BUCH: DAS MONSTER IM 5. STOCK


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Regina Mars
  • Land: Deutschland
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: self publishing
  • Seiten: 312
  • Erzählform: Er-Form
  • ISBN: 9783741256196
  • erschienen: 2016
  • gelesen: 2018
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Ausdruck: 4 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 4,7 von 5

 

Worum geht’s?

Wastl ist ein Bayer vom Land, der in einem Münchner Verlag als Finanzbuchhalter arbeitet. Weil er noch keine Wohnung gefunden hat, campiert er heimlich im Verlag, bis er eines abends von der Reinigungsfrau aufgeschreckt wird. Sie hat Mitleid mit ihm und nimmt ihn mit in den 5. Stock, wo er auf der Couch schlafen darf, während sie für den Eigentümer putzt.

Blöd nur, dass sie ihn am Ende ihrer Schicht vergessen hat und er mitten in der Nacht auf den eigentlichen Bewohner trifft…

Und wie war‘s?

In dieser Geschichte werden verschiedene Themen verarbeitet. Wastl ist schwul, aber das für sich allein trägt zum Glück längst keine Geschichte mehr. Wesentlich bedeutsamer ist Adrian, der nach einem Autounfall entstellt und verkrüppelt ist, körperlich und seelisch. Auf diesen Menschen, der sich Dank eines Millionenerbes komplett in sich und sein Luxusapartment zurückgezogen hat, trifft Sonnenschein Wastl. Die offensichtlichen körperlichen Makel stören ihn überhaupt nicht. Er sieht durch sie hindurch auf den attraktivsten Mann, den er je gesehen hat. Und wo er versehentlich schonmal in dessen Wohnung gestrandet ist, beschließt er, sie zu besetzen. Nicht ernsthaft natürlich, aber er legt es auf eine Auseinandersetzung mit Adrian an, Hauptsache, er kann sich noch ein bisschen länger mit ihm unterhalten. Außerdem ist es ungerecht, dass Adrian so viel Platz für sich ganz alleine hat, während Wastl schon fast hundert Wohnungen besichtigt und ebenso viele Absagen erhalten hat.

Das durch und durch sonnige Gemüt des jungen und mittellosen Bayern kollidiert mit der schwermütigen Selbstkasteiung des Millionärs. Die Zwei sind wie Magnete, die sich gleichzeitig anziehen und einander abstoßen. Dadurch entsteht eine Dynamik wie in einem Sommergewitter, die einfach schön zu lesen ist. Weil man bei Regina Mars immer sicher sein kann, dass sich die Jungs am Ende in den Armen liegen, geht es auch in diesem Buch vorrangig um die Hürden und Stolpersteine, die sie sich vornehmlich selbst in den Weg werfen. Der größte Stolperstein der Jungs ist ihr Stolz. Der eine behauptet, den anderen nicht zu mögen, und der andere ist dann zu stolz, zuzugeben, dass er anders empfindet.

Eltern sind auch wieder ein Thema, dass die Autorin in diesem Buch verarbeitet. Wastls Eltern leben leider nicht mehr, während die von Adrian versuchen, ein bisschen zu sehr zu leben – und zwar von seinem Geld. Ihr Verhältnis ist mehr als nur ein bisschen verkrüppelt.

In dieser Geschichte halten wir uns fast ausschließlich in Adrians Luxus-Wohnung auf. Nur Wastl nimmt uns gelegentlich mit auf eine Wohnungsbesichtigung, eine skurriler als die andere. Man hört ja allerorten von der Wohnungsknappheit. Wenn man nicht gerade selbst eine Bleibe sucht, ist einem das wahrscheinlich gar nicht so präsent. Aber in Wastls Haut möchte ich in der Hinsicht wahrlich nicht stecken. Auf einer dieser Besichtigungen lernt er immerhin den attraktiven Yves kennen (zumindest habe ich ihn mir sehr attraktiv vorgestellt). Der hat jedoch wesentlich größere Makel als Adrian: Er ist hetero und charakterlich nicht ganz so philantropisch veranlagt wie Wastl.

Die Wertung:

Das Cover trifft die Geschichte recht gut: der blonde Sonnenschein, der sich verliebt an den entstellten Melancholisten klammert. Die Farben finde ich schön und im Hintergrund sehen wir ein bisschen was von der Stadt

Rechtschreibung und Grammatik beurteile ich nicht in Büchern, die selbst verlegt werden (und für die ich selbst Testleser war).

Die Struktur des Buches ist sehr geradlinig. Adrians Rückblenden zum Unfall gehen nicht sehr in die Tiefe. Es besteht also nicht die Gefahr, sich zwischen den Seiten zu verirren. Von Wastls Vergangenheit erfahren wir fast nichts.

Die schon erwähnte Dynamik der Protagonisten, Wastls tolpatschige und liebenswert-treudoofe Art gepaart mit der scheinbar kühlen Distanz von Adrian, machen diese Geschichte so unterhaltsam. Die Gespräche und Streitereien der beiden Jungs sind erfrischend, während uns die Kolleginnen in der Finanzbuchhaltung ziemlich auf den Sack gehen und Adrians Eltern blanke Wut in uns entfachen.

Das Monster aus dem 5. Stock hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte entwickelt sich kontinuierlich, steigert sich, hält ein paar Stolperfallen bereit, ist emotional und am Ende ist – natürlich – alles wunderbar.

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