Piano forte

Obwohl wir erst gegen vier Uhr in der Frühe von der Party zurück waren, wurde ich fast mit Sonnenaufgang putzmunter. Wir hatten viel Spaß und ich entschied ziemlich bald, dass wir den Wagen stehen lassen – das geschah so in etwa zu dem Zeitpunkt als das Wort „singstar“ fiel, also nach einer Viertelstunde etwa. M. hatte am Mittwoch Geburtstag, und als sie die Tür öffnete, erinnerte ich mich, dass ich sie auf der Abschiedsparty der WG kennen gelernt hatte. Anders als auf der WG-Party waren gestern nur neun Leute anwesend, mit der Runde kam ich dann auch viel besser zurecht. Es gab zunächst nach dem allgemeinen Beschnuppern ein paar Partyspielchen. Ich hasse sowas – aber gestern fand ich es einfach genial! Es war sehr gemütlich, das Essen (Chili, Hackbällchen, Gemüse zum Dippen, etc.) war genau richtig und drei Sambuca und ein Becks Gold später trällerten wir gemeinsam ins Mikrofon, was soll’s, sind ja nicht meine Nachbarn…

Mt fuhr uns zum Glück nach Hause. Als wir heute Nachmittag den Wagen abholten, bemerkten wir erst, wie lang der Weg zu Fuß ist… Aber es war ein so schöner Nachmittag, an dem man sich mal ganz in Ruhe ohne stressigen Straßenverkehr die vielen unterschiedlichen Häuser ansehen konnte. Da sind welche dabei, die fast in sich zusammenfallen, dann stehen da Klötze, bei denen wir uns fragten, wie man da wohnen kann. Aber auch sehr schöne Häuser begegneten uns. Fachwerk, Villen und schöne Gärten, große und kleine Häuser mit alten Bäumen und birnenförmigen Erkerdächern. Doch als wir uns der Position meine neongelben Kleinwagens näherten fühlten wir uns plötzlich sehr unwohl. Was gestern noch im Schleier der Nacht verborgen lag, schrie uns jetzt in seiner ganzen Hässlichkeit an! Wohnblocks, zehn-, elf- oder noch mehrstöckig in heruntergekommenstem Zustand, Straßen, aus denen sich selbst Bushaltestellen und ganze Ampelanlagen unlängst verabschiedet hatten. Kurz bezweifelten wir, in der selben Gegend wie gestern Abend zu sein, doch als wir eine Straße weiter abbogen sahen wir mein Auto leuchten. Es stand förmlich in einer Oase, die Häuser waren relativ neu und sehr gepflegt, kaum zu glauben, wie es rundherum aussieht…. Krass!

Auf den Schreck suchten wir wieder motorisiert das Weite und beschlossen, in der Innenstadt ins Kaffeehaus einzukehren. Wir parkten am Fuße der Domkirche und liefen durch die Innenstadt, wo wir uns zum ersten Mal bewusst die meist sehr schönen Gebäude über den Läden ansahen. Als wir kurz darauf die gläsernen Flügeltüren ins Coffilio aufstießen, drang uns der volle Klang eines sehr belebten Kaffeehauses entgegen. Die meisten der runden dunklen Holztische waren belegt, die Angestellten hatten alle Hände voll zu tun. Auch mussten sie sich bemühen, stimmlich gegen den eifrigen Pianisten anzukommen, der den ganzen Raum mit Klang erfüllte. Es war irre gemütlich, drinnen so belebt mit leckerem Cappuccino und meinem Engel auf unserem Lieblingsfensterplatz, während es draußen bereits dunkel war. Die ersten Weihnachtsbeleuchtungen zaubern ein winterliches Ambiente in die Geschäftsstraßen der Innenstadt.

Das ist ein Sonntag nach meinem Geschmack. Da kann die Arbeitswoche ruhig kommen (aber auch nur, weil’s die letzte vor unserem Urlaub ist! Gleich buchen wir ein Hotelzimmer in Kopenhagen *freu*)

 

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