Wer sind wir?

Seit zwei Tagen verbringe ich jede freie Minute in diesen verflixten Tagebüchern. Ich sehe nach, ob jemand einen Kommentar zu meinen Einträgen dagelassen hat, freue mich, wenn die Zahl meiner Favoriten steigt und blättere durch dieses und jenes fremde Tagebuch. An dem einen oder anderen bleibe ich hängen, um es intensiver zu lesen, ja ich gebe zu, eines hat mich sogar ganz besonders gefesselt.

Ich lasse zu, dass mich diese Tagebücher so vereinnahmen, dass ich alles um mich herum zu vergessen scheine.

Hin und wieder hinterlasse ich selbst einen Kommentar zu fremden Einträgen, ich maße mir sogar manchmal an, Ratschläge zu erteilen. Wer bin ich, dass ich dieses Recht habe? Ich kenne doch niemanden hier, geschweige denn, dass ich weiß, welchen Einfluss mein Ratschlag auf diese Person haben wird…

Durch das viele Lesen habe ich schnell festgestellt, dass hier die innersten Gedanken und Gefühle niedergeschrieben werden. Intime Dinge, bei denen diese Gemeinschaft dabei helfen soll, sie zu verstehen und zu verarbeiten. Wenn ich mit etwas nicht umgehen kann, dann schreibe ich es auf und sehe, wie andere damit umgehen. In der Auflistung aktueller Texte lese ich gerade Headlines wie „Fehler“, „Schön sein“, „Gefühle“ oder „Große Angst“. Es ist wie eine große Gesprächsrunde, an der jeder teilnehmen und seinen Senf dazugeben kann. Das ist doch nicht schlecht oder? Manche zahlen viel Geld für ihren Frisör.

Ich werde auch weiterhin hier meine Gefühle, Ängste, glückliche und unglücke Erlebnisse aufschreiben. Und wenn ich’s recht betrachte, habe ich es grad schon wieder getan – so wie alle anderen. Willkommen in der Gemeinschaft.

 

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