Lacarian auf Shoppingtour

Vor einer Woche noch auf die lange Bank geschoben habe ich heute meinen Geiz in die nächstgelegene Mülltonne geworfen, mein Sparkonto geplündert *je ne regrette rien!* und bin schnurstracks nach Hamburg in die City gefahren. Hab meinen Kleinwagen (immer noch grau) beim Tierpark abgestellt, ein Tagesticket gelöst und mich in die U-Bahn gefläzt. Erstes Ziel: Hauptbahnhof. Will ich doch die Mönckebergstraße unsicher machen!

Raus aus der U-Bahn, mit der Rolltreppe zurück ans Tageslicht und bloß nicht anmerken lassen, dass es hier für mich Landei viel zu viele Ausgänge gibt. Da es eh niemand nachprüfen kann behaupte ich einfach, ich hätte den Ausgang zur Mö auf Anhieb gefunden.

Als erstes machte ich mich auf die Suche nach einem Frisör. Die Zottel auf meinem Haupt waren doch schon wieder anderthalb Monate alt. Bald fand ich einen Salon in irgendner Einkaufspassage. War so gut versteckt, dass ich gleich drankam. Sehr nett übrigens: Kaffee inklusive. Nachdem das erledigt ist (bei Männern geht das ja in der Regel schnell) kann’s losgehen. Ich suche einen ansprechenden Laden, in dem ich meine Garderobe aufpeppen kann. Was für ein Glück, auf der Mö gibt es ja so einiges an Auswahl. Die grobe Richtung hatte ich zum Jahreswechsel bereits in unserer Hauptstadt auf’m Ku’Damm abgecheckt, wusste also in etwa, wonach ich eigentlich suchte. H&M, anson, Esprit, Kenvelo, Karstadt, New Yorker – die Auswahl war so ergiebig wie die Preise.

Als Appetitanreger nutzte ich anson. Coole Klamotten, aber gesalzene Preise. Nichts für mein Budget also. Esprit hatte nicht das Passende anzubieten und bei H&M suchte ich zunächst vergeblich nach meinem Geschmack. Bei Kenvelo finde ich grundsätzlich immer irgendwas, leider halten die Sachen nie lange. New Yorker trifft meinen Geschmack überhaupt nicht und Karstadt wähle ich immer als letzte Alternative, weiß auch nicht recht wieso. Ist schon nicht leicht mit mir – zum Glück war ich allein unterwegs, das kann man ja keinem antun!

Einmal um den Block und ich stoße auf H&M – war ich da nicht grad schon? Ne, war’n anderer. Also hinein, ich geb ja so schnell nicht auf. Mit der Rolltreppe ins Untergeschoss, und da gibt’s schon gleich viel zu sehen. Und die Klamotten sehen auch ansprechender aus *fg*. Einmal zwecks Überblick durch die Gänge, mal hier anfassen, dort drücken – perfekt, hat fast alles, wonach ich suche. Da mich mein Rucksack tierisch nervt gehe ich zur Kasse und frage die nette Dame, ob man seine Tasche hier irgendwo lassen kann. Als Antwort kriege ich ein nüchternes „Nein.“ … Klasse, ich mag klare Verhältnisse. Etwas perplex angesichts des ergiebigen Gesprächs ziehe ich brav mit meinem Rucksack von dannen, um nach und nach meine Beute einzusammeln. Da wäre als erstes eine Strickjacke (gibt es eigentlich ein modernes Wort dafür?? Irgendwas, das cooler klingt als „Strickjacke“??). Jedenfalls ist sie dunkelblau, hat zwei Zipper (*g*) und weiße Streifen, die hoch zur Schulter führen. Gefällt mir.

Nicht weit davon entfernt sehe ich ein paar Shirts. Ich möchte ein hellblaues zur Jacke. Nehm ich nun das mit weißer Schrift (irgendwas mit „bay…“ – nicht „…watch“) oder lieber das mit „Lapland“? Hab mich für Letzteres entschieden, finde, es passt gut zur Strickjacke.

OK, was haben wir noch? Ich will unbedingt eine neue Jacke haben, eine mit so Futter am Kragen. Da hätten wir die Cord-Jacke, die mir bis in die Kniekehlen hängt…. ne. Oder die Flauschjacke mit der Pelzkapuze… ähh, nö. Gewonnen hat eine dunkelblaue Jacke mit Futterkragen. Sehr warm und – sollte man’s glauben -sie passt zur Strickjacke und zum Shirt.

Mit Strickjacke, Shirt, Fellkragen und Rucksack tapere ich zur Anprobe. Hui, warm hier. Jacke aus, Pulli aus, Shirt aus – schon besser. Neues Shirt an, neue Strickjacke an, Fellkragen drüber – HALLO! Kann ich’s gleich anbehalten?!

OK, der Anfang wär‘ gemacht. Alles wieder aus- und angezogen und mit Sack und Pack an die Kasse. Wie schön, meine nette Gesprächspartnerin von vorhin. Sie scannt die Ware ein – 79 Euro – und ich zahle mit meinem guten Namen. Sie wünscht mir einen schönen Tag und ich fahre die Rolltreppe wieder nach oben.

Ich hab noch keine Hose bekommen, außerdem brauch ich noch ne Tasche und ein bissel Kleinkram. Ein paar Minuten später stehe ich im Eingang von Karstadt und studiere den Wegweiser, der mich dann ins 5. Obergeschoss führt. Fünf Rolltreppen später suche ich die unzähligen Regale nach einer Cord-Hose mit Schlag ab. „Kann ich Ihnen helfen“ zirpt ein Stimmchen hinter mir. „Schülerpraktikant“ steht auf dem Schild an der Brust des blonden Knaben, der mich höflich anlächelt. Weil ich gerade erst angekommen bin, lehne ich dankend ab und erforsche weiter auf eigene Faust das Überangebot an Hosen. Meinen Schülerpraktikanten habe ich damit dazu verdammt, weiter Kartons auszupacken. Sorry Kleiner!

Zur Strafe dauert es eine halbe Ewigkeit, bis ich eine Hose gefunden habe, die meinen Vorstellungen entspricht. Glück muss man haben, sie ist um 50 % reduziert. Weil das mit den Größen nie so ganz hinhaut und weil ich mir in Bezug auf die Farbe nicht so sicher war, nehme ich drei Hosen mit in die Anprobe. Eine dunkelblaue und zwei braune. Die Dunkelblaue passt schonmal gar nicht. Weder in der Größe noch in der Farbe. Eine der beiden braunen Hosen passt dafür perfekt. Aber passt das Braun zu meiner neuen Strickjacke? Fragen wir den Experten. Der nächstbeste Verkäufer, der kein Schülerschild auf der Brust hat, bekräftigt meinen Entschluss, die braune statt der blauen Hose zu nehmen. Im Vorbeigehen greife ich noch eine weiße Mütze ab und schlendere zur Kasse. 30 Euro, diesmal bar.

Ich verlasse Karstadt mit meinem Rucksack, einer H&M- und einer Karstadt-Tüte. Fehlt noch die Tasche. Ich besuche wieder etliche Läden, gehe dreimal an so’nem Typen vorbei, der ein großes Holzkreuz trägt und lautstark das Ende der Welt ankündigt. Schlussendlich lande ich wieder bei H&M im Untergeschoss und finde plötzlich auch den Rest meiner imaginären Einkaufsliste: eine Umhängetasche, einen Gürtel, einen Cord-Hut (stand ursprünglich nicht auf der Liste…) und als Accessoir ein Kettchen. Die 33 Euro zahle ich wieder mit meinem guten Namen – die nette Verkäuferin von vorhin hat wohl schon Feierabend.

Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, eile ich geradewegs zur U-Bahnstation „Hauptbahnhof“, wandle durch die „Wandelhalle“ und komme auf der anderen Seite wieder heraus.

Nächstes Ziel: Das Café Gnosa in der Langen Reihe. Das bei Schwulen sehr beliebte gemütliche Café liegt ziemlich am Ende der Straße und meine Füße sind schon arg gebeutelt, als ich mich an dem einzigen freien Tisch endlich niederlasse. Der nette Italiener fragt nach meinem Wunsch und ich bestelle einen Salat und einen Cappuccino. Damit läute ich dann auch das Ende meines Aufenthalts in Hamburg ein.

Nach der relaxten Stärkung breche ich bald auf und fahre mit der U-Bahn zurück zum Tierpark, wo mein Auto brav auf mich wartet. Zu Hause angekommen muss ich natürlich all meine Schätze nochmal anprobieren und feststellen, dass es sich gelohnt hat. Wenn ich die Ausgaben dagegenhalte, bin ich zwar unter meinem Höchstmaß geblieben, aber der nächste Shopping-Schock muss wohl erstmal wieder ne Weile warten…

 

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