstöße scheint Edison bereits eine Abwehr parat zu haben. Als der „Stromkrieg“ zwischen den beiden Erfindern eskaliert und schließlich die pure Existenz des Westinghouse-Unternehmens bedroht ist, sind drastische Lösungen gefragt, die den integren jungen Anwalt vor moralische Herausforderungen stellen.


Und wie war’s?


Ich wünschte, ich hätte das Buch durchgängiger lesen können, denn die Geschichte verdient und verlangt, dass der Leser am Ball bleibt. Paul selbst verbringt viele schlaflose Nächte, um seinen einzigen Mandanten durch eine existenzbedrohende Krise zu führen, während ich aus Zeitgründen teils nicht mehr als ein halbes Kapitel am Stück lesen konnte. Die Zeit, in der diese Geschichte spielt, ist schon von Natur aus aufregend, immerhin wurden gerade elektrisches Licht und der heute allgegenwärtige Wechselstrom sowie das Telefon erfunden.

Der Autor erwähnt im Nachwort übrigens, dass sein Roman „ein Werk historischer Fiktion“ ist. Eine Passage aus der Realität mit echten Figuren und Geschehnissen hat er mit fiktiven Elementen verwoben, teils anders sortiert und – wie ich finde – ansprechend und anschaulich erzählt. Als Leser sind wir sehr nah bei Paul und wissen auch nur Dinge, die Paul weiß. Zu Beginn können wir die Aufregung spüren, die ihm sein Großauftrag beschert und im langen Mittelteil sind wir mit ihm frustriert, weil seine Bemühungen einfach keine Früchte tragen. Die Gesellschaft der Star-Sängerin Agnes Huntington, die Paul als Vertraute zur Seite steht, habe ich durchgängig als angenehm empfunden. Das ging Paul ganz ähnlich. Das historische Umfeld aus so berühmten Namen wie Thomas Alva Edison, Alexander Graham Bell, Nikola Tesla, Wilhelm Conrad Röntgen oder J. P. Morgan  ist fesselnd. Ich muss zugeben, dass mir der Name Westinghouse bis dahin allerdings kein Begriff gewesen ist.


Zur Bewertung:


Als ich das Buch in die Hand nahm, hatte ich ein gutes Gefühl. Der Schutzumschlag besteht aus festem, stumpfem Papier. Die Abbildung ziert eine Glühbirne, deren Glühfaden in diesem Bild die Silhouette der Freiheitsstatue hat. Das Licht wird durch silberglänzende Strahlen dargestellt. Silberglänzend ist auch der Name des Autoren. Das Buch unter dem Umschlag ist einfach dunkelblau und – vom Rücken abgesehen – unbeschriftet. Bei der Aufmachung des Buches hat man sich viel Mühe gegeben. Schlägt man es auf,  erwartet einen die Abbildung einer Szene aus der Geschichte. Jedes der 72 Kapitel wird mit einem passenden Zitat überwiegend berühmter Persönlichkeiten wie Steve Jobs, Albert Einstein oder Alexander G. Bell eingeleitet. Die Kapitel sind nicht zu lang, die Anzahl der (relevanten) Namen ist durchaus überschaubar. Der Handlung kann man die meiste Zeit über ohne Probleme folgen, auch wenn man sich rückblickend wundern darf, was Graham Moore alles in dieser Geschichte verdichtet hat. Einen Abzug bei der Strukturwertung gab es nicht.

Bei der Orthographie war ich ein bisschen nachlässig, will sagen, dass ich die Schreibfehler nicht dokumentiert habe. Mehr als vier waren es aber wohl nicht,  so dass das Buch auch hier keinen Punktabzug erleiden musste. Der Ausdruck ist nicht zu bemängeln. Der Autor verwendet keine Bandwurmsätze, mit denen man in historischen Romanen zuweilen rechnen muss. Die Sprache ist dennoch poliert. Moore beschränkt sich nicht nur auf reine Erzählung, sondern verwendet auch viel wörtliche Rede. Die Schauplätze beschreibt er gerade schillernd genug, um sich ein gutes Bild davon machen zu können, hält sich aber nicht mit Nebensächlichkeiten auf. 

Die Unterhaltung als wichtigster Träger einer Geschichte hat ebenfalls die volle Punktzahl verdient. Kein Wunder, der Autor hat bedeutende historische Begebenheiten eines Zeitraums von acht Jahren auf zwei Jahre komprimiert und mit narrativen Elementen angereichert. Zeit für Langeweile bleibt da nun wirklich nicht.

Schon als ich die ersten Seiten von DIE LETZTEN TAGE DER NACHT gelesen hatte, wusste ich: Das wird ein Anwärter auf mein Regal der Lieblingsbücher.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*