Saturday-Night-Fever

Gestern hab ich sie endlich hinter mich gebracht: die verflixten sechs Prüfungen! Ich musste schon um fünf Uhr aufstehen, es war noch finster draußen. Kopfschmerzen begrüßten mich als erstes und eine verschnupfte Nase. Ich sah ziemlich zerwuschelt und ganz schön müde aus, als ich im grellbeleuchteten Bad in den Spiegel blickte. Ein Schauder lief mir über die Haut als die ersten Wasserstrahlen geräuschvoll aus dem Duschkopf schossen. Ich stieg in die Dusche und hätte ohne Weiteres wieder einpennen können. Ich seifte mich wie in Trance vollständig ein und spülte den Schaum dann wieder weg.

Das Frühstück fiel eher klein aus. Heißer Kaffee zum Wachwerden, Nutellabrot und meine Lernunterlagen. Ich blätterte durch „Investmentgeschäft“, „Zahlungsverkehrssysteme“ und „Steuerrecht“, um die letzten Lücken mit Material zu stopfen. Schon klingelte mein Handy. Das war das Zeichen, dass meine Fahrgemeinschaft in ca. fünf Minuten bei mir eintrudelt. Also machte ich mich fertig, packte meinen Kram zusammen und stieg in den Aufzug. Draußen war es eklig kalt, aber der Wagen war schon gut geheizt. In der Stadt mit den Hochhäusern, zehn Kilometer von hier, stiegen wir auf den PS-starken Golf um, den ich schon in einem meiner früheren Einträge vor einem halben Jahr beschrieben habe. Zu dumm, dass die hellen Ledersitze wieder eiskalt waren. Dann preschten wir ungestüm über die Landstraßen und kamen eine Stunde später in Kiel an. Sieben Uhr. Die Prüfungen sollten um acht Uhr beginnen. Eine Stunde Zeit, sich verrückt machen zu lassen.

Um acht Uhr waren alle da. Mir wurde bewusst, dass ich viele der Kursteilnehmer wohl kaum wiedersehen würde, wenn der Tag vorbei wäre. Wir haben ein halbes Jahr zusammen verbracht. Es wurde fünf nach acht, zehn nach acht und es wurde viertel nach acht. Wir dachten „na toll, das sieht nach Steuerrecht aus!“, weil die Steuerdozentin zu ihrer ersten Unterrichtsstunde zu spät gekommen war. Ich muss dazu sagen, dass wir noch keinen Schimmer hatten, in welchen Fächern wir geprüft werden sollten.
Um halb neun kam dann die Aufsicht für die ersten beiden Prüfungen. Sie entschuldigte sich, aber man hätte ihr gesagt, es gehe um halb neun erst los…

Ich hab an dieser Stelle einmal von dem Fahrer unseres Gefährts erzählt… er ist einfach nur heiß! Gestern hat er sich auf seinem Stuhl gereckt, als wollte er irgendwas von der Decke fischen. Dabei rutschte ihm sein Pulli und sein Shirt sooo hoch, dass ich seinen ganzen Bauch sehen konnte! Und seinen Bauchnabel! Mit die erotischste Stelle am Körper eines Mannes, ehrlich! Es war wirklich fies von ihm, mich so abzulenken!

Ich will jetzt nicht auf die Details der Prüfungen eingehen, jedenfalls standen wir um viertel vor drei auf dem Parkplatz, einige schrien sich die Erleichterung heraus und dann gab es Sekt für alle! Wie auch immer die Prüfungen ausfallen, wir haben es erst einmal hinter uns! Endlich nicht mehr büffeln, nicht mehr samstags nach Kiel fahren! Die Fahrt nach Hause war irre entspannt und fröhlich, und das lag sicher nicht an dem Schluck Sekt.

Für abends hatte ich mir Freunde eingeladen. Ich wollte feiern! Hab ich dann auch, aber richtig gut ging es mir nicht, mein Kopf schien auf die Größe eine Kürbis anzuschwellen (fühlte sich jedenfalls so an) und meine Nase hatte ich inzwischen weggeputzt. Als ich gegen halb zwei schlafen ging, fühlte ich mich fiebrig und ziemlich erschöpft. Beim Wachwerden heute Mittag hatte ich fast keine Stimme und richtig gut geht es mir immer noch nicht. Natürlich hat heute keine Apotheke in der Nähe auf, wo ich Erkältungsmedizin kaufen könnte.

Morgen möchte ich unbedingt arbeiten. Ich habe ein Kundengespräch, auf das ich mich schon seit anderthalb Wochen freue. Vielleicht schaffe ich es ja, bis morgen gesund zu werden…

 

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