Seltener Besuch

Am gestrigen Sonntag unternahmen Engelchen und ich eine kleine Reise nach Hamburg. Anlass war der Besuch einer Schulfreundin von mir, die vor einigen Jahren an den Bodensee gezogen ist. Und so trafen sich vier Schulfreunde und mein Engel in der Hansestadt, um den Nachmittag miteinander zu verbringen. Nicht in der guten Stube, natürlich, und so zogen wir los mit etwas ähnlichem wie einem Plan.

Wir starteten in der Deichstraße. Die historische Gasse mit ihren exklusiven Häusern und Lokalitäten richtet ihren Blick genau auf die werdende Elbphilharmonie, die später noch unser Ziel sein sollte. Zunächst lechzten wir aber nach original französischen Crêpes, weshalb wir kurzentschlossen in ein Restaurant einkehrten. Weit kamen wir nicht, denn der Inhaber, ein Bretone, fing uns fünf frühzeitig ab um uns – auf französisch – zu erklären, dass das Lokal voll sei und wir unser Glück später noch einmal versuchen sollten. Etwas enttäuscht trollten wir uns, um dann eben nebenan in einer belgischen Waffelerie unseren Zuckerbedarf zu stillen. Der sehr kleine Laden war schon voll, wenn drei Leute nebeneinander am Tresen standen und so eine Waffel benötigte rund zehn Minuten Zubereitungszeit – aber sie war dafür auch unheimlich lecker.

Nach diesem kulinarischen Kurzurlaub zog es uns weiter in die HafenCity. Inzwischen waren wir schon eine zeitlang nicht mehr hier gewesen und deshalb neugierig auf die Fortschritte. Die Philharmonie, die wir ja schon von Ferne aus der Deichstraße hatten betrachten können, hat sich augenscheinlich nicht weiterentwickelt. Immerhin scheint die Stadt Hamburg als Bauherr die Baufirma davon „überzeugt“ zu haben, dass die Dachkonstruktion halten wird, sodass der Bau nun nach einiger Verzögerung fortgesetzt wird.

Der Spaziergang durch die HafenCity, vorbei an kleinen Booten und nicht so kleinen Yachten, führte uns zu einem noch etwas größeren Schiff. Die Queen Mary 2 hatte sich mal wieder zu einem Besuch in ihrer Lieblingsstadt entschieden und ankerte hinter dem Marco Polo Tower unter den staunenden Augen tausender Menschen. Dank des sonnigen Wetters war dieser Stadtteil also sehr gut besucht. Ein schlauer Mann hatte eine kleine Empore errichtet, auf der er zahlungswillige Touristen vor der QM2 ablichtete. Die Idee machte sich anscheinend bezahlt, denn die Schlange anstehender Leute war beachtlich. Am Abend sollte das Kreuzfahrtschiff die Anker lichten, begleitet von einem großen Feuerwerk. Engelchen und ich nahmen das in unser Vielleicht-Abendprogramm auf, ehe wir zu fünft aufbrachen, um dem Rest unseres imaginären Planes zu folgen.

Das nächste Ziel war die Parkanlage Planten un Blomen, die vor einigen Jahrzehnten anlässlich einer Gartenausstellung entstanden war. Unsere Idee, dort Minigolf zu spielen, war leider nicht sehr originell, die Bahnen waren ziemlich voll und die voraussichtliche Dauer wäre unserem nächsten und mit Abstand wichtigsten Programmpunkt in die Quere gekommen: Essen beim Chinesen! Also ließen wir das Sportprogramm fallen und fläzten uns dafür auf die mitgebrachte Picknickdecke ans Wasser mitten im Grünen. Ein Stückchen weiter tobten sich Inline-Skater und Skateboarder auf der Bahn aus, auf der wir vor wenigen Monaten noch eislaufen waren.

Als wir fast eine Stunde später das winzige China-Restaurant betraten, hatten wir ziemlich runde Füße, so dass Engelchen und ich das Abendprogramm einhellig über Bord warfen. Bald nach dem Essen verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und machten uns allmählich auf den Weg zurück in die heimatliche Hansestadt.

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