Lacarians Zoo

Zunächst einmal danke für die vielen Zusprüche nach meinem letzten Eintrag. Mal gibt es Tage, da ist die Situation für mich glasklar und dann gibt es wieder Momente, in denen ich schwanke. Hier und dort ernte ich neue Zusprüche oder das Gegenteil, an anderer Stelle kommt berechtigte Kritik an meinem Verhalten. Danke dafür. Über alles habe ich viel nachgedacht und tue das nach wie vor. Ich versuche an dem Verhalten zu arbeiten, aber weil das alles Gefühlsdinge sind, ist das nicht einfach. Aber ich werde auch damit umgehen und daraus lernen.

Während ich sonst bei meinen Besuchen in der schönsten Stadt der Welt regelmäßig beim Zoo parke, scheinen sich die Tiere nun bei mir einzufinden. Zwar hatte ich bislang weder Besuch von Giraffen, noch von Löwen oder Schlangen, vor wenigen Tagen jedoch hat sich ein junger Wanderfalke auf meinen Balkon verirrt und klopfte mit dem rechten Flügel gegen die Glastür. Als ich nachsah, woher das Klopfen kam, entdeckte ich den braunen Vogel am Boden. Er schien entkräftet und nach kurzem Zögern öffnete ich vorsichtig die Tür. Er flog nicht weg. Ich überlegte kurz, was ich nun mit ihm anstellen sollte, holte alsdann einen Schuhkarton, schnitt ein paar Löcher hinein und nahm den Vogel behutsam mit einem weichen Handtuch hoch. Er wehrte sich nicht dagegen, wenngleich er zweifellos sehr ängstlich gewesen sein muss. Vorsichtig setzte ich ihn in den präparierten Karton, doch ehe ich den Deckel draufsetzen konnte, machte er sich davon, flog ungestüm durch die Tür auf den Balkon und geradewegs gegen die hintere Wand. Mit einem Platsch landete er in der Regenwasserpfütze. Bestürzt sah ich nach, ob noch alles dran wäre und nahm ihn dann erneut hoch, diesmal nicht ganz ohne Widerstand. Es gelang mir, das Tier in den Schuhkarton zu setzen und den Deckel draufzutun. Da stand ich nun, leicht bekleidet, weil’s erst kurz nach dem Aufstehen war, vor meinen nackten Füßen dieser durchlöcherte Schuhkarton und darin ein junger Wanderfalke, der vermutlich seine Flugkünste etwas überschätzt hatte. Nach einem Anruf beim örtlichen Tierarzt gab ich den Vogel in dessen fachkundige Hände.

Gestern nun überraschte mich ein anderes Tier, das mir von meiner Gardinenstange beim Kochen zusah: eine ziemlich große Heuschrecke. Zunächst erschrak ich angesichts eines so großen Insektes in meiner Küche, und während das Eierwasser zu sprudeln begann überlegte ich angestrengt, wie ich den Hüpfer wohl am besten zum Auszug bewegen könnte. Ich griff also nach der nächstgelegenen Plastikschüssel und fing das Tier darin ein. Deckel drauf und raus damit auf den Balkon. Ich stellte den Behälter in den Blumenkasten, öffnete ihn mit weit von mir gestreckten Armen und zog mich zurück. In der Küche übergab ich zwei Hühnereier dem immer noch kochenden Wasser, als mich eine große Heuschrecke von der Wand neben mir anstarrte. Mein erster Gedanke: Ich habe eine Heuschreckenplage in meiner Küche!! Mein zweiter Gedanke: ich hab sie gar nicht erwischt und offensichtlich einen leeren Behälter in den Blumenkasten gestellt. Ich lief also schnurstracks zurück auf den Balkon, sammelte die Schüssel wieder ein und startete einen zweiten Versuch, das Tier einzufangen. Diesmal gelang es und ich wiederholte die Prozedur mit den ausgestreckten Armen. Zunächst beobachtete ich, wie die Heuschrecke auf der Balkonbrüstung hin und herkrabbelte und sich fragte, ob sie einen Sprung aus dem sechsten Stock schaffen könnte. Sie schien sich für „ja“ entschieden zu haben.

Ach du Schreck!

Welches Tier mich wohl als nächstes besuchen kommt?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*