Tod und Geburten

:: wie die zeit vergeht…

erst in dieser woche wird die beisetzung meines dads in hamburg stattfinden. donnerstag ist der angesetzte termin. ich weiß nicht, warum das so lange gedauert hat. heute werde ich mir einen anwalt nehmen, der mich bei der frage um die bestattungskosten unterstützen soll.

am samstag bin ich zu zwei freunden nach nrw gefahren. es ist fast ein jahr her, dass ich zuletzt dort war. die eltern bewirtschaften einen öko-landwirtschaftlichen betrieb mit ganz vielen ziegen. einmal im jahr veranstalten sie ein großes frühstück für die region und seit drei oder vier jahren helfe ich bei den vorbereitungen und bei der ausrichtung.

als ich am samstag nach drei stunden fahrt über die sonnige autobahn auf dem hof mit dem großen gelben haus eintrudelte, zog ich mir arbeitskleidung an. es gab noch viel zu tun. das wetter sah ganz gut aus, so dass wir die vielen tische und bänke nicht wie im letzten jahr in den scheunen aufstellten, sondern auf dem platz, der von schuppen und scheunen umringt ist. kleine blumengestecke für die tischdekoration und den buffet-wagen herrichten, wegweiser in der gegend verteilen, scheunen ausfegen und einiges mehr. in diesem jahr schienen mehr helfer als sonst dort zu sein. bis zum letzten jahr war ich stets mit meinem freund hingefahren, diesmal war ich natürlich allein dort. aber dank der hilfe von farina, inga, jana, dörte und praktikant dennis hatten wir alles im griff. dennis ist ein aufgeweckter bursche. er ist, was gemeinhin als „problemkind“ bezeichnet wird. ohne schulbildung und aus „problematischem“ umfeld. auf dem hof macht der fünfzehnjährige ein zwölfmonatiges praktikum und scheint darin so richtig aufzublühen. er fühlt sich sichtlich wohl, hat verantwortliche aufgaben und kommt mit den tieren hervorragend zurecht. er genießt vertrauen und ansehen auf dem hof. ich habe bemerkt, wie ungern er sich abends auf sein klappriges fahrrad setzt und zu seinen eltern zurück fährt, was er stets so weit wie möglich hinauszögert. von der nachbarin der hofpächter hat er ein altes mofa geschenkt bekommen, das in einem der schuppen die jahre verbracht hat. die hercules, baujahr 1977, scheint schon beim angucken auseinander zu fallen, das hinterrad fehlt und rost scheint das einzige zu sein, was das gerät noch zusammen hält. mit ansteckender begeisterung widmet sich dennis der „restaurierung“ und hat bereits große pläne, er scheint schon den sound des motors zu spüren und stellt mutige voraussagen auf, in denen er mit dem mofa knatternd den hügel hinauffährt. er hat ein unglaublich einnehmendes und freundliches wesen. erinnert ihr euch an den ziegen-peter aus „heidi“? ganz ehrlich, wer braucht da schulbildung?!

Bio-Büffet

die vorbereitungen für das große frühstück am sonntag wurden von dunklen wolken überschattet, die mit kräftigen regenschauern daherkamen. doch wie schon im letzten jahr verzogen sich diese pünktlich zur eröffnung. schnell die tische und bänke trocken wischen und dann konnte es losgehen.

das buffet sorgte mit zahlreichen hofeigenen köstlichkeiten für wohlige stimmung bei den über 100 gästen, die sich genüsslich in die sonne setzten. bis um zwei uhr konnten die leute vom buffet zehren. nach einer führung über den ganzen hof und die gegend gab’s am nachmittag kaffee und kuchen. es war wie immer ein voller erfolg.

in den jahren zuvor war an diesem punkt für mich schluss, denn am montag darauf wartete stets meine eigene arbeit auf mich. in diesem jahr jedoch habe ich urlaub und konnte ganz in ruhe alles wieder mit abbauen. am abend gab es dann ein gutes abendessen in gemütlicher runde mit der familie und dem praktikanten am lagerfeuer. alle waren ziemlich erschöpft und so ließen wir den abend mit dem feuer langsam ausklingen. in der nacht habe ich ausgezeichnet geschlafen und bestimmt hundert verschiedene dinge geträumt, die ich aber fast alle schon wieder vergessen habe.

am montagmorgen erledigten wir die restlichen arbeiten. das hofpersonal verrichtete die täglichen aufgaben und ich konnte mich um liegengebliebenes kümmern. gegen mittag liefen wir zu einer der ziegenweiden. es ist lämmerzeit und um den überblick zu bewahren, müssen die tiere katalogisiert werden. ich durfte die zuchtpapiere ausfüllen, während dennis und die pächter gaby und cadé die ziegen mit einem nummernbändchen an den läufen bestückten. einige der ziegen hatten schon ihre lämmer, andere trugen sie noch aus. all das taten wir unter den wachsamen augen von bock „eugen“.

„Eugen“

als wir eben mit allem fertig waren, änderte sich der status einer ziege, die ich auf den papieren gerade als „tragend“ notiert hatte, denn als wir schließlich gehen wollten, legte sie sich nieder und lammte. weil die ziegen das in der regel jedoch allein können, gingen wir zum hof zurück. eine stunde später erschienen passanten am gelben haus und berichteten aufgeregt, dass eine ziege ein kleines lamm bekommen hätte…
am frühen abend lief ich mit dennis zurück zu der wiese. er hat ein geschultes gehör, erkannte am meckern einer ziege, dass da wohl noch weitere lämmer hinzugekommen waren. und tatsächlich lag ganz am oberen ende der wiese eine ziege am zaun und leckte ein neugeborenes ab. und dann wurde ich zeuge der geburt eines weiteren kleinen bockes, der gesund und munter den mutterleib verließ. dummerweise hatten wir nichts zu schreiben mitgenommen und mussten uns jetzt merken, welche ziege mit welcher nummer wie viele lämmer welchen geschlechts geboren hatte. als wir am haus zurück waren, trug ich drei bisher tragende ziegen in den status „gelammt“ um. es waren insgesamt fünf böcke und ein zicklein hinzugekommen.

Ein Lamm ist geboren!

den rest des abends verbrachten wir in gemütlicher runde ohne größere anstrengungen. es begann zu dämmern, im radio war schon den ganzen nachmittag hindurch ein heftiges unwetter angekündigt worden, das uns veranlasste, alles, was nicht niet- und nagelfest war, unter dach zu räumen. letztlich blieb es bei etwas regen und starkem wind, von unwetter hingegen keine spur. zum glück!

dann war es soweit: der zeitpunkt meiner abreise rückte näher. gern wäre ich noch um einiges länger geblieben, aber ich muss mich wie erwähnt um einen rechtsbeistand kümmern und am donnerstag auf die beerdigung. und so verabschiedete ich mich – etwas geknickt, dass gaby und dennis grad unterwegs waren – und fuhr meine drei stunden bei durchgängig prasselndem regen zurück nach hause.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*