Adrian Mayfield – Versuch einer Liebe

Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Gut zu wissen:

Meine Punkteverteilung:

  • Gestaltung: 5 von 5
  • Orthographie: 5 von 5
  • Ausdruck: 5 von 5
  • Unterhaltung: 2 von 5
  • Struktur: 4 von 5
  • ø Lesevergnügen: 2 von 5
  • Gesamtwertung: 3,4 von 5

Originaltitel: Tegenspel
Originalverlag: Uitgeverij De Fontain, Baarn
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Band 1: Ich, Adrian Mayfield
Band 2: Adrian Mayfield – Versuch einer Liebe
Band 3: Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod

 

Der zweite Band der Mayfield-Trilogie hat mich über drei Monate gekostet. Während Band 1 noch mit einer Leichtigkeit daherkam, die sich gleichsam berauschend wie beflügelnd ausnahm, geht mit Band 2 ein ständiges Grollen einher, eine immerwährende Bedrohung, die einen das zu verlieren befürchten lässt, woran wir uns in Band 1 so erfreuen konnten. Der Versuch einer Liebe zwischen Adrian und seinem geliebten Vincent gerät für die handelnden Personen wie auch für den Leser zu einem Spießrutenlauf, in dem der eine sein Herz nicht öffnen und der andere sein Herz nicht verschließen mag.

In Band 1 noch eine schillernde Randfigur, gelingt es Oscar Wilde, die Geschichte wie magnetisch zu beherrschen, sobald sein Name auch nur annähernd in Reichweite gelangt. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit um seine Person wie auch später seinem Prozess kostet den im Vorgänger noch hervorragenden Augustus Trops seine Präsenz. Er verkommt zu einer Randfigur, deren grüne Nelke im Knopfloch nur noch den Kopf hängen lassen kann. Adrian daselbst ist das ganze Buch hindurch nur noch heimatlos, fühlt sich weder bei seinen alten Freunden zu hause, die seine Veränderungen argwöhnisch beobachten, noch in der Little College Street, die seinerzeit sein Dreh- und Angelpunkt gewesen war. Nicht einmal bei Vincent, dem er sein Herz geschenkt hat, kann Adrian der sein, der er ist. Zu guter Letzt mündet die Geschichte in das, was zu befürchten stand: Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Ungerechtigkeit und Ausweglosigkeit. Als Anhänger und Verfechter aller Arten von Happy Ends ist dieses ein Ende, das nicht gerade Lust auf Mehr macht. Während ich mich sprichwörtlich durch Band 2 gequält habe, ist auch Band 3 erschienen. Unter dem Titel „Auf Leben und Tod“ verspüre ich zurzeit keine große Lust, es zu lesen, wenngleich mich nach Band 2 Adrians Rachegelüste angesteckt haben und ich wissen möchte, wie er sich aus seiner ausweglos erscheinenden Lage befreien wird.

Der Stil des Buches ist – wie schon bei seinem Vorgänger – geradezu herrschaftlich. Schreibfehler sucht man hier vergebens, Rückblenden – wenn auch nur in Form von Blitzlichtern – knüpfen an frühere Ereignisse an und die Sprache selbst ist geschliffen und poliert. Handwerklich einwandfrei, hat mich lediglich die Langeweile abgestoßen, die das Hin- und Herpendeln der Geschichte durchzieht, ohne wirklich von der Stelle zu kommen. Unterhaltsam dagegen die Passagen um Oscar Wilde, der in diesem Buch allerdings auch keine gute Figur macht. Empfehlenswert? Nur bedingt.

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