Vor drei Monaten

:: an einem Samstag

Mit meiner linken Hand schiebe ich die Zweige beiseite, die mir im Weg hängen. Ich klettere durch das Dickicht, rechts von mir der Wald mit Bäumen, dicht an dicht und undurchdringlich, links von mir die Klippen, die mit jedem meiner Schritte dem Himmel näher zu kommen scheinen. Der Boden ist weich und nur dumpf hallen meine hastigen Schritte von ihm wider. Gerade klettere ich über einen umgestürzten Baum als ich einen Moment innehalte um einen schnellen Blick nach vorn zu werfen. Da geht er voran und mein Herz macht einen großen Schritt, so groß, dass meine Lippen ein Lächeln formen.

Vor gerade mal 30 Minuten war ich aus meinem neongelben Kleinwagen gestiegen, zitternd aber nicht frierend, taumelnd aber nicht schwindlig, zögernd aber nicht ängstlich. Da standen wir und grinsten uns an.

Ich kann die Sonne nicht sehen, die irgendwo hinter dem dichten Wald am Himmel steht und funkelnde Diamanten auf der Wasseroberfläche verteilt. Ich sitze am Rand der Klippen und lasse meine Füße herunterbaumeln. Den Anblick dieser Bucht an diesem Spätsommertag werde ich immer in Erinnerung behalten. Fast habe ich das Gefühl, die ganze Welt würde sich um den kleinen Flecken Erde drehen, auf dem wir hier sitzen. Ich bin glücklich.

Diamanten funkeln auch am schwarzen Nachthimmel, der die weiße Gischt des aufgewühlten Meeres verdunkelt. Gegen den Wind stapfen wir durch den weichen Sand in der klaren Nacht und nur wenig später sitzen wir hinter unserer eigenen Burg, die das Meer und den Wind und die Dunkelheit fernhält. Über mir sehe ich Milliarden Sterne, vor mir sehe ich den Leuchtturm, der sein Licht Nacht für Nacht in die Dunkelheit schickt, um mich herum spüre ich Wärme und Geborgenheit und in meinem Herzen spüre ich das Glück der ganzen Welt.

An einem Samstag vor drei Monaten.

 

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