Tausend Worte zum Schluss

Heute ist Silvester und damit der letzte Tag des Jahres 2011, das insgesamt wirklich kein ruhmreiches war. Für diesen Jahresrückblick mit genau tausend Wörtern muss ich schon ziemlich suchen, um wirklich nennenswerte positive Bestandteile zu finden.

:: Januar

Das Jahr 2011 ging für mich persönlich schon nicht gut los, fühlte sich von Beginn an total falsch an. Der Winter, in dem der Januar noch steckte, war kalt und ausdauernd und hing mir bereits zum Halse heraus. Doch Mitte des Monats täuschte er so etwas wie Frühling an, mit Sonnenschein und einer Luft, die zu Spaziergängen durch die Marzipanstadt einlud. Das Intermezzo dauerte natürlich nicht lang und schon hatte der Winter uns längst wieder in seine kalten Arme geschlossen, während mein nächstjüngerer Bruder bereits zum zweiten Mal in eine Militärmaschine nach Afghanistan stieg.

Januar 2011

:: Februar

So trist, wie das Jahr im Januar begonnen hatte, setzte es sich im Februar fort. Mehr noch, statt Eis und Schnee beglückte uns der dunkle Winter nun mit Sturm, der an den nackten, schwarzen Bäumen zerrte und Regen, der laut gegen unsere Fenster schlug und große Kullertränen auf ihnen hinterließ. Kurz nach meinem 34. Geburtstag verstarb die letzte Großmutter meines Engels, und nicht einmal eine Woche darauf kam mein Bruder in seinem Feldlager nur knapp mit dem Leben davon. Gerade mal sechs Wochen war das neue Jahr alt, und schon waren wir komplett urlaubsreif, weshalb wir noch im selben Monat mit drei Freunden einen Sommerurlaub in Amsterdam buchten.

:: März

Der erste Urlaub stand zum Glück schon Anfang März auf dem Programm. Und weil kurioserweise das Geld am ersten Urlaubstag immer besonders locker sitzt, kaufte ich mir spontan (!) einen Mac und erweiterte damit meine „Sammlung“ an Apple-Geräten, die allmählich unseren elektronischen Hausstand dominieren.

Am elften März erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die japanische Nordostküste und löste einen ebenso gewaltigen Tsunami aus, der große Landstriche verwüstete. Die Wucht dieser beiden Naturgewalten fügte überdies einem der küstennahen Atomkraftwerke so schwere Schäden zu, dass es außer Kontrolle geriet und havarierte. Große Mengen an Radioaktivität entwichen und verstrahlten weite Landesteile – um ein Haar hätte die Hauptstadt selbst evakuiert werden müssen. Es sollte nach dieser Dreifach-Katastrophe noch bis zum Jahresende dauern, bis das Kraftwerk so weit unter Kontrolle war, dass von ihm keine weitere Strahlung mehr an die Umgebung abgesondert wurde. Das Atomunglück von Japan hatte weltweite Diskussionen über die Folgen nuklearer Energiegewinnung zur Folge.

:: April

Weiterhin keine guten Neuigkeiten, als der April das Zepter übernahm. Meine Gesundheit hat beschlossen, in den Streik zu treten und warf mich ziemlich aus der Bahn. Diverse Arztbesuche und ein Einblick in mein Innerstes brachten keine wirklichen Erkenntnisse und ich musste abwarten, bis die Symptome von allein wieder verschwanden.

:: Mai

Im Mai hatte ich augenscheinlich nicht viel zu erzählen. Sommeraktivitäten fielen im Wonnemonat aber auch ins Wasser, weil wir kaum zehn Grad Außentemperatur erreichten.

:: Juni

Erst im Juni konnte sich die Sonne für uns erwärmen. Schade, dass der Monat dann von einem gefährlichen Virus überschattet wurde, der bereits mehrere Todesopfer gefordert hatte und dessen Ursprung eine ganze Weile im Verborgenen blieb. Wir wussten nur: Gemüse war ab sofort nicht mehr gesund, und Biogemüse schonmal gar nicht…

Infolge der japanischen Atomkatastrophe vom März beschloss die deutsche Regierung im Juni den Ausstieg aus der Kernenergie, während amerikanische Spezialtruppen Osama Bin Laden in Pakistan töteten. Letzteres Ereignis löste mehrere schwere Angriffe auf den Militärstützpunkt meines Bruders in Afghanistan aus, bei denen mehrere seiner Freunde ihr Leben verloren.

Im selben Monat begann der schon im Februar gebuchte Urlaub in der niederländischen Hauptstadt, der sich als interessant und unheimlich anstrengend entpuppte.

:: Juli

Der Juli war dann offenbar wieder ruhiger, nachdem wir uns vom Urlaub erholt und längst wieder in die Arbeit gestürzt hatten. Nur ein Kino-Besuch gehörte zu den erwähnenswerten Geschehnissen, als Harry Potter ein fulminantes Finale gab.

Juli 2011

:: August

Im August kosteten wir nach Möglichkeit die meisten Sommertage aus, denn die Wetterlage zeigte sich unstet und launisch. Der Christopher-Street-Day in Hamburg empfing uns gleich mit heftigen Regengüssen, die uns ein jähes Ende der bunten Demo befürchten ließen. Zum Glück verzogen sich die Wolken nach dem Start und machten der Sonne Raum, die die Farben leuchten ließ.

Regen dominierte auch die Kanutour, die ich wenige Tage später mit meinen Arbeitskollegen veranstaltete. Meine neue Regenkleidung bestand die Feuer- bzw. Wassertaufe, während wir die Altstadtinsel umrundeten.

Mit den letzten Sonnenstrahlen des Monats besuchten wir erneut die Hansestadt Hamburg. Wie schon so oft führten wir unsere Kameras durch die brandneue HafenCity, wo aus Großbaustellen schon einige bewundernswert moderne Gebäude hervorgegangen sind.

:: September

Nach immerhin ein bisschen Sonnenschein im Vormonat trumpfte der September gleich zu Beginn mit schlechten Nachrichten auf, die mich am Rechts- und Wertesystem unserer Republik zweifeln ließen. Wir entflohen dem Ganzen für einen Tag und verbrachten Engels Geburtstag in einem alten Wasserschloss hoch im Norden, bevor ich mich später im September blauäugig in eine Orchidee verliebte, die mich mit falscher Farbe blendete.

:: Oktober

Der Oktober ist nur scheinbar ereignislos verlaufen. Tatsächlich war ich einfach zu beschäftigt, um irgendetwas niederzuschreiben und später zu vergesslich, um das nachzuholen. Ich erinnere mich nur noch an den Herzinfarkt meines Stiefvaters, der den Rest meiner Familie bis zu seiner Genesung im Dezember in Aufruhr versetzte.

:: November

Auf unseren November-Urlaub freuten wir uns ganz besonders. Wir hatten die Woche Abgeschiedenheit in einem reetgedeckten Ferienhaus an der Nordsee mehr als nötig, nur Engelchen, ich und das weite Nichts einer Sommerhaus-Siedlung im Spätherbst. Dummerweise setzten nur zwei Tage nach unserer Ankunft im Feriendomizil böse Harnsteine einen unserer Kater außer Gefecht, so dass unser Urlaub zuerst von Sorgen beschwert und letztlich vorzeitig abgebrochen wurde.

:: Dezember

Der Winter war noch nicht in Sicht, als der Dezember begann. Stattdessen regnete es fast jeden Tag auf den Weihnachtsmarkt in unserer und in vielen anderen norddeutschen Städten. Das hat mich in diesem Jahr aber nicht davon abgehalten, Unmengen von Bratwurst und Crêpes zu vertilgen.

Zum Beispiel auf dem Weg ins Kino, dem ich gleich zu Beginn des Monats zwei Besuche abstattete. Der Dezember wie auch das ganze Jahr sind nun vorbei, aber vom Winter fehlt unverändert jede Spur. Was bleibt ist die Hoffnung, dass 2012 alles besser wird – und die Welt den Voraussagen zum Trotz nicht am 21. Dezember untergehen wird.

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