tief durchatmen

Der April hat wettertechnisch alles im Griff. Morgens rückt die Sonne etwas näher an den Frühstückstisch, doch gegen Mittag verlässt sie die warme Kraft und sie haut sich wieder aufs Ohr. Freies Feld für dicke schwere Regenwolken, die alle Farben zu verschlucken scheinen und klatschend große Wassertropfen nach uns werfen. So ist er, der April.

Weniger wechselhaft geht es bei meinem Liebsten vor sich. Langsam entwickelt sich zur Odyssee, was anfangs für einen relativ harmlosen grippalen Infekt gehalten wurde. Ich rekapituliere:
Husten und Fieber zwingen meinen Engel vor Wochen zum Doc. Der Doc hält das für eine Grippe und verordnet Bettruhe. Eine Woche später: die Grippe will nicht enden. Der Doc entnimmt eine Blutprobe und tauscht vielsagende Blicke mit seiner Assistentin. Mein Schatz hat Todesangst, während ich versuche, ihn zu beruhigen. Am nächsten Tag das Ergebnis: „Na ja, ist alles in Ordnung…“. Aber nichts ist in Ordnung. Der Doc verschreibt ein Antibiotikum gegen einen grippalen Infekt. Sechs Pillen. Während der nächsten Tage wird alles noch schlimmer. Das Fieber kommt und geht mit einer steten Regelmäßigkeit, der Husten wird stärker und zu allem Überfluss entstehen schmerzhafte Schwellungen an Engels Gelenken. Die Krönung bilden die Füße, die bald in keine Schuhe mehr passen. Nach der Antibiotikum-Kur geht es meinem Freund alles andere als gut. Also wieder zum Doc. Der schickt ihn gleich weiter zum Orthopäden – wegen der Füße. Der Orthopäde diagnostiziert: Allergische Reaktion auf Doktors Antibiotikum. Da kann er nichts machen, wir müssen warten, bis das Mittel seine Wirkung verliert. Der einzige, der hier verliert, ist mein Freund. Geduld und Zuversicht sind nach rund zwei Wochen am Ende. Eine Woche später: keine Besserung. Im Gegenteil: er kann nur noch unter Schmerzen laufen, der Husten wird wieder stärker, er isst kaum noch. Wieder zurück bei seinem Hausarzt wird er an einen Allergologen überwiesen. Dort sagt man ihm, es handele sich keinesfalls um eine Allergie gegen die Medizin, sondern ganz klar um eine Entzündung – im Lungenbereich! Hätte der Hausarzt den Husten ernst genug genommen, hätte das schon vor Wochen diagnostiziert werden können. Die Ärztin überweist Engelchen zum nächsten Arzt. Seine Lunge soll geröntgt werden. Er tapert also zum nächsten Doktor, der allerdings schickt ihn wieder weg: In seiner Praxis wird schon seit einem halben Jahr nicht mehr geröntgt…
Zumindest eine Salbe gegen die Schwellungen hat er nun bekommen. Am morgigen Montag ist sein Termin beim Radiologen, der ein Photo von seiner Lunge machen soll. Blut hat man ihm auch wieder abgenommen, dabei ist ihm diese Prozedur so verhasst. In wenigen Tagen ist er seit einem Monat zu Hause, kann sich kaum bewegen, schläft nicht mehr durch und verzweifelt. Und ich? Kann ihm nicht helfen. Ich kann ihm sein Kissen aufschütteln, ihn trösten und versuchen, dass er zumindest ein bisschen isst. Aber davon abgesehen bin ich hier ziemlich nutzlos.

Dennoch würde ich lieber bei ihm sein, statt morgen wieder zur Arbeit zu gehen. Abgesehen davon, dass es mir in der Abteilung mal wieder keinen Spaß macht, hatte ich vor wenigen Tagen ein Vorstellungsgespräch – wieder einmal in meiner jetzigen Firma. Ich habe mich auf eine Sachbearbeiterstelle in einer anderen Abteilung beworben. Das Gespräch war am Mittwoch, und es hat mir wirklich gut gefallen! Der Chef ist sehr nett und die Personalreferentin ein Pfundskerl. Wir haben uns zu dritt wirklich gut unterhalten. Bis Ende April soll die Entscheidung fallen und ich rechne mir gute Chancen aus.

Sonst ist eigentlich nichts passiert. Wie auch, wir sind ja nur zu Hause…

 

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