Weltreise

:: 09:00
die sonne lacht erneut in mein schlafzimmer und macht das aufstehen auch an diesem sonntagmorgen zu einem angenehmen erlebnis. kräftig recken und strecken, strampelnd die bettdecke beiseite schieben und aus dem bett springen, dabei fast auf allen vieren landen, weil mein kreislauf anscheinend nicht ganz so schnell ist wie ich. der samstag hat mir so gut gefallen, dass ich in gedanken die fürs und widers eines erneuten ausfluges nach hamburg durchspiele, doch allen widers zum trotz beschließe ich es zu tun. in den u-bahnstationen hatte ich plakate zur ausstellung der „welt des tibetischen buddhismus“ entdeckt, und weil mich das thema sehr interessiert war dies eines meiner wichtigsten ziele des tages.

:: 09:30
ungewöhnlich schnell habe ich alle morgenaktivitäten erledigt und sitze in meinem sonnengelben auto. die erste etappe endet an der tankstelle. kurz vollgetankt und auf geht’s! herrlicher sonnenschein, im radio drehe ich ‚greendays’ ‚boulevard of broken dreams’ lauter und habe freie fahrt auf der autobahn, immer geradeaus…

:: 10:20
wie schon gestern um diese zeit erreiche ich den tierpark, und wie gestern um diese zeit ist hier der bär los. einen unterschied zu samstag gibt es jedoch: ich bekomme hier zum ersten mal keinen parkplatz. ich muss erst den halben zoo umfahren, bis ich eine winzige parklücke finde, die sonst niemand haben will, und meinen wagen hineinquetsche. weil ich nun ziemlich weit von der mir so gut bekannten u-bahnstation entfernt bin, frage ich die nächstbesten leute, die in ihrem vorgarten blumen pflanzen, wo die nächste station ist. ‚sind sie zu fuß??’ fragt der mann und erklärt mir den weg, den ich ja bereits kenne… an der nächsten bushaltestelle schaue ich auf den plan und freue mich, dass der nächste bus nicht nur in zwei minuten fährt, sondern dass der mich auch noch dorthin bringt, wo ich sonst mit der u-bahn hingefahren wäre. und so sehe ich von der gegend zum ersten mal wesentlich mehr als nur den untergrund. in einer straße wimmelt es nur so von hübschen jungs und ich schreibe mir einfach mal den straßennamen auf – nur so für alle fälle. ich fahre durch große und kleine straßen, vorbei an historischen gebäuden und solchen, die’s noch werden wollen. und all das unter strahlendem sonnenschein.

:: 10:50
insgesamt eine halbe stunde später laufe ich eine ziemlich große straße entlang, halte immer auf den von überall sichtbaren fernsehturm zu und finde mich um kurz nach elf mitten in der öffentlichen gartenanlage wieder, die sich ‚planten un blomen’ nennt. stein-, rosen-, englische und japanische gärten wirken zu dieser jahres- und tageszeit erfrischend jungfräulich. kinder hüpfen über steinplatten, die in einem flachen wasserbecken liegen, an dessen ende sie mit einem letzten sprung von ihren eltern wieder aufgefangen werden. die vielen knospenbehangenen bäume wirken noch seltsam bizarr, ganz ohne laub, vor dem blauen himmel und vor dem immer im hintergrund leuchtenden weißen fernsehturm.

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die sonne erwärmt die umgebende luft inzwischen spürbar und die grünen wiesen laden zu einem gemütlichen picknick unter freunden ein.

:: 12:05
das feelgood in hamburg ist ein nettes kleines café, bei schwulen sehr beliebt und sonntags ideal zum brunchen. für 8 euro 50 kann man sich an kaltem und warmem buffet bedienen.
in gesellschaft des jungen neuseeländers eli, der gerade auf städtereise durch europa ist, geniesse ich ein anregendes und interessantes sonntagsbrunch. viel zeit habe ich leider nicht mehr, denn zur eröffnung der schon benannten ausstellung muss ich um …

:: 13:00
… beim völkerkundemuseum in der rothenbaumchaussee sein, was ich auch gerade so schaffe. etwas abgehetzt erreiche ich eine gruppe von leuten, die alle die steinstufen zum museum hochsteigen. viele von ihnen haben eine einladung in der hand, sind bestimmt von einem buddhistischen zentrum hier in hamburg, während ich noch nicht einmal den eintrittspreis kenne. plötzlich stehe ich selbst mitten drin und hinter mir wird die tür geschlossen, als auch schon der museumsdirektor die eröffnungsrede hält. er macht das gut, erklärt, wozu die ausstellung da ist, wie lange wie viele leute an der umsetzung gearbeitet haben und was man sich dabei gedacht hat, woher die exponate kommen und so weiter. ein buddhistischer mönch erzählt noch ein bissel was und als eine frau doktor sonstwie mit ihrer vier-seiten-rede fertig ist, gibt es applaus… weil es nach einer stunde endlich losgeht. die türen zu den ausstellungsräumen werden geöffnet und als sich die menge etwas lichtet, entdecke ich auch die kasse. in diesem moment vibriert mein handy in der hosentasche und mit einer sehr guten freundin mache ich eine uhrzeit für ein treffen am abend aus. dann löse ich brav mein ticket und gehe in die ausstellung. ich hätte doch mein stativ für die kamera mitnehmen sollen, denn dort drinnen war es so schwach beleuchtet, dass wegen der langen belichtungszeit die meisten photos aus dem handgelenk alles andere als scharf geworden sind.

in der verwinkelten ausstellung halte ich mich eine stunde auf, ehe es mich wieder ans tageslicht zieht. ich setze mich auf die sonnenbeschienenen steinstufen vor dem museum und krame meine getränkeflasche aus meiner tasche. aaaah, das ist erfrischend!

:: 15:00
es ist warm, fast 20 grad im schatten. mein buch über buddhismus im gepäck, das ich mir von zu hause mitgenommen habe, schlendere ich durch die stadt, fahre mit der u-bahn eine station und steige wieder aus. es zieht mich wie schon gestern an die alster. heute bin ich anscheinend an einem anderen ufer unterwegs, denn der blick über das wasser unterscheidet sich von dem gestrigen. ich laufe eine ganze weile am wasser entlang und bin dabei nie allein. die promenade ist voll von menschen, von denen mindestens die hälfte ein eis in der hand hält und die andere hälfte an mir vorbeijoggt. ich entdecke die amerikanische botschaft und suche mir alsdann ein stilles plätzchen, wo ich mich setzen, meine füße ausruhen und ein wenig in meinem buch blättern kann. am fuße eines baumes lasse ich mich nieder und nur zwei ungeniert poppende bläßhühner lenken mich noch etwas ab…

:: 16:00

um das vorhin ausgemachte treffen am abend rechtzeitig einzuhalten entlaste ich meinen hintern eine stunde später von dem auf dauer unbequemen sitzplatz auf der baumwurzel, packe das buch zurück in meine tasche und mache mich auf die suche nach der nächsten u-bahnstation. wiederum laufe ich ein ganzes stück um die alster herum, halte die linse meiner kamera mal in diese mal in jene richtung und steige bald tief in den untergrund hinab, wo mich die nächste bahn zurück zum tierpark bringt. diesmal fährt mich kein bus zu meinem auto, aber auf die paar kilometer fußmarsch kommt es auch nicht mehr an.

:: 17:00
brav wartet mein kleines auto in der selben parklücke auf mich, in der ich es stunden zuvor vertrauensvoll zurückgelassen hatte. ich lasse mich in den bequemen autositz fallen, manövriere mich zurück auf die straße und komme eine knappe stunde später zu hause an.

:: 18:00
eigentlich wollte ich mich etwas frisch machen, stattdessen lande ich schnurstracks wieder im internet. und was nur ein kurzer blick werden sollte entwickelt sich schnell zu einem chat mit einem lieben freund aus berlin und zwei anderen junx, die ich erst kurz zuvor kennengelernt hatte. am ende drängt natürlich die zeit wieder, so dass ich mich beeilen muss, um pünktlich zu sein. ich beschließe den wagen stehenzulassen, ganz nach dem grundsatz ‚don’t drink and drive’, und im vergleich zu meinem tageslaufpensum ist es diesmal nur ein katzensprung und ich komme pünktlich um 19:00 uhr bei meinen freunden an. der abend ist wirklich schön, wir essen gemeinsam, plaudern und vergnügen uns mit einer modernen version von ‚trivial pursuit’. stünde nicht der arbeitsreiche montag vor der tür, wäre um mitternacht sicher noch nicht schluss gewesen mit einem wirklich tollen wochenende.

 

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