Überwindungen

Lesen ist schon toll, wenn man sich überwindet. Noch vor meinem Umzug hat mir eine liebe Freundin einen Stapel Bücher geliehen (danke Jessi), die zu lesen ich bisher keine rechte Lust hatte. Aber vorhin, als dunkle Wolken die Sonne verschluckten und Regen auf mein offenes Fenster im Schlafzimmer prasselte, legte ich mich auf mein Bett mit dem sommergelben Bezug, rückte die zwei Kopfkissen zurecht und schlug die erste Seite auf. „Oskar und die Dame in Rosa“ steht auf dem Einband und Eric-Immanuel Schmitt hat es geschrieben. Wovon es handelt, möchte ich nicht verraten, denn es wirkt bestimmt am besten, wenn man ahnungslos an das Buch herangeht. Ich bin zwar leicht hinzureißen, aber nur ausgewählte Bücher schaffen es, mich in Tränen aufzulösen. „Oskar und die Dame in Rosa“ ist sehr einfach geschrieben und die 105 Seiten lassen sich bequem in kürzester Zeit durchlesen.

Lesender Lacarian

Es gewittert, heute am ersten August. Das Wetter scheint verärgert, dass mein Schatz heute, genau drei Monate nach dem ersten Kuss, arbeiten muss. Als ich mittags Feierabend hatte und zu Hause ankam fand ich eine handgeschriebene Notiz. Er war bereits auf dem Weg zur Arbeit. Ich sprang aus den Arbeitsklamotten, schlüpfte in etwas Bequemeres und brauste mit meinem etwas zu groß geratenen Bike hinterher. Erst am Ende der Strecke, als ich mich schon fast wieder auf den Weg zurück machen wollte, traf ich ihn. Das war ein schöner Moment, wie er um die Ecke bog und mich entdeckte. Er ließ sich nicht anmerken, dass er bestimmt ziemlich überrascht war mich zu sehen. Ich begleitete ihn die übrig gebliebenen Meter zur Arbeit. Ein paar Minuten blieben uns noch. Wir setzten uns auf eine Holzbank, teilten eine Flasche Wasser und brummelten darüber, dass wir gleich schon wieder getrennt würden.

Danach saß ich über eine Stunde beim Frisör. So als männlicher Bankangestellter habe ich nicht sonderlich viel Spielraum bei der Gestaltung meines spärlicher werdenden Haupthaares, lediglich Länge und ein wenig hell und dunkel liegen im Repertoire. Dennoch dauerte es eine halbe – ach was sag ich – eine ganze Ewigkeit bis das Werk vollbracht war. Und der Preis war riesig! Eigentlich kann ich jetzt dreieinhalb Monate nicht mehr zum Haareschneiden gehen! Es kostet so schon jedesmal Überwindung, aber irgendwann kann ich mit den Zotteln einfach nichts mehr anfangen. Gel soll sie in Form bringen, stattdessen stehen sie in alle möglichen Richtungen und wenn ich noch mehr Gel nehme kann ich auch gleich italienische Arien schmettern. Also war es heute wieder soweit. Ich bin auch ganz zufrieden – zumindest bis zur Gel-Feuertaufe morgen früh…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*