Krawumm!

Es sind doch immer die angenehmen Träume, aus denen man wie vom Blitz getroffen hochschreckt! Bei mir jedenfalls war es heute so! Während ich friedlich und nichtsahnend mitten im Geschehen eines… ähm „sehr angenehmen“ Traumes steckte, gab es einen lauten Knall, der mich veranlasste mich ruckartig kerzengerade aufzusetzen. Ich musste nicht lange überlegen, was den lauten Bumms verursacht hatte, denn es grollte immer noch bedrohlich. Vor meinem Schlafzimmerfenster (und vor allen anderen Schlafzimmerfenstern in der näheren Umgebung) tobte ein wirklich heftiges Unwetter! Als der Donnerschlag verklungen war und mich zwei grelle Blitze zuende geblendet hatten, legte ich mich wieder hin, zog die kuschelige Bettdecke bis an die Nasenspitze und schloss die Augen. Ich stellte mir vor, dass der lautstark peitschende Sturm und das Prasseln der dicken Hagelkörner, die gegen meine Fensterscheibe geschossen wurden, gar nicht da wären. Leider konnte mein Bambusrollo gegen die Macht der noch folgenden Lichtblitze rein gar nichts ausrichten, da half es auch nicht, dass ich die Augen fest geschlossen hatte. Spätestens beim nächsten Donnerschlag wagte ich dann den Blick zur Uhr: 04:30. Großartig! Alles was ich tun konnte, war warten. Warten auf das Ende eines Unwetters. Ungünstigerweise hatte eben jenes anscheinend gerade erst so richtig losgelegt, erhöhte noch sein Temperament und blies und blitzte und krachte, was das Zeug hielt.

Zum Schlafen kam ich also leider nicht mehr gäääähn – aber was soll’s, ist ja nur Donnerstag, und wenn ich heute Abend um halb sieben von der Arbeit wieder zu Hause bin, ist das Unwetter bestimmt vorbei.

Denkste!

18 Uhr und der Feierabend wird mit einem kraftvollen Blitz eingeläutet, der einen dumpfen Donner hinterher zieht! Das Zischen danach verursacht der kräftige Hagelschauer, der auf das Glasdach prasselt, und die Schar Menschen, die zum Toreschluss noch in die Geschäftsräume stürmt, ist gerade noch den plötzlichen Orkanböen entkommen, die jetzt mit Gewalt durch die Straßen fegen.

Dies ist bereits unser drittes kräftiges Wintergewitter in diesem Jahr, und der Wetterbericht zeigt für morgen noch mal genau das Gleiche an. Geil.

OK, soweit so gut. Ich sehe gerade, dass auch andere von Euch Wetter, Wetter, Wetter genießen durften (Enni zum Beispiel hat das äußerst anschaulich formuliert!).

DAS KREISWEHRERSATZAMT, das früher in der Stadt mit den weißen Hochhäusern residierte, ist seit meinem letzten Kontakt mit der Bundeswehr an Schleswig-Holsteins Ostküste, präziser formuliert in unsere Landeshauptstadt Kiel umgezogen. Dort, wo früher mein „KWEA“ war, ist heute nur noch die Standortverwaltung („StOV“). Und genau dort musste ich hin, um meinen prall gefüllten Seesack abzugeben. Morgens früh um kurz nach acht fuhr ich mit meinem – inzwischen wieder neongelben – Auto auf den StOV-Parkplatz. Den schweren Seesack hievte ich von meinem Beifahrersitz, schulterte ihn und schritt schnurstracks auf das nächstgelegene Gebäude zu. Es brannte Licht, die Türen ließen sich gewaltlos öffnen – aber drinnen herrschte gewaltige Leere. Ich durchlief den verlassenen Korridor, lugte in mehrere absolut leere Büros und kam bald zu dem scharfsinnigen Schluss, dass ich im falschen Gebäude war. Draußen kam mir dann so’n Typ entgegen, der fragte mich, ob er mir helfen könne.

Kurz darauf kam ich beim nächsten Gebäude an, entdeckte ein großes Schild auf dem „EINKLEIDUNG“ stand und ging durch die grüngelbe Flügeltür. Der breite nackte Korridor machte eine Biegung nach rechts und dort stieß ich mit meinem fetten Seesack fast eine Handvoll Handwerker von ihren Leitern. Durch die Junx hindurch, den Treppenaufgang hinauf, wieder nach links und schon war ich genau da angekommen, wo ich vor neun Jahren jene Kleidungsstücke erhalten hatte, die ich jetzt zurück geben sollte.

Eine nette Dame fragte nach meinem Namen, fischte meine Karteikarte heraus und wies mich an, den Seesack auf dem Tresen gegenüber zu leeren. Ich kramte also wieder alles heraus. Sie warf die Sachen, die sie von ihrer Liste strich, in einen großen Metall-Behälter und schrieb ein „F“ für jedes fehlende Teil auf. So vermissten wir gemeinsam den zweiten Stiefelbeutel, eine Feldhose (hab’s doch gewusst!) und den, die oder das Koppel (steckt wohl noch in der vermissten Feldhose…). Die nette Dame erklärte mir alsdann den Weg zu Frau Wüstenberg, die die Schadensregulierung vornehmen sollte. Ganz einfach: rechts durch die Glastür, dem langen Gang folgend bis zur nächsten Glastür, dann die Treppen rauf und durch die Glastür wieder in einen langen Korridor, bis zum Ende und dann – Überraschung! – durch die Glastür, rechts abbiegen und dann die dritte Tür links. Oder so.

Es dauerte ein wenig, bis ich Frau Wüstenberg – ihres Zeichens Regierungsoberinspektorin – gefunden hatte. Die trotz ihres Titels freundlich dreinblickende Frau wies mir einen Stuhl zu und erwähnte, dass sie dies zum ersten Mal machte. Sie fragte mich, ob ich denn wohl viele Gegenstände verloren hätte. Dies zu beurteilen überließ ich jedoch ihrem Sachverstand, woraufhin sie kritisch die Materialliste mit den drei „F“ begutachtete (wo sie die so schnell herhatte, weiß ich nicht). Wir gingen das Dokument gemeinsam durch: da wäre also eine Feldhose (sie schlug im Preisverzeichnis nach). „War das eine olivfarbene?“ – „Ja.“ Sie schrieb eine „50 %“ auf ihren Zettel und notierte den Preis daneben. Der, die oder das Koppel stand als nächstes auf der Liste, auch hier schrieb sie eine 50 % auf und daneben einen Preis. Ich fühlte mich wie im Winterschlussverkauf. „Was ist denn ein „Stiefelbeutel“?“ fragte sie mich. „Also, das ist so ein Beutel, in den man Stiefel packen kann“ antwortete ich. Das fand sie einleuchtend und suchte den Preis. Neben die 50 % notierte sie einen Cent-Betrag, rechnete alle drei Beträge zusammen und kritzelte 8,37 Euro unter den Strich. Weil ich kein Bargeld mit mir führte, schrieb sie mir eine Rechnung, für deren Bezahlung ich exakt vier Wochen Zeit hätte. Als sie mir das genaue Ablaufdatum der Vierwochenfrist raussuchen wollte, versicherte ich ihr, das Geld noch heute anzuweisen. Wie auf Stichwort kam der Rechnungsführer in ihr Büro, freute sich über den ersten Kunden und meinte, ich könnte ihm gleich folgen, um meine Fahrkostenerstattung entgegenzunehmen. Ich dankte der Frau Regierungsoberinspektorin und folgte dem Rechnungsführer durch diverse Glastüren und Korridore bis in sein Büro, an dessen Tür ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „bin nicht anwesend“ hing. Er nahm es ab, legte mir ein simples Formular vor und meinte, er würde mir beim Ausfüllen helfen. Dass ich meinen Namen in das Feld „Name“ und meine Adresse in das Feld „Anschrift“ schon allein schreiben konnte, schien ihn zu beeindrucken. Er schlug in einer Liste nach und zahlte mir 4,60 Euro aus, woraufhin ich entlassen war und den Rückmarsch aus dem Gebäude zurück zu meinem Auto antrat.

Das war also das Ende meiner Bundeswehrzeit. Wieder einmal.

 

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