Zeit

Es ist wieder Zeit für den ganz persönlichen Jahresrückblick in 1.001 Wörtern. Während ich die „2008“ langsam von der Tafel wische und mich an das Schreiben der „2009“ gewöhne, denke ich darüber nach, was das ablaufende Jahr für mich bedeutet hat.

Das Jahr begann mit viel Brimborium im Kreis unserer Freunde auf der anderen Seite der Stadt. Essen, Spiele, Feuerwerk und Wunschlaternen waren der Start in ein abwechslungsreiches und anstrengendes Jahr. Die Arbeitslosigkeit rückte näher und näher, während ich im Januar verzweifelt versuchte, eine neue Stelle zu finden. Die abgesandten Bewerbungen blieben fruchtlos, und obwohl mich die Arbeit in meiner neuen Abteilung zunehmend frustrierte, gab ich die Hoffnung nicht auf, doch noch in meiner Firma bleiben zu können. Erfreulicher war Bentes Geburtstagsparty, zu der mein Engel und ich eingeladen waren. Der Abend in Wacken war zunächst fröhlich, und nachdem wir das Angebot zum Übernachten angenommen hatten auch noch feucht. Die Abwechslung vom Alltag tat sehr gut!

Auch im Jahr 2008 lag mein Geburtstag mitten im Februar. Gemeinsam mit U., W. und natürlich meinem Engel feierte ich wieder einmal das Älterwerden. Neun Tage später wurden unsere beiden Kater kastriert. Sie bekamen nicht sehr viel davon, denn die Narkose verflog nur langsam, bei Neelix hielt sie sich so hartnäckig, dass er erst in der Nacht wieder richtig geradeaus laufen konnte. Weniger als eine Woche darauf fuhr ich mit meinem neongelben Kleinwagen nach Hamburg zur schwulen Messe. Ich musste mit der U-Bahn durch die ganze Stadt fahren, bis ich bei den Messehallen in Schnelsen ankam. Die Messe war interessant, viele Stände mit vielfältigen Themen und netten Leuten, aber zentraler hätte sie schon sein können, zumal sie nicht so groß war, dass man sich stundenlang hätte aufhalten können. Ende des Monats wurde ich beim Arbeitsamt vorstellig, weil ich mich arbeitssuchend melden musste.

Im März setzten sich die Absagen auf meine Bewerbungen weiter fort. Das Arbeitsamt bot mir laufend Stellen als Verkäufer an, und bis zuletzt gelang es mir nicht, ihnen klarzumachen, dass ich gerade nicht mehr als Verkäufer arbeiten konnte. Mein gelbes Auto wurde im selben Monat Opfer eines gemeinen Anschlags! Nach einem Kinobesuch fanden wir den Wagen mit eingeschlagener Seitenscheibe wieder. Wir fuhren mit ihm zur Polizei und klebten die Öffnung dann mit Pappe ab, ehe mein Engel ihn am nächsten Tag in die Werkstatt fuhr. Ende des Monats rissen die schlechten Nachrichten nicht ab, denn mein Freund musste das Bett hüten.

Seine Krankheit und eine wahre eine Ärzte-Odyssee zogen sich noch den ganzen April hindurch. Die Genesung hatte oberste Priorität, und so blieb nicht viel Raum für etwas anderes.

Im Mai war das Gröbste überstanden. Meinem Engel ging es langsam besser, so dass wir uns darauf konzentrieren konnten, ihn wieder aufzupäppeln. Währenddessen erhielt ich von meiner Firma einen unbefristeten Arbeitsvertrag! Ich kündigte beim Arbeitsamt und blieb fortan an Sachbearbeiter im Kreditsekretariat. Sofort begannen große Pläne, wie ich das nun sichere Gehalt am sinnvollsten ausgeben könnte, damit es nicht schlecht würde… Bald darauf stand ein neues Fahrrad im Keller und wir schmiedeten Urlaubspläne. Auch ein neues Auto musste her, denn der Neongelbe würde es nicht mehr lang machen.

Der Sommer hielt Einzug und schenkte uns viele schöne Tage, an denen die Farben strahlten. Wir zogen mit der Kamera los, um das leuchtende Gelb der blühenden Rapsfelder einzufangen. Am Monatsende machten wir uns auf den Weg nach Hamburg, wo das diesjährige Kirschblütenfest wieder mit einem gigantischen Feuerwerk aufwartete. Wir blieben über Nacht bei U. und W. und machten tags darauf in brütender Hitze einen Ausflug in die Hafencity, die momentan als Großbaustelle daherkommt. Schon im Mai war zu erkennen, dass der Stadtteil eines Tages einer der schönsten der Hansestadt werden wird.

Fußball gehört nicht gerade zu unseren Lieblingsthemen, aber im Juni begann die Europameisterschaft. Weil uns die Stimmung bei der WM vor zwei Jahren so beeindruckt hatte, ließen wir uns die Spiele der Nationalmannschaft auch in diesem Jahr nicht entgehen. Mitte des Monats fiel – begleitet von schweren Stürmen – nach wochenlanger Trockenheit der erste Regen und am Ende unterlag die deutsche Mannschaft den Spaniern im Finale mit 0:1.

Nach zwei Kinobesuchen endete im Juli Ls Schulzeit und in unserem Esszimmer wurde eine Balkontür eingebaut. Während F. und C. sich das Ja-Wort zu geben versprachen, wurden A. und J. stolze Eltern des kleinen F. Wir hingegen werden weniger stolze Besitzer eines Wespennestes, was für Krach mit dem Vermieter sorgt, weil er sich weigert, das Nest zu entfernen. Ende Juli bestellen wir uns neue Computer.

Der August verlief gemächlicher. Nachdem ich wie in den vergangenen Jahres den sonnigen CSD verpasst habe, ziehen wieder kräftige Stürme über das Land. Als der Regen vorüber ist, besuchen uns U. und W., mit denen wir einen herrlichen Tag in der Stadt verbringen.

Über Engelchens 30. Geburtstag im September verhelfe ich ihm zur Flucht vor archaischen Besenritualen, und so finden wir uns im dänischen Ferienhaus an der Nordsee wieder. Der Urlaub in aller Stille ist zwar verregnet, aber unglaublich ruhig und entspannend. Nach unserer Rückkehr ziehen wir Weihnachten vor und schenken einander eine Playstation. Als das Wetter wieder besser wird, nutzen wir die Gelegenheit zu einem Zoobesuch.

Anfang Oktober treffen nach einem heillosen Durcheinander bei der Bestellfirma endlich die im August bestellten Computer ein. D. hatte Geburtstag, aber auch er war über die Zeit im Ausland, wenngleich Indien ein Stückchen weiter weg ist als Dänemark…

Noch immer vom Troparium inspiriert kaufen wir uns im November ein kleines Aquarium. Mitte des Monats plagen mich Schmerzen im Oberkiefer, die es fertigbringen, dass ich nach vielen Jahren einen Zahnarzt aufsuche. Ich erlebe eine nahezu schmerzlose Wurzelbehandlung und bin binnen vier Wochen fünfmal in der Praxis.

Den Dezember prägte die allgegenwärtige Weihnachtsstimmung in der Marzipanstadt. Gegen Ende der ersten Monatshälfte finden die Weihnachtsfeiern statt und den Weihnachtsmarkt besuchen wir gleich mehrmals. Es ist trocken und kalt, das muss man nutzen! Die Feiertage verbringen wir bei unseren Familien, und während mein Freund die letzten Urlaubstage des Jahres genießt, muss ich zwischen den Tagen arbeiten, bis wir Silvester mit U., W. und B. bei uns zuhause feierten.

 

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