BUCH: DAS LIED DES ACHILL

 

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages


Gut zu wissen:

Punkteverteilung:

 
  • Autor: Madeline Miller
  • Land: Griechenland
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Seiten: 380
  • Erzählform: Ich-Form
  • ISBN: 978-3-8333-0868-0
  • gelesen: 05.07.2018 – 08.07.2018
 
  • Einbandgestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 5 von 5
  • Struktur: 5 von 5
  • Gesamtwertung: 5 von 5

Titel der Originalausgabe: The Song of Achilles
Erschienen bei Bloomsbury, London
Aus dem Amerikanischen von Michael Windgassen

 

Worum geht’s?


Prinz Patroklos ist der Sohn eines einigermaßen unbedeutenden Königs. Er ist nicht sehr schnell, hat nicht viel Kraft und macht mit seinen neun Jahren auch noch nicht viel her. Sein Vater schämt sich für ihn und lässt ihn das regelmäßig spüren. Bei einer Rangelei verschuldet er den Tod eines anderen Jungen und wird verbannt. Er landet am Hof von König Peleus. Seinen Prinzenstatus hat Patroklos verloren und lebt dort als einer von vielen Waisenjungen. Die anderen Waisenjungen mögen den schwächlichen Neuankömmling nicht und buhlen um die Gunst von Prinz Achill, Peleus‘ Sohn. Jeder von ihnen will sein Waffen-Gefährte werden. Patroklos ist der blonde Prinz bereits aufgefallen. Der Junge ist von besonderer Schönheit und Anmut. Patroklos macht sich keine Illusionen, dass Achill ihn mögen oder dass er ihm überhaupt auffallen könnte. Doch gerade die Zurückhaltung Patroklos‘ scheint es zu sein, die Achills Aufmerksamkeit weckt, während sich alle anderen Jungen um ihn reißen. Er wählt ausgerechnet Patroklos zu seinem Gefährten.

Achill ist der Sohn eines Menschen und einer Göttin, also ein Halbgott. Das erklärt nicht nur seine strahlende Schönheit, sondern auch sein übermenschliches Kampfgeschick, das er regelmäßig trainiert und später bei dem Zentauren Cheiron perfektioniert. Stets dabei ist sein Gefährte. Die Verbindung zwischen den beiden Jungen ist auf eigenartige Weise besonders und tiefer als gewöhnlich. Dem Leser wird recht schnell klar, dass sie ineinander verliebt sind. Während es für andere Jungen in ihrem Alter üblich ist, sich durchaus schon mit Mädchen zu vergnügen, springt für Achill und Patroklos nicht mehr als ein zaghafter Kuss heraus. Das ändert sich in diesem modernen Buch auch erst ein paar Jahre später, als sie sechzehn werden.

Halbgott Achill soll der beste Krieger der Griechen sein. Und so ist es nicht überraschend, dass er verpflichtet wird, zu kämpfen, als es zum Krieg gegen Troja kommt …

Und wie war’s?


Dieses Buch hat mich überrascht. Seine 380 Seiten habe ich an drei Tagen verschlungen und könnte auf der Stelle wieder von vorn beginnen. Im ersten Drittel der Geschichte verbringen Achill und Patroklos eine beinahe sorglose Zeit, sie sind verliebt und genießen ihre Ausbildung. Diesen Teil habe ich sehr genossen und bin durch die Geschichte geflogen. Doch mit Ausbruch des Krieges muss Patroklos erkennen, dass Achill nicht mehr ihm allein gehört. Sein Freund ist jetzt Anführer eines ganzen Heeres. Diese Veränderung ist gravierend. Die Zeit der großen Gefühle ist vorüber, die Zweisamkeit der verliebten Jungen wird auf den nächsten 150 Seiten kaum noch thematisiert. Da die Geschichte durch Patroklos erzählt wird, hat mir Achill zunehmend gefehlt. Im letzten Drittel des Buches verliert sich Achill auf der Jagd nach Ruhm und Ehre. Hier geht alles den Bach runter. Seine Beziehung zu Patroklos leidet, er lässt die griechischen Soldaten fallen und scheint wie von Sinnen, gefangen in seinem eigenen Stolz. Nach dem etwas zähen Mittelteil flog ich erneut nach Atem ringend durch die Seiten, unaufhaltsam dem Ende entgegen. Schnell wird klar: Das kann nicht gut ausgehen. Zum Ende hin habe ich mich ein bisschen gebremst, um die Geschichte und seine Figuren nicht allzu schnell verlassen zu müssen. Das Ende ist natürlich höchstgradig tragisch – aber rund. Die Autorin versöhnt den Leser mit der Geschichte, den sie schließlich tränenüberströmt und aufgewühlt zurücklässt.

Die Wertung


Wenn das also keine gute Geschichte ist! Hier konnte ich gar nicht anders, als die volle Punktzahl zu verleihen.

Gelesen habe ich das ebook. Sein Cover unterscheidet sich von der Taschenbuchausgabe in unserem Bücherregal, das ich hier abgebildet habe, aber beide finde ich sehr schön.

Auf den 380 Seiten sind mir zwei Schreibfehler aufgefallen, was der Wertung nicht gefährlich werden konnte. Der Ausdruck war sehr angenehm zu lesen. In der Ich-Perspektive aus dem Blickwinkel von Patroklos geschrieben unterliegen wir seiner Sprachfertigkeit, die zwar geschliffen ist, aber nicht zu künstlich auf alt getrimmt. Im Gegenteil, es gelingt der Autorin, eine griechische Sagengeschichte auf moderne Weise zu erzählen. Die Sätze sind in der Regel kurz, nicht verschlungen oder zu verschnörkelt. Ein Beispiel:

„Mir war, als faltete sich die Zeit zusammen und schlösse mich in ihre Falten ein. Vor dem Fenster durchlief der Mond seine Phasen und wurde wieder voll. Ich schlief wenig und aß noch weniger. Der Kummer fesselte mich ans Bett. Was mich schließlich doch wieder aufrichtete, war allein meine Erinnerung an Cheiron. Gib das, was dir lieb ist, nicht so einfach auf.

Unterhaltsam ist die Geschichte allemal, sonst hätte ich mich gegen Ende kaum bremsen müssen. Ich habe mit den Figuren gelacht und gelitten, war verliebt und entsetzt, traurig und wütend. Das Buch hat mich berührt und wird in meinem Regal der ewigen Lieblingsbücher einen besonderen Platz erhalten.

An einer unserer Wände hängt ein Werk des Fotografen Mathieu Cesar. Es zeigt einen platinblonden Ritter in schwarzer Rüstung, der die gepanzerten Hände vor sein Gesicht hält. Patroklos stellte sich den blonden Achill schon früh vor „in schwarzer Rüstung mit bronzenen Beinschienen und dunklem Helm“. Jetzt hat der Ritter in unserem Wohnzimmer endlich einen Namen.

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