Masken, Trockenheit, Lockerungen

Mein Freund und ich sind, was in meiner Kindheit als „Stubenhocker“ bezeichnet wurde – wir sind also gern zu Hause. Seit ein paar Wochen kommt uns das zugute. Während viele Menschen schon kurz nach Inkrafttreten der Einschränkungen des öffentlichen Lebens unruhig und ungeduldig wurden, nicht stillsitzen und die Regeln nicht annehmen konnten, macht uns die „Isolation“ nichts aus.

So richtig isoliert sind wir ja auch gar nicht. Wir haben Telefon, Internet, Radio und Fernsehen, wir dürfen das Haus verlassen, Lebensmittel einkaufen gehen und alles Mögliche online bestellen. Isolation – seien wir mal ehrlich – sieht ganz anders aus.

Seit Montag nun gewinnen dennoch die Unruhigen und Ungeduldigen die Oberhand, Geschäfte bis 800 Quadratmeter Ladenfläche dürfen wieder öffnen. Aber weil die meisten Menschen offensichtlich erkennen, dass das zu früh und noch zu gefährlich ist, geht kaum jemand hin. Gerade noch freuen wir uns, dass die Einschränkungen zu funktionieren scheinen, werden sie auch schon wieder aufgehoben. Gleichzeitig entsteht egoistischer Neid der Geschäfte, die mehr Ladenfläche haben und nicht verstehen, warum sie nicht öffnen dürfen. Weil solchen Leuten der Wohlstand abhanden zu kommen droht, scheint die Gefahr verdängt zu werden, die von dem Virus ausgeht. Wir erinnern uns an schreckliche Bilder aus Italien, wo Ärzte entscheiden mussten, für welche Patienten noch genug Behandlungskapazität vorhanden war, und welche man ohne Behandlung sterben lassen musste. Wie im Krieg. Ähnliche Szenen in Spanien. Und auf der anderen Seite des Globus, in New York, stehen ganze Kolonnen von Leichenkühlwagen, weil die Anzahl der Toten die Krematorien und Bestatter längst überrollen. Und Ober-Wohlständler Trump drängt schon seit Wochen zu Lockerungen, notfalls würde er sogar das Parlament ausschalten. So wie Trump denken leider viele, die ihren Wohlstand zu kurzsichtig aufgebaut haben und jetzt in Panik geraten – auf Kosten anderer.

Szenen wie in Italien oder New York blieben uns in Deutschland bisher erspart. Dafür erntet die Kanzlerin vor allem im Ausland Bewunderung, die sich nach einer Führung sehnen, die zuerst den Schutz der Bevölkerung im Fokus hat, und dann den Wohlstand. Und wo ich vorhin schon das Wort „Krieg“ benutzt habe: Die EU hat gerade ein gigantisches Finanzpaket von über einer halben Billion Euro beschlossen, um Europa und seine Wirtschaft nach der Pandemie wieder aufzubauen.

Soviel wollte ich dazu gar nicht schreiben. Ich wollte nur kurz notieren, dass ich mir eine Nähmaschine gekauft habe. Der Bedarf an Gesichtsmasken war dabei nur der letzte Tropfen, ich hab mir auch früher schon ein Gerät geliehen, wenn es etwas zu nähen gab. Die Nähmaschine soll nächste Woche geliefert werden. Schwieriger ist es hingegen mit Stoffen, Vliesen und Gummibändern, da ist alles schon weggekauft.

 

#WirBleibenZuhause
#FightEveryCrisis

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