Traummänner

Am Mittwochmorgen lächelt die Frühlingssonne durch die Holzjalousie in mein Schlafzimmer und kitzelt mich aufmunternd in der Nase. Als ich die Augen aufschlage, sitzen grinsend zwei Kater neben meinem Bett und warten mit wachen Augen und aufgestellten Ohren auf mich (oder auf ihr Frühstück). Ich habe immer noch Urlaub, während mein Engel längst wieder in den Arbeitsalltag geschlüpft ist.

Es ist kurz nach neun am Vormittag, als ich mir die vergangene Nacht von der winterblassen Haut dusche und mit dem Pläneschmieden für den Tag beginne. Immer noch muss der Keller dringend entrümpelt werden, damit wieder ein bisschen Platz ist für die Dinge, die wirklich eingelagert werden sollen.

:: Stromspartag
Das bietet sich heute sogar an, denn wir haben mal wieder einen Stromspartag, an dem die Unterhaltungselektronik und jeder unnötige Stromverbrauch abgeschaltet bleiben. Im Urlaub macht das ganz schön was aus, denn an freien Tagen merkt man erst richtig, wie abhängig man zum Beispiel von Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik geworden ist. Mir tut das mal ganz gut, das fördert die eigene Aktivität.

Nach einem kleinen Frühstück und verschiedenen Haushaltsaufgaben wie Geschirrspülen oder Wäschewaschen (da spielt es in Sachen Stromverbrauch schließlich keine Rolle, ob heute oder morgen) wollte ich munter in den Keller und mich frisch ans Werk machen, als ich feststelle, dass meine Nachbarin Nachtdienst hatte und jetzt ihren Schlaf nachholt. Also beschließe ich – wie ärgerlich – den Keller heute nicht aufzuräumen, weil das sicher einigen Krach gemacht hätte, und stattdessen eine Photoausstellung in Hamburg zu besuchen.

:: Photoausstellung „Traummänner“
Da mein Freund in Hamburg arbeitet, bietet es sich an, ihn am Abend gleich mit nach Hause zu nehmen. Und weil man sich nicht so wahnsinnig lange in einer Photoausstellung aufhält (zumindest ist das bei mir so), überbrücke ich die Zeit bis zum Aufbruch mit meiner aktuellen Lektüre.

Um viertel nach drei fahre ich dann – munter (und schief) vor mich hin singend – über die Autobahn in die benachbarte Hansestadt. Mein Navigationssystem leitet mich zielsicher zu den Deichtorhallen. Vor sechs Jahren war ich schon einmal hier zu einer Photoausstellung, damals des Photographen Martin Munkacsi. Heute präsentieren diverse Starphotographen ihre Vorstellungen von Traummännern. Dabei sind die Ergebnisse extrem unterschiedlich, vom tschechischen Engel über Barack Obama bis hin zu Interpretationen des männlichen und menschlichen Daseins, mal angezogen, mal ungezogen. Fünfzig Photographien von bekannten und unbekannten Stars und Nicht-Stars haben mich nach einem Orientierungs- und einem gezielten Rundgang rund anderthalb Stunden beschäftigt. Natürlich finde ich es immer bedauerlich, die Kamera nicht benutzen zu dürfen, um wenigstens ein paar Impressionen der Ausstellung liefern zu können, zum Beispiel:

  • ‚Douglas‘ (Booth) von Horst Diekgerdes (2010)
  • ‚Prague Boys‘ von Ali Kepenek (2006)
  • ‚Barack Obama‘ von Martin Schoeller (2010)
  • ‚Johnny Depp & Tim Burton‘ von Marc Hom (2008)
  • ‚Nude of Alex‘ von Paola Kudacki (2008)
  • ‚Clemens Schick, „Jedermann“‚ von Margarita Broich (2008)

Sämtliche Werke inklusive Informationen sind in einem Buch zusammengestellt, das für 49,99 Euro zu kaufen ist. Aber bei einem Eintrittspreis von 9,00 Euro ist mir das deutlich zu viel. Die Ausstellung hat mir sehr gut gefallen. Allein das Licht bildete einen Wermutstropfen, denn da alle Photos in einem Rahmen mit Glasscheibe hängen, spiegelt sich der sehr helle, weiße Ausstellungsraum und damit das Publikum in allen Bildern wider, was von dem eigentlichen Motiv ein wenig ablenkt. Weniger Licht und dafür Spots auf die Exponate hätte ich wohl besser gefunden.

Nach dem Ausflug in die Welt der Photographie verlasse ich die Deichtorhallen wieder. Draußen ist es mit nur 5°C ziemlich kalt und die Sonne hat sich hinter dicken, grauen Wolken verschanzt. Bis mein Freund Feierabend hat, dauert es noch eine Dreiviertelstunde, und so setze ich mich in meinen Wagen, durchforste mit meinem iPhone die Bildersuche im Internet und ziehe schließlich für ein neues Kapitel erneut meine Lektüre hervor…

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