The day before

Morgen um diese Uhrzeit habe ich den ersten Brocken in dieser Woche heruntergewürgt. Langsam wird mir etwas schwindlig und meine Knie werden weich. Das Vorstellungsgespräch morgen Abend ist so wichtig für mich. Ich habe heute mein Lieblingshemd gebügelt, meine Krawatte gebunden und die Fahrstrecke aus dem Internet gezogen. Ich werde viel zu früh losfahren, damit ich auf jeden Fall pünktlich bin. Ist das alles aufregend…

Heute hat sich unsere Lerngruppe getroffen. Wir waren zu zehnt. Das war ein ziemliches Durcheinander und ehrlich gesagt hat das bei mir mehr Verwirrung und Panik verursacht als alles andere. Wie vor jeder Prüfung fühle ich mich unvorbereitet und mit tausend Lücken im Gedächtnis. Aber diese Prüfungen sind auch verdammt wichtig. Verdammt…

Beim Frisör war ich heute auch. Aber das Mädel mit den rosa Haaren hatte heute keine Zeit für mich. Da hat mich dann die andere bedient, die immer so mürrisch guckt und so wirkt, als würde sie jemand zwingen, diesen Job zu machen. So’n schnippiges Schnipp-Schnapp und ein paar blonde Highlights unter ihren fahrigen Händen, eine Wohltat war das heute nicht. Aber was soll’s, immerhin hab ich Kaffee bekommen.

Meine Mum hat mir heute eine „wie geht’s Dir?“-SMS geschickt. Sie weiß noch nichts von meinem Vorstellungsgespräch, ich will sie damit überraschen. Na ja, sie kann sich sicher schönere Überraschungen vorstellen als zu erfahren, dass ihr ältester Sohn vielleicht 100 km weiter weg ziehen wird. Wir sehen uns so schon recht selten, und dabei wohnen wir bisher nur 20 km auseinander. Ich hab sie sehr gern. Seit meinem Coming Out vor fünf Jahren sind wir uns viel näher als jemals zuvor. Schon komisch irgendwie.

Ich werd jetzt noch was gegen dieses Kratzen im Hals tun. Ich kann im Moment nichts weniger gebrauchen als eine Erkältung!

Allen einen schönen Abend!

 

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