War was?

Wenn ich morgens verschlafen die Schlummertaste an meinem Wecker drücke, sich die Kater auf ihren blütenförmigen Kissen räkeln und mein Engel schon längst bei der Arbeit ist, gießt sich spärliches Tageslicht langsam wie Milch im Morgenkaffee durch die Holzjalousie in mein Schlafzimmer. Grauer Winter lauert dahinter und reizt mich überhaupt nicht, meine Bettdecke von mir zu schubsen und in die Dusche zu steigen, die sich zur Zeit nicht zwischen heiß und eiskalt entscheiden kann.

Wenn die Dusche erst einmal ihre Wirkung entfaltet und meine Lebensgeister geweckt hat, fühlt sich der junge Morgen schon etwas besser an. Grau ist es draußen aber nach wie vor. Weißgraue Nebelschwaden bedecken die große Wiese hinter dem Haus auf der anderen Straßenseite und verbergen den größten Teil der winterlichen Farblosigkeit.

Wenn ich wenig später vor die Tür trete, eingemummelt in mehrere Kleiderschichten, um dem beißenden Wind und dem gefrorenen Boden zu trotzen, zerre ich mein weißes Fahrrad aus dem Keller und mache mich auf den Weg in die Innenstadt zur Arbeit. Es riecht nach Schnee, aber die Wolken geben noch nichts her. So eine Fahrt, vorbei am Stadtpark, am früheren Pestfriedhof und durch vorweihnachtlich erleuchtete Straßen, dauert in der Regel nicht länger als zehn frostige Minuten.

Im Büro ist es schon mollig warm, es riecht nach Heizung und wie jeden Tag bin ich der Nachzügler. Ich schäle mich aus all den Klamotten, um die warme Raumluft zu begrüßen. Es dauert nicht lange, bis mein Arbeitsplatz eingerichtet ist und ich in einen mehr oder minder organisierten Vormittag starte. In meiner Mittagspause surfe ich durch das Internet und lese die neuesten Nachrichten aus der Gegend. Das Umland scheint im Schnee zu versinken, innerhalb von zwei Tagen sind offenbar anderthalb Meter Schnee gefallen und sorgen für gesperrte Autobahnen, Einsätze des THW und geschlossene Schulen. Ich trete ans Fenster und blicke hinaus auf die Hauptverkehrsstraße unserer Innenstadt: Busse, Autos, Lastwagen, Fußgänger… Aber ich sehe nicht eine einzige Schneeflocke.

Als ich abends mein Fahrrad in den kalten Keller schiebe und die Treppen zur Wohnung hinaufsteige, begegne ich meinem Nachbarn, dem Lehrer, im Treppenhaus. Mit einem diebischen Grinsen bindet er mir auf die Nase, dass er heute und morgen schneefrei hat. Hab ich erwähnt, dass ich bald wieder Urlaub habe?

 

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