Unruhe

Ein betrübtes Gesicht sitzt heute vor meinem Rechner. Der Tag ist noch jung, aber mein Treffen mit Gerd ist schon wieder vorbei. Kurz war es, sehr kurz. Schon jetzt verblasst der Stempel auf meiner linken Hand, der meine Eintrittskarte für die Party gestern Abend war. Es war schon halb acht abends, als ich bei meinem Schatz ankam. Den ganzen Samstag war er unterwegs gewesen und als es draußen dunkel war wie mitten in der Nacht, fuhr ich endlich die 110 km zu ihm.

Nur einen Tag zuvor erfuhren wir beide, dass er ab heute Vormittag für sieben Tage auf Geschäftsreise nach Paris muss. Ab heute Vormittag heißt, dass wir gerade noch zusammen frühstücken konnten und dann war’s schon wieder vorbei. Sieben Tage heißt, dass wir uns am nächsten Wochenende wohl nicht sehen werden. Und Paris – und das ist das Schlimmste daran – ist grad nicht der Ort, an dem ich meinen Schatz mit ruhigem Gewissen sehen möchte. Der Gedanke daran ließ mich schon von Freitag auf Samstag nicht einschlafen und macht mich ziemlich nervös.

Am liebsten würde ich genau jetzt alles in Gang bringen, was meinen Umzug in seine Nähe erfordert. Bewerbungen schreiben, Vorstellungsrunden beginnen, Wohnung suchen und alles, was damit zusammen hängt. Aber das alles erscheint mir so viel und so gravierend. Ich werde erst einmal abwarten, was diese Herzgeschichte ergibt. Wenn sich herausstellt, dass alles in Ordnung ist, dann kann ich loslegen.

Jetzt hoffe ich nur, dass mein Engel heil in Paris landet und die sieben Tage angesichts der Unruhen, die inzwischen auch das Zentrum der französischen Hauptstadt ergriffen haben, unbeschadet übersteht.

Ich bin nervös.

:: 14:44 Uhr
Gut gelandet ist er jetzt schon mal!

:: 18:55 Uhr
Im Hotel ist er auch gut angekommen. Sieht alles ganz friedlich aus, schreibt er.

Ich bin trotzdem total beunruhigt.

 

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