winterwonderland

Manchmal erwacht man am Sonntagmorgen, öffnet verschlafen erst ein Auge, dann das andere und stellt fest, dass man so k.o. ist, als hätte man sich die ganze Nacht im Bett gewälzt. Diesen Eindruck erweckt auch meine Bettdecke mit den orange-gelben Quadraten, die jetzt irgendwo auf halb acht liegt. Gestern Abend war es so kuschelig warm, dass ich nur die Hälfte meiner Schlafbekleidung angezogen habe und obwohl ich dementsprechend vom Nabel aufwärts unbedeckt daliege, ist mir nicht kalt. Ein Blick auf die Uhr meines Radioweckers zeigt mir, dass es kurz nach neun ist. Draußen ertönen die wohlklingenden Glocken unserer Kirche, der erste sonntägliche Gottesdienst wird eingeläutet.

Der Vormittag ist die schönste Zeit des Tages, deshalb setze ich mich auf und reibe mir müde die Augen. Ich muss noch sehr verschlafen sein, denn ein erster entfernter Blick durch die Zwischenräume meines Bambusrollos erweckt den Eindruck, als liege auf den Dächern der umliegenden Häuser kein Schnee mehr. Das ist natürlich absurd, immerhin hat es gestern Abend noch geschneit. Ich steige aus meinem Bett, meine nackten Füße patschen über den glatten Laminatboden um das Bett herum zum Fenster. Ich greife die Rolloschnur, die mal wieder kreuz und quer über den Boden hängt und lasse etwas mehr Licht herein.

Es wäre wohl sehr viel mehr Licht gewesen, wenn da draußen noch Schnee läge. Aber was ich sehe ist wintergrüner Rasen, der nur hier und da noch mit ein paar weißen Flecken beschmutzt ist sowie graubraune Baumgerippe, die sich obskur in den blassgrauen Morgenhimmel strecken. Plötzlich sieht alles nicht mehr so aufgeräumt aus. Das strahlende winterwonderland ist dem faden Sonntagsgrau gewichen.

Von dem nahegelegenen Gewässer, das nun sicher nicht mehr befroren ist, steuert ein Stockentenpaar hektisch auf mein Fenster zu, dreht rechtzeitig nach links ab und verschwindet hinter dem Gebäude in nördlicher Richtung. Ein Blick auf mein Thermometer vor dem Fenster, es zeigt sieben Grad. Ist das der Frühling? Wahrscheinlich nicht. Ich brühe mir zwei Tassen Kaffee auf, röste die letzten Scheiben Weißbrot im Toaster und sorge mit Jazzmusik für einen adäquaten Rahmen für mein Sonntagsfrühstück.

Guten Morgen.

 

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