Schluss mit Lasse

Gestern hatte Lasse seinen Realschulabschluss und zu diesem Ereignis waren Tg und ich eingeladen. Ich machte schon mittags Feierabend und gegen 16 Uhr kamen wir in Schenefeld an. Zwei dicke kichernde Verkehrshelferinnen winkten die ankommenden Autos auf den Sportplatz, und so stellte ich den dunkelblauen Peugeot auf dem Rasen ab. Bald darauf entdeckten wir Bt, Lv, Jo und Dn. Nur Gd und HJ ließen sich Zeit. Gegen kurz vor halb fünf trudelten sie mit Nl ein und zusammen versuchten wir einen Weg in die Sporthalle zu finden.

Es war ein heilloses Durcheinander, niemand wusste, wo wir sitzen dürfen. Irgendwann hatten wir alle irgendwo Plätze gefunden. Nach einem Streit mit Schatzi saß ich ganz allein neben einer hochnäsig dreinblickenden Frau in beigefarbenem Rock. Sicher eine der Mütter…

Um halb fünf ging es los. Das dörfliche Blasorchester pustete in Tuben und Trompeten, nicht harmonisch, aber sehr überzeugt und auf alle Fälle rustikal. Und dann begann das Grauen: die Begrüßung des Direktors! Nachdem er die lieben Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer begrüßt hatte, folgten pflichtbewusste Begrüßungsworte an den Feuerwehrchef, den Sparkassen-Direktor und alle möglichen kommunalen Spitzen, die sich zur Entlassung der Realschüler in die getäfelte Turnhalle begeben hatten. Der Rektor strahlte dabei eine Begeisterung aus wie ein Faultier am Nordpol. Immerhin konnte er jedes einzelne Wort, das er selbst oder jemand anderes auf seine Vorlage geschrieben hatte, fast fehlerfrei vorlesen.

Das Programm zog ich sich dann kaugummiartig in die Länge. Inzwischen hatte sich Levke auf den leeren Stuhl neben mir gesetzt, und zusammen frotzelten wir über die stümperhaften Darbietungen, die versagende Technik und die Schreib- und Lesekünste der Schülerinnen und Schüler, die schlecht einstudierte Texte ablasen. Von Betonung hat von denen anscheinend noch nie jemand etwas gehört. Nach Kinderchor („Im Frühtau zu Berge“) und Zirkus-AG kam dann zwei Stunden später der Teil, für den wir eigentlich gekommen waren: die Verleihung der Abschlusszeugnisse und die Verabschiedung. Ich packte die Kamera aus und ging weiter nach vorn, um ein schönes Foto von Lasse bei der Übergabe zu machen. Zielen, Blitz aufklappen, fokussieren, warten – was macht denn dieser dicke Mann da? Kann der da mal weg- gehen? Da kommt Lasse… schon ist er beim Rektor, Shakehands -Klick- er geht weiter, bekommt sein Zeugnis -Klick- und schon ist er wieder weg. Ich wage es gar nicht, die Bilder anzusehen, tue es aber trotzdem. Das erste ist nicht nur zu dunkel, nein, ein dicker schwarzgekleideter Mann steht im Bild! Das zweite ist nicht nur dunkel, nein, sondern auch unscharf. Tief enttäuscht gehe ich zu meinem Platz zurück und hoffe, dass es bald zuende ist.

Gegen 19 Uhr war es zuende. Schatzi und ich hatten uns inzwischen wieder versöhnt und nach einem leckeren Abendessen in großer Runde fuhren wir mitternachts nach Hause.

 

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