Urbi@Orbi

Ostersonntag. Mein Freund hat frei – ich ja sowieso. Nachdem ich den gestrigen Nachmittag in unserem Garten verbracht habe, um dem frühblühenden Unkraut zu Leibe zu rücken, belohnte ich uns heute mit einem Ausflug. Mein kürzlicher Abstecher in das Jahr 2005 inspirierte mich zu einer dringenden Wiederholung, weil mich die kleinen und an sich unbedeutenden Ereignisse damals sehr glücklich gemacht haben. Diesmal musste ich nicht allein gehen, sondern hatte meinen Engel bei mir. Das Wetter war vollständig auf unserer Seite, denn wie in den Tagen zuvor hatte die Sonne großen Spaß am blauen Himmel.

Euphorisch schob ich meinen muskelkatergeplagten Hintern heute früh um wenige Sekunden nach neun Uhr aus meinem unbequemen Bett. Grinsend stellte ich fest, dass hinter den weißen Stoffrollos die Sonne lachte, strich einem der beiden Kater sanft über den Kopf und patschte mit nackten Füßen ins Bad. Wie schön: auch auf der anderen Seite unserer Wohnung nichts als blauer Himmel!

Ich war mit der Rasur noch nicht fertig, als mein Engel in der Badezimmertür erschien. Mit kleinen Augen sah er mich ungläubig an – jaaa, ich bin tatsächlich einmal vor ihm dem Bett entkommen. Nach einem einfachen Frühstück mit immerhin selbst gebackenem Brot (von Hand, weil ein Knethaken des Automaten spurlos verschwunden ist) packten wir gegen elf Uhr die rot-schwarz-karierte Picknickdecke in den großen Rucksack und fuhren mit unserem blauen Peugeot über die sonnige Autobahn. Mit ein ganz klein wenig Genugtuung registrierte ich die Blechlawine, die sich auf der Gegenfahrbahn mühsam in Richtung Ostseestrand schob.

Bald darauf hatten wir selbst die U-Bahn hinter uns gebracht und liefen auf die Alster zu. Während die Alsterschwäne futtersuchend ihre Runden drehten, suchte ich wie gewohnt nach Motiven für mein Tagebuch.

Uneins über die nächste Etappe unseres Ausflugs liefen wir ein paar Minuten am Jungfernstieg hin und her, ehe wir uns auf den Weg in Richtung Hafencity machten. Ich war gespannt, wie sehr sich das Bild seit unserem letzten Besuch im vergangenen Jahr verändert hatte. Mein Freund bestand darauf, zu Fuß zu gehen, anstatt einfach mit der U-Bahn zu fahren, deshalb überließ ich es ihm, den schweren Rucksack zu schleppen. Selbst Schuld. Schon bald taten mir (und ihm) die Füße weh.

Immerhin lohnte sich der Trip, denn die Hafencity ist nach wie vor wunderschön. Wenngleich die Bauarbeiten in den Wintermonaten nicht so wahnsinnig weit vorangeschritten zu sein schienen, gab es zahlreiche neue Details zu entdecken. Die steinernen Muster an den Wänden, die neuen Stockwerke am Marco-Polo-Tower oder die neuen Restaurants und Cafés an der Promenade. Wie schon im vergangenen Jahr steuerten wir die Magellan-Terrassen an, wo wir uns zum ersten Mal von der kräftigen Sonne erholen mussten. Die vielen Gebäude, die die Promenade säumen, sind bereits bezogen und die Bewohner genossen Sonne und Seeblick von ihren Balkonen aus, während Besucher weiter unten ein kühles Eis schleckten.

Später, auf dem Weg zur U-Bahn, liefen wir quer durch die Speicherstadt und über die Fleete. Unter uns schipperten die Ausflugsboote, neben uns tourten die Rundfahrtbusse. Unser nächstes Ziel waren die Landungsbrücken. Dazu fuhren wir mit der Bahn eine Station weiter, nur um kurz auszusteigen und ein Photo zu schießen, das mich an meinen Ausflug vier Jahre zuvor erinnert. So hielten wir uns dort auch nicht lang auf, sondern fuhren weiter. Am Hauptbahnhof stiegen dann so viele Leute in die ohnehin schon überfüllte U-Bahn, dass wir beschlossen, auszusteigen. Und weil wir schon mal hier waren, suchten wir nach Burger King, um den aufkommenden Hunger zu stillen. Wir mussten die ganze Wandelhalle durchqueren und erreichten einen King-to-go auf der anderen Seite. Wir ließen uns die Leckereien in eine Papiertüte packen und machten uns auf den Weg nach Planten un Blomen, um das Abendessen auf unserer Picknickdecke genießen zu können. Eine Viertelstunde später stiegen wir am Stephansplatz aus, betraten die Parkanlage und breiteten die karierte Decke auf der ersten Rasenfläche aus, der wir begegneten. Das Essen war zum Glück noch nicht ganz kalt geworden… Nach der kleinen Mahlzeit schlenderten wir durch die frühblühenden Gärten bis ans steile Ufer des großen Teiches, an dem wir uns entspannt in unseren Romanen vertieften.

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