Strandprogramm

Es ist noch früh, als wir das warme Bett verlassen, der eine links, der andere rechts. Barfuß schlurfen wir in die Badezimmer, machen uns frisch und sitzen bald darauf in der Sonne vor dem Haus am gedeckten Frühstückstisch. Die gebackenen Croissants machen satt und sind damit die richtige Grundlage für diesen Tag.

Nach dem Frühstück verschließen wir das Haus und brechen zu unserem ersten Ausflug auf. Wir wollen zum Wasser gehen und entdecken einen kleinen, künstlich angelegten See – direkt bei unserem Häuschen. Na ja, nicht so richtig spannend, also gehen wir weiter über die Kieselstein-Wege. Unten an der Straße, wo vor zwei Jahren noch ein altes, verlassenes Bauernhaus stand, liegen jetzt nur noch ein paar ausgediente Dachschindeln.

Wir kennen den Weg zum Strand natürlich vom letzten Mal. Wir erreichen den kleinen Laden, der an den Campingplatz grenzt und nicht weit dahinter das Skavenhus, ein großes, weißes Hotel und Restaurant direkt am Fjord. Wir sehen die Schirme der Kite-Surfer, die den lebhaften Wind einfangen und über das Wasser jagen. Vorbei am Bootshafen zwischen den Dünen stecken unsere Füße kurz darauf im warmen Sand. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und spüre die Sandkörner wie ein Peeling auf der Haut. Nur kurz tauche ich sie probehalber in das Nordseewasser. Nur kurz.

Der Strand bei uns ist nicht sehr groß, und so sind wir etwas später mit dem Auto auf dem Weg nach Hvide Sande. Nach wie vor gibt die Sonne ihr bestes und wir sind froh über die Klimaanlage. Zielsicher steuert uns das Navigationssystem am Fjord entlang, bis wir mitten in irgendeinem Ort ankommen und das Gerät behauptet, wir hätten unser Ziel erreicht. Also setzen wir die Fahrt ohne computergesteuerte Hilfe fort und erreichen Hvide Sande. Wir wollen den Fluch brechen, der sich vor zwei Jahren auf unseren Plan, den weißen Leuchtturm zu besteigen, gelegt hat.

Als wir das Hafengebiet erreichen, in dem wir schon vor zwei Jahren den Wagen geparkt hatten, sind wir verwirrt, denn der Leuchtturm ist nicht da. Wir gehen zu Fuß durch tiefen Sand zwischen den Dünen hindurch bis an die Nordsee. Erst, als wir schon fast im Wasser stehen, entdecken wir die Leuchtturmspitze – ein paar Kilometer weiter.

Während Tg noch überlegt, ob er wirklich hinaufsteigen soll, löse ich zwei Tickets für jeweils zehn Kronen (ca. 1,38 Euro). Zuerst steigen wir eine Holztreppe hinauf, die uns überhaupt zum Leuchtturm bringt, denn er steht auf einem Hügel.

Einen Aufzug gibt es dem 102-jährigen Gebäude nicht, also winden wir uns die Millionen Stufen hinauf, weichen Gegenverkehr aus und schauen hin und wieder aus den Fenstern. Man spürt die Höhe, in der man sich befindet, selbst im Innern des Turms. Es ist beunruhigend zu wissen, wie weit es direkt neben uns hinunter geht. Kurz vor dem Ausgang auf die Aussichtsplattform trage ich uns in ein Gästebuch ein. Ich lasse meinen Freund zurück, der auf die grandiose Aussicht lieber verzichtet und steige durch die Luke ins Freie. Das Geländer, das mich vor dem 55 Meter tiefen Sturz bewahren soll, endet in Brusthöhe. Immerhin öffnet das die Sicht, und die ist ziemlich beeindruckend!

Es ist extrem stürmisch dort oben und ich halte mich an meiner Kamera fest, mit der ich die Leuchtturmspitze einmal umrunde, bevor ich zu meinem Engel zurück ins Innere klettere. Es geht ihm schon viel besser, als wir wieder festen Erdboden unter den Füßen haben. Nach einer Fotosession am Fuße des großen, weißen Turmes nehmen wir den nächsten Abstieg in Angriff und klettern auch noch die Holztreppe wieder hinunter. Am Kartenstand kaufen wir noch ein paar Ansichtskarten und dann fahren wir mit schweren Beinen wieder zurück ins Ferienhaus.

Hier werfen wir sofort den Grill an, denn wir haben einen Bärenhunger. Die Sonne scheint noch und wir lauschen der Stille, die nur vom Knistern der glühenden Kohlen gespickt ist. Den Abend gehen wir ganz ruhig an. Essen, Sauna, Fernsehen und dann fallen wir erschöpft ins Bett.

 

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