Montebello

Er ist da! Unerwarteterweise lief beim Abholen des neuen Wagens alles wie am Schnürchen. Aber ich fange mal vorn an:

Als mein Handy gegen halb acht Alarm schlägt denken meine Augen nicht im Traum daran, sich zu öffnen. Meine rechte Hand sucht patschend nach dem Krachmacher und sorgt für Ruhe – zumindest für fünf Minuten. Engelchen und ich müssen heute nahezu zeitgleich das Haus verlassen, der eine mit dem Fahrrad (das bin dann ich) und der andere mit dem neongelben Kleinwagen.

Auf die Arbeit kann ich mich nicht so richtig konzentrieren, macht aber auch nichts, Chef ist nicht da. So blicke ich alle paar Augenblicke auf die Uhr und mache um 15 Uhr vorzeitig Feierabend. Ich fische das Rad aus der Tiefgarage und radele zur Firma meines Liebsten, schließe es am Ständer fest und tausche mit Engelchen die Schlüssel. Er bekommt das Rad und ich den Wagen. Zehn Minuten später habe ich ihn ein letztes Mal durch die Waschstraße gefahren und schon bin ich auf dem Weg nach Itzehoe. Es ist wieder sehr warm und ich freue mich darauf, die Rückfahrt klimatisiert antreten zu können. Nach knapp zwei Stunden passiert der kleine Gelbe das Ortsschild meiner früheren Kreisstadt, als plötzlich aus einer Seitenstraße rechts ein Fahrzeug losfährt. Ich trete auf die Bremse und auch der Querschläger kommt abrupt zum Stehen. Glück gehabt, kleiner Gelber. Vorletzte Fahrt und fast ein Crash. Und so gelange ich doch noch wohlbehalten zu Nate. Auf dem Hof zwischen den Betonsilos lasse ich den Fiat noch ein letztes Mal posieren und einen Kaffee später hält mich nichts mehr und ich will endlich den neuen Wagen abholen.

Auf der Autobahn gebe ich dem Wagen ein letztes Mal die Sporen und flugs sind wir in Schenefeld und noch flugser bei Peugeot. Ich fahre den Gelben auf einen der Parkplätze und schließe ihn zum letzten Mal ab. Bei so vielen letzten Malen wird einem ganz weich ums Herz…

Da geht er hin…

Meine Verkäuferin ist heute nicht in Top-Form. Eine stressige Woche scheint hinter ihr zu liegen und so ist es gut, dass Nate als Fachmann dabei ist. Nach dem notwendigen Papierkram und der Zusicherung, dass die Winterräder im September kommen (wie praktisch) gehen wir zu meinem neuen Auto. Blau und glänzend (und staubig) steht es in der Ausstellungshalle und wirkt ganz schön groß. Sie manövriert ihn noch ins Freie und dann gehört er ganz mir! Ich bekomme noch eine SOS-Tasche (früher hieß das „Verbandkasten“) und einen Strauß Blumen und dann sind wir auch schon unterwegs.

So klein und schlank wie der Fiat ist der Peugeot 207 nicht, und so gerate ich doch leicht ins Schwitzen, als mir auf einer Landstraße ein LKW entgegenkommt. Passt das? Passt das? Hat gepasst! Puh! Nicht lange danach beginne ich schon, mich an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen und bald darauf sind wir schon wieder bei Nates Wohnung am Hafen angekommen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mir alles erklären zu lassen, vom Einstellen der Spiegel, über den Bordcomputer bis hin zum Motor. Ganz schön schön so ein Auto! Zu guter Letzt gibt es noch einen Kaffee auf der weißen Couch und dann wird es Zeit für die Rückfahrt. Draußen ist es merklich kühler geworden, und so lohnt es sich gar nicht, die Klimaanlage einzuschalten.

Die Fahrt verlief ruhig und ohne Zwischenfälle, wenn auch ziemlich langsam hinter einem Wohnmobil her. Ich hab mich noch nicht getraut zu überholen, und so fuhr ich brav hinterher. Als ich dann endlich zu Hause ankomme ist die Sonne schon untergegangen.

Der Parkplatz bei OBI ist riesig und zu später Stunde ein geeigneter Platz für ein ungefährliches Fahrtraining fernab des Straßenverkehrs. Hier setzt sich mein Engel ans Steuer, vertrödelt noch eine ganze Weile mit der Musikanlage und kommt dann doch nicht drumherum uns von der Stelle zu bewegen. Bei so vielen Funktionen drehen wir ein paar Runden, bis alles sitzt und dann geht es auf die Straße, durch die Stadt und dann zu Burger King. Ich lasse den Wagen während des Essens nicht aus den Augen und wünsche mir eine Garage, damit er zu Hause nicht so zugänglich ist. Es ist fast Mitternacht, als ich einen geeigneten Parkplatz finde, der mit den ungewohnten Dimensionen des neuen Autos zurechtkommt. Vor unserem Haus ist natürlich nichts mehr frei und so stelle ich ihn schweren Herzens ein Stück weiter die Straße runter vor dem Chinarestaurant ab. Und wieder denke ich an eine Garage…

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