olé!

:: café au lait

heute früh konnte ich die augen wieder öffnen und die richtung meiner blicke selbst bestimmen. nur ein vernachlässigbar kleiner rest des gestrigen unwohlseins ist verblieben, so dass ich um neun uhr hochmotiviert mein bett verließ. nachdem ich die groben bartstoppeln aus meinem gesicht verbannt und eine wohltuend heiße dusche genossen habe, wagte ich ein kleines frühstück – nicht zuviel natürlich, damit sich der geplante brunch auch lohnte.
mit dem auto über die autobahn bis zum tierpark – ihr kennt den weg inzwischen. mit der u-bahn fuhr ich geradewegs bis zum borgweg, taperte wieder an die oberfläche und schlug die mir bekannte richtung zum café feelgood ein, das nicht weit von der u-bahn-station liegt. ich betrat das in blau- und orangetönen gehaltene lokal, verschaffte mir beim schließen der eingangstüre einen überblick über die gäste und wählte den gleichen tisch in der ecke, den ich schon letzte woche mit eli geteilt hatte. natürlich war er heute nicht hier, ist inzwischen sicher schon in einer anderen großen stadt in europa unterwegs. vielleicht lag es am wetter, dass heute wesentlich mehr tische zur auswahl standen und der geräuschpegel deutlich niedriger lag. aber das tat meinem restlichen schwindelgefühl ganz gut. ich stellte mir ein menü zusammen, bestehend aus brötchen, müsli, ei und fruchtsaft und genoss es in aller ruhe in angenehmer atmosphäre. nachschlag war jederzeit möglich und schon bereute ich das – wenn auch nur kleine – frühstück zu hause. egal. nebenbei packte ich meinen roman aus der tasche und fühlte mich sauwohl. den abschluss bildete über eine stunde später ein café au lait.

:: olé, olé olé olé!

als ich satt und zufrieden das café verließ regnete es. meinen schirm hatte ich aus purer bequemlichkeit im auto gelassen, aber mein cordhut verhinderte schlimmere feuchte unfröhlichkeiten und frohen mutes lief ich über die große kreuzung zurück zur u-bahnstation. um 14:30 uhr war ich im nächsten café verabredet, im café gnosa. die ankommende bahn war ziemlich voll, nur ein einzelner platz war noch frei. mir gegenüber saß ein junger paps mit seinem knirps auf dem schoß. der kleine war vielleicht zwei oder drei jahre alt – na eher drei. sein daddy zeigte ihm die vielen dinge, an denen wir auf dem weg zum hauptbahnhof vorbeifuhren. enten, einen teich, einen see und lauter so zeugs. jede station wurde nach einem gong von einer netten frauenstimme angekündigt, und als sie die haltestelle „st. pauli“ ankündigte, stimmte der kleine ein fröhliches „olé, olé olé olé!!“ an. der papa, stolz wie oscar, grinste bis über beide ohren und der halbe waggon applaudierte. erlebnis bahn!

:: oh là, là!

am hauptbahnhof angekommen, stieg ich die kaputte rolltreppe hinauf, wo schon die ruhigen klänge der bahnhofsmusik zu hören waren. natürlich regnete es noch immer, und nicht nur das, die intensität nahm noch zu. aber nach einem klasse frühstück kann mich ja nichts erschüttern. schnurstracks in die „lange reihe“, vorbei an etlichen regenbogenbeflaggten etablissements, vom schwulen- und lesbenfreundlichen restaurant über den imbiss an der ecke bis zum hotel und schließlich zu meinem lieblingscafé am ende. trotz des wetters saßen ein paar hartgesottene unter der markise im freien, und als ich durch die tür ging, war auch klar, wieso: es war unverschämt voll! in dem sehr schmalen gang hatte sich bereits eine warteschlange gebildet für die begehrten plätze im hauptraum am ende. das fand ich problematisch, denn dieses café war der treffpunkt für mein date. glücklicherweise war inmitten des trubels im eingangsbereich ein platz an einem zwei-personen-tisch frei. ich vergewisserte mich, dass er niemandem gehörte und ließ mich nieder. der typ mir gegenüber blätterte in einer zeitschrift, am nebentisch saßen vier boys, aufgeregt und fröhlich plappernd und zwei von ihnen händchen haltend. ich orderte einen cappucino, weil ich dem im gnosa einfach nicht widerstehen kann. ich zuppelte meinen roman aus der tasche und versuchte, in dem lärm zu lesen. hoffnungslos, also legte ich das buch beiseite. mein tischgegenüber zahlte und sofort fragte mich ein älterer hund mit herr – nein andersrum, ob der platz nun frei sei. ich bejahte und die beiden ließen sich nieder. der mann bestellte ein stück kirschkuchen und einen kräftigen schwarzen tee.

bald darauf und pünktlich wie die maurer kitzelte mein handy in der hosentasche. ich zahlte hektisch, packte meine sieben sachen und verließ das café, das für uns beide sowieso nicht genug platz bot. ich stellte mich in einen hauseingang, während es unablässig regnete, als ich tino entdeckte. oh là, là! ein wirklich süßer kerl! wir kannten uns nur aus wenigen gesprächen im chatroom und orientierten uns anhand der bilder im profil. aber wir erkannten uns (nicht im biblischen sinne natürlich) und entschieden, das gnosa später noch mal zu besuchen. wir liefen plappernd im regen nebeneinander her zum hauptbahnhof, eigentlich ohne genaues ziel, weil keiner von uns nun genau wusste, wo man bei diesem scheißwetter in hamburg hingehen kann. die „g-bar“ hatte noch geschlossen, nach imbiss an der ecke stand keinem von uns der sinn und so kamen wir unter dem schützenden dach des hauptbahnhofes an. zusammen gingen wir in einen buchladen und während tino nach einem fachbuch stöberte nutzte ich die gelegenheit, nach einem neuen roman zu suchen: „ein zuhause am ende der welt“ ist der titel des buches zum kürzlich verpassten film mit colin farrell. ich fand und zahlte und schon waren wir wieder raus. sonntags einkaufen ist toll! nach einer großen runde durch die großzügige ladenpassage des bahnhofes schlenderten wir immer noch plappernd zurück in die lange reihe.

es war nicht wesentlich leerer geworden, aber wie der zufall es wollte, wurden just in dem moment zwei plätze an einem vierertisch frei, die wir kurzerhand in beschlag nahmen. und so floß der nächste cappucino, während ich mehr von tino, dem soldaten, erfuhr.

bald darauf hieß es leider auch schon abschied nehmen, die zeit war wie im fluge vergangen. am bahnhof verabschiedeten wir uns mit einer umarmung, und während er sich auf den weg zu seiner kaserne machte stieg ich beschwingt und fröhlich mit dudelnder bahnhofsmusik wieder in den untergrund hinab.

inzwischen bin ich längst zuhause, werde mir gleich eine portion spaghetti machen und mit den videoaufzeichnungen des heutigen fernsehprogramms ein schönes halbes wochenende ausklingen lassen.

 

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