Mondsucht

Der Vollmond steht bereits hell am schwarzen Abendhimmel, so hell, dass er mich fast zu blenden scheint und scharfe Schatten durch die knorrigen Äste der wuchtigen Kastanienbäume wirft, unter denen ich Minuten zuvor noch entlanggelaufen bin. Die kalte, stille Herbstluft lässt meinen Atem wie weißen Rauch aus einem Schornstein aufsteigen und meine Hände suchen wärmenden Schutz in meinen Hosentaschen.

Während der Mond immer höher steigt und das Sonnenlicht in die ansonsten so dunkle Nacht reflektiert, steige ich in den Aufzug, der mich geräuschvoll in den sechsten Stock trägt. Es war ein guter Tag, das wusste schon mein Frühstückshoroskop. Die Arbeit machte Spaß, meine Laune war sonnig, und voller Energie schien ich all jenes aufarbeiten zu wollen, was in der letzten Woche unter müden Anstrengungen liegen geblieben war. Selbst lästige Arbeiten gingen mir ohne Schwierigkeiten von der Hand und mit den Gedanken noch bei meinem Engel schaffte ich es mit scheinbarer Leichtigkeit das Pensum der ganzen letzten Woche aufzuholen. Ein Montag der besonderen Art.

Nun geht er langsam zuende, und während ein lieber Mensch an der anderen Küste darauf wartet, Ruhe zum Telefonieren zu finden rücke ich die letzten Lettern zurecht und wünsche allseits…

…gute Nacht!

 

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