one week

:: Eine Woche, zwei Absagen und die Wunschliste

Mit verstrubbeltem Haar und verpennten Augen mampfe ich grad mein Marmeladen-Toast und warte auf die Post. Von den beiden Katern abgesehen bin ich heute allein zu Haus. Draußen holt Sturmtief „Emma“ nochmal tief Luft und hier drinnen müssten die Spuren der Arbeitswoche beseitigt werden. Aber sachte, sage ich mir. Eins nach dem andern.

Während ich heute darauf warte, dass die Post uns eine DVD vorbeibringt, gab der Briefkasten in dieser Woche nicht gerade gute Neuigkeiten her. Ich habe mich bei zwei Firmen beworben, und beide haben mir in dieser Woche einen Korb gegeben. Gleichzeitig habe ich mich in meiner jetzigen Firma um eine ganz neue Stelle beworben. Eine unserer Abteilungen gerät ziemlich ins Schwimmen, und weil das die Ergebnisse mittlerweile stark beeinträchtigt erfährt die Geschäftsleitung über kurz oder lang davon. Und so habe ich einfach eine Bewerbung hochgegeben und vorgeschlagen, mich dort als Trainee aufzunehmen, mich auszubilden und dabei auf meine Unterstützung zurückzugreifen. Parallel habe ich den Abteilungsleiter gefragt, was er davon hält – und er ist dafür.

Gestern habe ich dann noch meinen jetzigen Chef ins Boot geholt, dem die Unzulänglichkeiten der anderen Abteilung ziemlich auf den Sack gehen. Ich erzählte ihm, was ich vorhabe. Da ich weiß, was er von meiner Arbeit hält, bin ich sicher, dass auch er an ein paar Fäden ziehen wird. So rechne ich mir vorsichtig ein paar Chancen aus, dass dieses eigentlich eher hoffnungslose Unterfangen Früchte tragen kann.

Am Donnerstag machte ich schon mittags Feierabend. Die Sonne schien vom blauen Himmel, die Luft war klar und in der Marzipanstadt herrschte reges Treiben. Mit meinem Bike radelte ich nach Hause. Durch das alte Stadttor, um den Kreisverkehr und unter den Bäumen einer langen Straße entlang, die dringend einen neuen Radweg braucht. Zu Hause stieg ich aus meinem Anzug, machte mich kurz frisch und schlüpfte in bequemere Klamotten. Dann schwang ich mich erneut auf mein Rad und machte mich auf den Weg zum Arbeitsamt. Als gewohnter Bus- und Autofahrer empfand ich den Weg als ziemlich weit. Mal ging es bergan und mal bergab. Über große, mehrspurige Brücken, an tausend Ampeln an verkehrsreichen Kreuzungen vorbei verschwand der blaue Himmel allmählich unter dicken grauen Wolken. Kaum war die Sonne nicht mehr zu sehen wurde es kälter und ich war mir sicher, gleich würde ich nass werden. Ich stieg noch etwas kräftiger in die Pedale. Beim Arbeitsamt würde ich mich ja ausruhen könne, während ich warte.

Außer Atem kam ich beim Amtsgebäude an, schloss mein Rad am Ständer fest und ging hinein. „Empfang“ stand auf dem Schild mit Pfeil und so bog ich rechts ab und stellte mich ans Ende der kurzen Warteschlange. Zwei Minuten später war ich auch schon dran und eine nette, kräftige Frau nahm freundlich meine Personalien auf. Sie erklärte mir, dass man mich morgen anrufen würde und ich dann diesen Fragebogen ausgefüllt bereithalten solle. Ich war etwas verwirrt, denn als ich mich telefonisch erkundigte, was ich tun müsse, um mich arbeitssuchend zu melden, hatte ich die Wahl. Ich könnte es entweder telefonisch machen oder persönlich. Ich hasse telefonieren und spreche viel lieber direkt mit den Leuten – erst recht, wenn ich nicht weiß, womit ich es zu tun habe. Die nette Empfangsdame erklärte mir, dass ich sowieso hätte herkommen müssen, weil sie meinen Personalausweis bräuchte, aber der Rest passiere erst einmal telefonisch.

Fünf Minuten später saß ich schon wieder auf dem Rad. Ausruhen war nicht drin. Zu Hause stieg ich dann erstmal unter die Dusche…

Am Freitag rief mich dann morgens eine Dame vom Arbeitsamts-Callcenter in der Firma an und brav beantwortete ich ihr alle Fragen. Jetzt habe ich einen Termin bei meinem Sachbearbeiter Mitte März.

Ich hoffe natürlich, dass alles noch gut ausgeht und ich in meiner Firma bleiben kann. Eine gesicherte Zukunft hätte für mich einen gewissen Charme…

 

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