Was kann aus einem Montag werden?

… der sechs Minuten vor dem Wecker beginnt?

Kennt Ihr das? Ich liege im Bett, völlig entspannt, die Decke auf halber Höhe irgendwo zwischen Bauchnabel und Herzgegend. Es ist stockfinster und wenn ich die Augen öffne wird es auch nicht besser. Ein verrückter Traum liegt hinter mir, und während ich noch versuche mich an die Details zu erinnern verschwindet jede winzig kleine Erinnerung daran. Ich spüre meine eigene Körperwärme, als ich meinen Kopf langsam nach rechts drehe, um einen hoffnungsvollen Blick auf die vier feuerroten Zahlen meines Radioweckers zu werfen. Während der langen Zeit, bis meine Augen ihr Ziel erreicht haben, frage ich mich, wie spät es wohl sein mag, wie oft ich mich noch umdrehen und wie lange ich wohl noch schlafen darf, ehe mein Lieblingssender, den ich sowieso nicht sauber reinkriege, mich daran erinnert, dass Montagmorgen ist. Mein Blick ruht nun auf dem Licht der Flammen, das sich seinen Weg über die Netzhaut bahnt, die Nerven entlang kriecht, scheinbar quer durch meinen Kopf mit einem Umweg über die Fußspitzen und schließlich da ankommt, wo es den Reflex auslöst, die Augen entsetzt wieder zu schließen. Warum hab ich Idiot nur hingesehen?!! Als hätte ich eine Chance gehe ich in Gedanken meine Optionen durch. a) ich könnte so tun, als wär ich gar nicht aufgewacht und einfach wieder einschlafen; b) ich könnte mich in die Senkrechte begeben, die Decke mürrisch von mir stoßen und meine nackten Füße auf den kalten Laminatboden setzen; oder c) ich bleibe liegen und warte in vollem Bewußtsein auf den Anschiss meines Weckers, der mir sagt, dass ich genauso gut einfach vor sechs Minuten hätte aufstehen können. Ich steh total drauf, wenn der Tag mit schwierigen Entscheidungen beginnt!

Auf dem Weg zur Dusche begrüße ich maulig meinen zotteligen Mitbewohner im Spiegel, drehe das Wasser auf und frage mich, was ich wohl am gescheihtesten mit den gewonnenen sechs Minuten anfange. Als das lauwarme Nass meine Haut herunterrinnt schließe ich die Augen, freue mich diebisch auf die erste Tasse frisch gebrühten Kaffee des Tages, knusprigen Toast und einen kräftigen Klecks Marmelade.

Als ich die Augen wieder öffne, stelle ich fest, dass man unter der Dusche problemlos sechs Minuten mit dem Gedanken an Frühstück verbringen kann.

Was dann folgt ist die Rasur – alle Tage wieder. Ich liebe das penetrante Brummen meines Braun Syncro. Die Versuche, mein Haar zu bändigen und zu stylen lassen vermuten, dass ich meine Zeit eher als Zauberlehrling denn als Banker verbringe, aber dem ist nicht so.

Noch eine Station, bevor das Frühstück beginnen kann. Ich schlüpfe in meinen Anzug *schlüpfe – kleiner Scherz!*, öffne das Fenster, lasse die Rolloschnur achtlos zu Boden fallen, klemme ein Buch in den Fensterrahmen, das ich sowieso nicht mehr lesen werde und dann, dann betrete ich die Küche. Ich knipse das Licht der Dunstabzugshaube an, drücke den Knopf meiner Kaffeemaschine und werfe zwei Scheiben Toast in meinen Toaster. Messer, Brettchen, Butter, Marmelade und Milch auf den Tisch, noch zehn Minuten Zeit. Die Maschine gurgelt voller Vorfreude den Kaffee in meine durchsichtige Tasse und sofort duftet es in der ganzen Küche. Gibt es was schöneres? PLOPP macht der Toaster, ich hole die Kaffeetasse dazu und schütte Milch hinein. PLOPP sagt auch die klumpige Milch und ich habe nur noch fünf Minuten.

Draußen sind es 13 Grad. Das ist zwar selten um diese Jahreszeit, aber nicht bedenklich hat mir die Frau aus dem Radio gesagt. Weil es nämlich so furchtbar gestürmt hat in den letzten Tagen, hatte die Luft keine Zeit sich abzukühlen, ehe sie hier ankam. Das ist so als würde ich mir eine neue Tasse Kaffee aufbrühen und sie auf dem Weg zur Arbeit trinken. Wenn ich ganz schnell laufe, ist der Kaffee noch warm, wenn ich ankomme.

Ich habe morgens keine Lust schnell zu laufen und habe deshalb keinen Kaffee mehr gemacht. Als ich auf der Arbeit durch die Tür komme und acht Leute sehe, wo auch vier gereicht hätten, überlege ich einfach wieder zu gehen, ehe wir uns heute gegenseitig auf die Füße treten. Beim Gedanken an mein Überstundenkonto, das verdammte Ähnlichkeit mit meinem Kontoauszug zum Monatsende hat, beschließe ich jedoch zu bleiben.

Mir ist, als hätt ich mich grad noch über das sonnige Wetter geärgert, dass uns den Montag versauen will, während es das ganze Wochenende […] geregnet hat. Doch schon sind neun Stunden verflogen und ich werde endlich mein kleines graues Auto in die Waschstraße fahren, damit es wieder neongelb wird wie früher. Als ich mich ans Lenkrad setze bin ich versucht hineinzubeißen. Auf der Windschutzscheibe zeichnen sich kleine runde Wassertropfen ab, die sich schnell vermehren, und ehe ich den Motor anlasse prasselt ein schöner, warmer Landregen auf mich nieder.

Ich drehe den Zündschlüssel, lasse die Waschstraße ungenutzt hinter mir und fahre nach Hause.

Was kann aus einem Montag werden, der sechs Minuten vor dem Wecker beginnt!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*