Silbermond-Konzert

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endlich der 15. april 2005, endlich feierabend! es ist freitagabend. der puls steigt, schnell noch ein letztes mal die silberne scheibe ins laufwerk schieben, die boxen aufdrehen und die arbeitsklamotten gegen eine turbodusche eintauschen. danach meine bequemen lieblingsklamotten aus dem korb mit der gewaschenen wäsche fischen, mit dem dampfbügeleisen drüberrasen.
zack – den gürtel schließen – und fertig. fehlt noch etwas styling-gel für die haare und schon kann’s losgehen.

ich drücke den fahrstuhlknopf für das erdgeschoss, als mir das ticket einfällt, das seit wochen an der pinwand hängt. eine etage tiefer steige ich aus und renne die zwei treppen wieder hoch.

:: « immer am limit »

um 19 uhr ist einlass im pahlazzo und genau eine stunde früher komme ich am haus meiner freundin u. an. ich parke meinen neongelben kleinwagen auf dem grünstreifen. u. isst noch gemütlich die reste ihrer pizza, als ich an der tür klingle. wie es sich gehört, lässt sie sich nicht aus der ruhe bringen, während ich insgeheim doch wie auf kohlen sitze, denn wir müssen noch 60 km fahren. aber die konzerterfahrung bringt sie mit, also verlasse ich mich mal drauf. gegen zwanzig nach sechs sitzen wir dann im auto, ich rase mit 170 km/h über den highway und wir erreichen um kurz vor sieben uhr den zielort. pahlen nennt sich das hier, mitten in der provinz. vor dem pahlazzo schiebt sich eine ziemlich große menschenschlange vorwärts richtung eingang. wir suchen uns einen parkplatz und laufen die zwei straßen zurück, um uns einzureihen. die schlange führt um die ecke, vorbei an einer tankstelle. besonders schnell geht es nicht, aber die menge ist ausgelassen und fröhlich. noch hinter uns reihen sich zahlreiche andere konzertbesucher ein. unsere direkten hintermänner sind schon etwas lustig, sind die ganze zeit am quasseln und fühlen sich mit ihren 18 oder 19 jahren unheimlich erwachsen, als sie einander erklären, dass sie bestimmt die einzigen überachtzehnjährigen hier sind. wie auf kommando drehen u. und ich uns zu ihnen um, um diese infame unterstellung sofort richtig zu stellen. dass wir beide 28 sind, binden wir ihnen dann aber nicht auf die nase…

:: « passend gemacht »

um vielleicht ein paar erinnerungsphotos einzufangen haben wir eine einwegkamera mitgenommen, die u. in ihrer tausend-taschen-konzert-hose versteckt, falls wir am eingang kontrolliert werden. als die schlange um die ecke biegt, können wir bereits sehen, dass die leute abgetastet werden. schon verschwindet die kamera eine tasche tiefer und als wir dran sind und abgetastet werden, kommen wir unbehelligt hinein.

als unsere tickets entwertet sind, suchen wir nach der garderobe, laufen etwas planlos hin und her und können sie nicht finden. als wir jemanden fragen, der aussieht, als würde er sich auskennen, sagt er uns, wir müssten wieder zurück, durch die ticketkontrolle wieder raus, dann rechts und dort können wir unsere jacken abgeben… wir kommen uns unwissend und dumm vor, was sich jedoch ändert, als sich hinter uns eine schlange von leuten bildet, die ebenfalls wieder raus müssen, um zur garderobe zu gelangen. erleichtert, dass uns die ticketfritzen mit den entwerteten karten wieder reinlassen, hören wir bereits die letzten klänge der ersten vorband, inzwischen ist es wohl halb acht oder so.

Konzertticket

:: « du und ich »

wir betreten die konzerthalle, orientieren uns kurz und arbeiten uns weiter nach vorn durch, als auch schon die zweite vorband mit dem etwas seltsam klingenden namen EL*KE angekündigt wird. EL*KE besteht aus drei jungs, die ursprünglich aus der gegend, jetzt aber aus berlin kommen. sie sind laut und wild, aber schlecht klingt es nicht und schon bald haben sie die menge soweit gelockert, dass der typische norddeutsche seine steifheit vergisst und ordentlich abgeht.

:: « verschwende deine zeit »

unter diesem titel steht die ganze silbermond-tour. nachdem die vorbands ihre auftritte beendet haben, kann es endlich losgehen. in einer kleinen pause besorge ich etwas kaltes zu trinken, denn es ist sehr warm in der halle und wir sind uns sicher, dass es noch um einiges heißer werden würde.

es wird dunkel. die musik startet. ein spotlight bahnt sich an uns vorbei seinen weg durch die dunkelheit, und als unsere blicke ihm folgen, entdecken wir silbermond-sängerin stefanie, die rechts hinter uns über der bar auf einer plattform steht und den ersten song anstimmt, während die jungs auf der bühne langsam in blauem licht auftauchen. cool!

nach ihrem ersten song hoch oben über unseren köpfen begrüßt die charismatische zwanzigjährige ihre fans und kündigt ihren weg durch die menge bis zur bühne an. gesagt, getan und begleitet von bodyguards rennt sie mitten durch die fans bis zur bühne. die luft vibriert vor euphorie und als der nächste song ausbricht, gibt es für die ich-weiß-nicht-wievielen konzertbesucher kein halten mehr. jeder, der den text einigermaßen draufhat singt mit. erstaunlich, dass aus all den schiefen sangeskünsten in der masse dann alles so perfekt klingt! silbermond haben eine enorme energie und spielen, was das zeug hält. die lautstärke ist angenehm am limit und lässt sich grad noch ohne gehörschutz gut aushalten. bis auf wirklich wenige hartnäckige besucher (wie zum beispiel zwei etwas mürrisch dreinblickende mädels rechts vor uns) sind wirklich alle fans voll in ihrem element und zeitweise habe ich das gefühl, die menge würde zu einem einzigen vereinten fan verschmelzen! wahnsinnsgefühl. was gänsehautfeeling bedeutet, erfahre ich im wahrsten sinne des wortes, denn der sound lässt die feinen härchen auf meinen armen vibrieren, die musik fließt einfach durch uns hindurch. geil!

:: « a stückl heile welt »

song für song geht die konzerthalle total ab, wir singen, hüpfen, springen, lachen, schreien, tanzen und schwitzen und ich fühle mich saugut mitten drin. in einer kurzen pause hilft uns drummer andreas mit einem einfachen und witzigen spiel über die geographie der provinz den puls wieder etwas herunterzufahren. das gilt wohl nicht für ihn, denn er meint, er sei doch ganz schön nervös. die band hat jedoch eine so geile bühnenausstrahlung, dass man bei keinem von ihnen unangenehme nervosität spürt – sie sind einfach total gut drauf und haben eine unglaublich gewinnende art!

dann verabschieden sie sich irgendwann, das licht geht aus es wird still auf der bühne – aber nicht im publikum! alle klatschen, schreien „zugabe“ und nachdem die band das wohl eine weile genossen hat, gehen die spots wieder an, die e-gitarren und der drummer geben alles und die stimmung kocht über! natürlich war das noch nicht das ende, immerhin fehlen ja auch noch ein paar songs, unter anderem das flaggschiff symphonie. und so geht es weiter. stefanie lässt sich von der menge auf händen durch die halle tragen – ich hab sie angefasst! – es ist echt überwältigend! treffend bemerkt sie bei ihrer rückkehr auf der bühne, dass „ihr alle mindestens genauso sehr schwitzt wie ich“.

:: « symphonie »

irgendwann geht dann leider auch das schönste konzert zu ende. auch wenn ich persönlich schon meine arme deutlich spüren konnte, ich hatte so viel spass, dass es ruhig noch weiter hätte gehen können. glücklich und lachend lagen u. und ich uns in den armen, schlenderten noch einmal zur bar mit dem süßen barkeeper – ups, den hab ich noch gar nicht erwähnt – um unseren flüssigkeitshaushalt wieder etwas aufzufüllen. in aller kürze: der keeper war eine echte sahneschnitte!

überglücklich taumelten wir dann aus der halle, holten unsere jacken an der garderobe ab und liefen quasselnd und lachend die zwei straßen zu meinem wagen zurück. kurz entspannen, den puls wieder runterfahren und dann machten wir uns auf den heimweg – diesmal allerdings nicht mit 170 sachen.

es war mein erstes konzert und es war eine hammergeile symphonie! das hat total gerockt, dudes!

 

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